Krippenneubau in Oebisfelde lässt die Platzkosten in astronomische Höhen schnellen

„Nicht richtig nachgedacht“

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Die Kosten für die neu gebaut Krippe an der Stendaler Straße fallen der Stadt Oebisfelde-Weferlingen bei der für die Doppik verlangten Kalkulation der Platzkosten auf die Füße. Zumal das Land fordert, die Eltern zu 50 Prozent zu beteiligen.

Oebisfelde. In die Kostenkalkulation für die Umstellung auf Doppik müssen auch die Kindereinrichtungen einbezogen werden. „Und wir müssen Rückstellungen dafür bilden. Das erhöht die Platzkosten ganz enorm“, erklärt Bürgermeisterin Silke Wolf im AZ-Gespräch.

Derzeit werden in der Verwaltung gerade die neuen Platzkosten ausgerechnet. Der Bau der Kinderkrippe mit 1,2 Millionen Euro ohne Fördermittel des Landes fällt der Stadt nun bei den Kosten auf die Füße. Die Baukosten müssen auf die 50 Krippenkinder, die betreut werden, umgelegt werden. Der Krippenplatz in der neu errichteten Einrichtung an der Stendaler Straße wäre somit für die Eltern nicht mehr zu bezahlen. „Die errechneten Kosten sind astronomisch. Und nach Meinung unserer Landesregierung sollen die Kosten zu 50 Prozent auf die Eltern umgelegt werden. “ Es würde wohl kaum jemand sein Kind in die Krippe bringen, wenn der Platz 500 Euro kostet, vermutet Silke Wolf.

Die alten, etwas antiquierten Einrichtungen, die die Stadt an der Backe hat und die mit hohem Sanierungsbedarf dastehen, werden dagegen finanziell für die Eltern attraktiv. „Das sind die Kindergärten, die jetzt am billigsten sind.“ Die alten Häuser, mit ihren nicht so optimalen Rahmenbedingungen, werden so zu den Einrichtungen, die sich rechnen und für deren Erhalt sich die Kommune einsetzen müsste. Das was neu und schön ist und auch von den Eltern gewünscht wird, um ihre Kinder adäquat betreuen zu lassen, kann man den Eltern finanziell nicht zumuten. Diese Problematik den Bürgern zu vermitteln, ist fast unmöglich, befürchtet die Bürgermeisterin. „Da hat einfach jemand nicht richtig nachgedacht“, stellt Silke Wolf fest. Besser wäre es gewesen, die Doppik zunächst auf Landesebene zu testen und dann in den Kommunen von den Erfahrungen zu profitieren, findet sie.

Als kleinste und unrentabelste Einrichtung hatte der Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen, die Kita in Wassensdorf zum 1. August zu schließen. Es war eine unpopuläre und von den Wassensdorfer vehement bekämpfte Entscheidung. Diese habe sich aber, so ist die Bürgermeisterin überzeugt, im Endeffekt als richtig erwiesen. „Die Lage hat sich beruhigt“, informiert Silke Wolf. Die Eltern der sieben Wassensdorfer Kita-Kinder hatten die Möglichkeit, sich die Oebisfelder Einrichtungen anzusehen. Die Stadt hatte zudem angeboten, dass auf Wunsch die Kinder zusammen in eine Einrichtung gehen können, um keine Freundschaften zu zerstören. Fast alle Eltern haben sich für die Villa Kunterbunt entschieden. Die Kinder konnten zusammenbleiben, die Kita-Leiterin hat ein Sonderprojekt gemacht, um die Eingewöhnung der Kinder zu erleichtern und „aus unserer Sicht hat sich das Ganze entspannt“, freut sich Silke Wolf.

Zudem sei so eine gesunde Auslastung der Oebisfelder Einrichtungen gefunden worden. „Ich halte die jetzige Regelung für richtig, auch im Nachgang.“ Die Kosten für den Erhalt der Einrichtung, für Personal- und Betriebskosten wären bei nur sieben Kindern einfach zu hoch gewesen. Die enormen Platzkosten in Wassensdorf seien auch den anderen Eltern in der Einheitsgemeinde gegenüber nur schwer zu vertreten gewesen.

Derzeit sei die Auslastung der Kitas gut, so dass aus diesem Gesichtspunkt keine weitere Kita-Schließung zu befürchten sei. Zumal die Stadt in Sachen Geburtenzahlen derzeit recht stabil ist.

In diesem Jahr wird die Kita-Satzung im Stadtrat auf den Tisch kommen. Sobald die Gebühren kalkuliert sind, „werden wir uns mit der Satzung auseinandersetzen müssen“, kündigt die Bürgermeisterin an. Die Kommune habe die Auflage nach dem neuen Kinderförderungsgesetz, eine Betreuung im Stundentakt anzubieten, also Verträge für fünf, sechs, bis zu zehn Stunden abzuschließen. Zum anderen wurde festgestellt, dass die aktuelle Satzung nicht überall praktikabel ist. Die Stadt bucht die Gebühren zum 20. des Monats von den Eltern ab, die Beträge von Land und Kreis werden aber bereits zum Monatsersten auf das Konto der Eltern überwiesen. So kann es passieren, dass das Geld am 20. nicht mehr da ist. „Wir haben wahnsinnig viel zu tun mit dem Forderungsmanagement“, erklärt Silke Wolf. Es gebe nicht nur zahlreiche Vollstreckungen, auch die Zahl der Kinder, die wegen nicht bezahlter Elternbeiträge aus der Kita ausgeschlossen werden, ist steigend. „Nach drei Monaten, die nicht gezahlt wurden, schließen wir konsequent aus, weil wir uns das einfach nicht leisten können“, ist die Bürgermeisterin streng.

Von Monika Schmidt

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