Familie Hundt aus Beetzendorf schwört seit knapp 50 Jahren auf ihr Karpfen-Rezept zu Silvester

Nicht blau, sondern in Biersoße

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Das traditionelle Abfischen des Beetzendorfer Angel- und Gewässerschutzvereins Ende Oktober bietet die beste Gelegenheit, um sich einen passenden Karpfen für Heilig Abend oder Silvester zu sichern.

Beetzendorf. Bei Familie Hundt aus Beetzendorf braucht keiner zu fragen, was am Silvestertag mittags auf den Tisch kommt. Denn das steht seit mittlerweile einem halben Jahrhundert fest.

Ebenso wie zu Heilig Abend wird am letzten Tag des Jahres ein speziell zubereiteter Karpfen serviert. „Karpfen blau oder gebraten kennt in der Region wohl jeder. Bei uns gibt es aber Karpfen in Biersoße“, erklärt Marianne Hundt im Gespräch mit der AZ.

Das Rezept kennt die aus Pommern stammende 69-Jährige von der Mutter. „Seitdem ich nach der Eheschließung 1962 in Beetzendorf wohne, hat dieses Essen bei uns Tradition“, blickt Marianne Hundt zurück. Die Zubereitung ist relativ einfach. In einem Sud aus Karamell-Malzbier, Zwiebeln, Pimentkörnern, Lorbeerblättern, Salz und Essig lässt sie den in Stücke geschnittenen Karpfen etwa zehn Minuten garen. „Danach wird die Soße noch angedickt und mit einem Stück Butter verfeinert“, erklärt die Beetzendorferin. Ungewöhnlich für Fischgerichte wird der Karpfen mit viel Soße serviert. Gemüse gibt es keines, stattdessen wird in die Mitte des Tisches ein großer Topf mit Salzkartoffeln gestellt, aus dem sich jeder bedienen kann. Bis heute, also seit nunmehr knapp 50 Jahren, lässt sich Marianne Hundt die Zubereitung des Silvester-Karpfens nicht aus der Hand nehmen. Auch die übrige Familie ist von der Tradition – zumindest größtenteils – begeistert. „Daran wird nicht gerüttelt. Ohne dieses Essen könnte ich mir Silvester gar nicht vorstellen“, sagt Volker Hundt. Auch Schwiegertochter Heike Hundt, die das Rezept nun seit 28 Jahren kennt, möchte die Tradition nicht missen. „Unsere Söhne mögen das Essen nicht so sehr, aber das kommt vielleicht noch“, hofft Volker Hundt, der als Vorsitzender des Beetzendorfer Angel- und Gewässerschutzvereins selbstverständlich für das Besorgen des Karpfens verantwortlich ist.

Bei der Frage nach dem richtigen Karpfen, räumt der passionierte Angler gleich mit einem Mythos auf – nämlich dem, dass der lebende Karpfen für eine gute Woche in klares Wasser muss, damit er nicht modrig schmeckt. „Das ist nur in den Sommermonaten der Fall. Karpfen, die im Spätherbst gefangen wurden, schmecken einwandfrei“, weiß Volker Hundt aus langjähriger Erfahrung. Der Karpfen sollte etwa drei Jahre alt und fünf bis sechs Pfund schwer sein. „Bei kleinen Fischen sind auch die Gräten klein“, warnt der Angler vor dem mühseligen Absammeln.

Viele Jahre ließ es sich Volker Hundt nicht nehmen, den Karpfen selbst zu angeln. Seit ein paar Jahren greift er auf das traditionelle Abfischen seines Angelvereins zurück. Doch der Beetzendorfer gelobt Besserung. „Im nächsten Jahr soll wieder ein Selbstgeangelter auf den Tisch“, kündigte der Vereinsvorsitzende an.

Von Matthias Mittank

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