Randvolle Gräben: Nördlicher Drömling ab sofort wieder ein Stück nasser / Moorschutz im Fokus

Noch einmal zehn Zentimeter drauf

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Folge einer weiteren Anhebung des Wasserstandes um zehn Zentimeter: Die Drömlings-Gräben entlang der L 22 zwischen Röwitz und Buchhorst sind randvoll. Rastende Vögel scheint das zu gefallen, doch die Naturparkverwaltung hat mit der Maßnahme vor allem den Schutz des Moorbodens im Blick.

Röwitz / Buchhorst. Es gab keinen harten Winter, keine Schneeschmelze und auch Regen gab es seit Ende Januar eher zu wenig als zuviel – und doch sind die Gräben im Norddrömling links und rechts der Landesstraße 22 zwischen Röwitz und Buchhorst bis zum Rand gefüllt.

Hintergrund ist eine weitere Vernässungsstufe, die seit Anfang Februar zum Tragen kommt, wie Hagen Müller, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Obere Ohre und Aller, auf Nachfrage der AZ erklärt.

Demnach sieht das von Land und Naturparkverwaltung geführte und im Januar öffentlich ausgelegte wasserrechtliche Verfahren vor, dass die Gräben in der 1213 Hektar großen Nässezone „Nördlicher Drömling“ in den Wintermonaten um weitere zehn Zentimeter angestaut werden. „Statt bisher 56,40 Meter über dem Meeresspiegel liegt der Wasserstand nun bei 56,50 Meter“, erläutert Müller. Und zwar künftig vom 16. November bis 31. März. Vom 1. April bis 31. Mai werde dann am alten Schöpfwerk bei Buchhorst auf 56,40 Meter herunterreguliert und vom 1. Juni bis 15. November schließlich auf 56,20 Meter.

Doch damit nicht genug: In Ausnahmefällen, so der Geschäftsführer, könne das Wasser im Winter auch 20 Zentimeter höher als bisher angestaut werden. Nämlich dann, wenn durch besonders hohe Abflussraten Hochwasser an der Ohre droht. „Das Gebiet dient dann als Retentionsraum, also Pufferfläche für den Hochwasserschutz“, so Hagen Müller.

Mit der weiteren Vernässung hat die Naturparkverwaltung, wie Mitarbeiter Matthias Dumjahn erläutert, insbesondere den Schutz des Moorbodens im Blick. „Eine Austrocknung des Moorkörpers muss in jedem Fall vermieden werden. Sauerstoffeintrag in Entwässerungs- und Austrocknungsphasen führt zum mikrobiellen Abbau der Torfe, was durch mineralische Düngung noch verstärkt wird. Zurück würde allein der unfruchtbare Sanduntergrund bleiben“, so Dumjahn.

Durch die intensive Nutzung des Drömlings sei bereits im 20. Jahrhundert ein Moorschwund von 0,5 bis 0,8 Zentimeter pro Jahr nachgewiesen worden. Die ursprünglich zwei Meter starke Torfschicht schrumpfte durch Entwässerungsmaßnahmen auf 30 bis 70 Zentimeter zusammen. „Bei Fortsetzung dieser Nutzungsform würde es in 50 bis 80 Jahren nur noch eine Sandniederung mit wenigen Moorinseln geben“, erklärt der Naturpark-Mitarbeiter.

Die Wasserstände im Norddrömling werden bereits seit Jahren Schritt für Schritt angehoben. In einem Flurbereinigungsverfahren wurden hierfür zuvor private Flächen in der Nässezone gegen Land außerhalb eingetauscht. Um Befürchtungen, umliegende Ortschaften könnten durch die Vernässung betroffen sein, zu entgegnen, wird durch die Naturparkverwaltung ein Netz von 250 Messstellen für den Wasserstand unterhalten. Die Messpunkte würden zeigen, so hat die Naturparkverwaltung in der Vergangenheit immer wieder betont, dass es außerhalb der ausgewiesenen Nässezonen keine Auswirkungen durch die Wasserstandsanhebungen gebe.

Von Matthias Mittank

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