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Bei starkem Frost wird zugeheizt

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Von der Biogasanlage bis zur Schule in Kunrau ist es nur ein Katzensprung: Eine 600 Meter lange Trasse reicht, um die Abwärme der Anlage zu nutzen. Seit 2005 reift die Idee, die Energie zu nutzen.
Von der Biogasanlage bis zur Schule in Kunrau ist es nur ein Katzensprung: Eine 600 Meter lange Trasse reicht, um die Abwärme der Anlage zu nutzen. Seit 2005 reift die Idee, die Energie zu nutzen.

Klötze / Kunrau. „Am liebsten möchte ich die Baumaßnahme dieses Jahr noch fertig haben. “ Das Ziel von Bürgermeister Matthias Mann ist dann doch wohl etwas zu ambitioniert, zeigte sich Planer Volker Seela am Mittwochabend im Hauptausschuss eher skeptisch.

Er stellte das Projekt zur Nahwärmeversorgung der Kunrauer Grundschule durch die Abwärme der Biogasanlage (AZ berichtete) vor. Die Zeit drängt, erinnerte Matthias Mann. „Es muss jetzt vieles parallel laufen. “.

Vor allem die Genehmigung müsse – wenn der Stadtrat in zwei Wochen für den Grundsatzbeschluss stimmt – schnell auf den Weg gebracht werden. Nur so können die EU-Fördermittel abgeschöpft werden. Sachsen-Anhalt ist nur noch 2013 Ziel 1-Fördergebiet in der EU und bekommt somit einen höheren Fördersatz. Ob und wie 2014 gefördert wird, steht noch in den Sternen.

Die ersten Gespräche sind schon geführt: So laufen die Vertragsverhandlungen mit der Firma, die die Wärme zur Verfügung stellt, „kostenlos“, wie es die Beschlussvorlage für den Stadtrat als Bedingung macht. Auch an das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) ist bereits ein Antrag gestellt worden, berichtete Matthias Mann. Die Signale für eine 75-prozentige Förderung des Vorhabens vom Regionalverein – die zweite Bedingung des Grundsatzbeschlusses – seien positiv. „Uns muss aber klar sein, dass das keine Vollversorgung ist“, erinnerte der Bürgermeister. In Spitzenzeiten müsse zugeheizt werden. Warum, das erläuterte der Planer: „Wenn es hundekalt ist, hat die Biogasanlage einen eigenen Wärmebedarf“, erklärte Volker Seela. Bis zu einer Temperatur von minus vier bis fünf Grad, so schätzte er ein, ist der Bedarf von Schule und Turnhalle gut zu decken. Wird es kälter, müsste zugeheizt werden. Erste Schätzungen haben ergeben, dass fürs Beheizen der kommunalen Gebäude 200 kW ausreichend sind, die Biogasanlage erzeugt thermisch 350 kW. Berücksichtigt werden müsse außerdem, dass die Schule morgens früh viel Wärme benötigt, am Nachmittag könne dann abgesenkt werden.

Bei der vom Bürgermeister geplanten Zeitschiene wollte der Planer jedoch nicht mitgehen: „Das komplett in diesem Jahr durchzuziehen, ist eigentlich nicht möglich“, sagte er, um den Hauptausschussmitgliedern „reinen Wein“ einzuschenken. Aber die Ausschreibung und die Bewilligung könnten bis zum Jahresende noch erfolgreich abgeschlossen werden. „Dann können wir die Fördermittel für den Bau nach 2014 mit rübernehmen“, erklärte Volker Seela.

73 200 Euro Eigenanteil für die Stadt haben erste Kostenschätzungen ergeben. „Das Geld ist in vier bis fünf Jahren durch die Energieeinsparung zurückgeflossen“, ist Volker Seela überzeugt. Insgesamt sollen 207 000 Euro investiert werden. Der Planer machte auf einen weiteren Vorteil für die Zukunft aufmerksam: Wenn regenerative Energien benutzt werden, so sagt das Gesetz, sind die Anforderungen an die Wärmedämmung der Gebäude nicht so hoch. Die Kosten dafür könnte die Stadt also einsparen. Das für 2015 dafür geplante Geld müsste im Haushalt vorgezogen werden, so sieht es der Grundsatzbeschluss weiter vor.

Von den Hauptausschussmitgliedern gab es einhellige Zustimmung für das Projekt. Von der UWG-Fraktion war der erneute Anlauf zur Nutzung der Abwärme mitangeschoben worden. „Ich freue mich, dass die Verwaltung das so schnell aufgegriffen hat“, betonte der UWG-Fraktionsvorsitzende Marco Wille. „Die UWG steht zu 100 Prozent dahinter.“ Auch von Carsten Behrend (SPD) gab es Zustimmung: „Das ist ein sehr gutes Zeichen, vor allem wenn ich an den Energieverbrauch in Kunrau in den vergangenen Jahren denke.“ Das Vorhaben, in diesem Jahr fertig zu werden, erschien ihm trotzdem als „sehr sportlich“ gedacht.

Von Monika Schmidt

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