Klötzer Zinnbergschule schließt endgültig ihre Pforten / Abschiedsfeier am 10. Juli

Nach 64 Jahren ist Schluss

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Seit 1998 ist die Förderschule für Lernbehinderte in dem Gebäude in der Straße der Jugend beheimatet. Dort erhielt sie auch ihren Namen „Zinnbergschule“. Jetzt wird die Schule geschlossen. Der Grund: zu wenig Schüler.

Klötze. Mit dem Klingelzeichen um 9. 30 Uhr endet am 10. Juli die Geschichte der Zinnbergschule in Klötze. Seit zwei Jahren blicken Lehrer und Schüler diesem Tag entgegen.

Bereits im August 2013 hatte Landrat Michael Ziche angekündigt, dass die Förderschule für Lernbehinderte geschlossen wird und der Schuleinzugsbereich auf Salzwedel und Gardelegen aufgeteilt wird.

Durch die stets schwächer werdende Schülerzahl konnte die Förderschule seit Jahren das Schuljahr nur mit Ausnahmegenehmigungen beginnen. Die von der Landespolitik geforderten 90 Schüler konnte die Schule bei Weitem nicht mehr erreichen. Verantwortlich dafür ist neben geburtenschwachen Jahrgängen auch die sogenannte Schulische Inklusion. So haben seit 2009 Kinder mit Behinderung laut UN-Konvention einen Rechtsanspruch darauf, am Unterricht einer Regelschule teilnehmen zu können. Diese Möglichkeit wird immer stärker von den Eltern genutzt. Die Zinnbergschüler müssen nun auf Förderschulen in Salzwedel oder Gardelegen wechseln oder auf näher gelegene Regelschulen gehen.

Damit geht die 64-jährige Geschichte der Förderschule zu Ende. 1951 wurden die ersten Kinder eingeschult. Damals war die Einrichtung in der ehemaligen Zentralschule (mittlerweile abgerissenes Technagebäude am Rathaus) untergebracht. Die 80 Schüler wurden von nur vier Lehrkräften unterrichtet, die alle Fächer parat haben mussten. Denn ausgearbeitete Lehrpläne für das Hilfsschulsystem gab es damals noch nicht. Ein Jahr später zog die Einrichtung dann in das ehemalige Kantorat (heute evangelische Familienbildungsstätte).

Ein weiterer Umzug folgte Ende der 50er Jahre in Baracken am Schwiesauer Weg. 1974 siedelte die Schule in die Mittelstraße um. Den Kindern stand dort damals kein eigener Schulhof zur Verfügung. Sie mussten erst zwei stark befahrene Straßen überqueren, um zum Pausenhof der damaligen Grundschule zu gelangen. Dort war dann keinesfalls freies Herumtoben angesagt, denn die Pausen der Förderschüler fielen mit dem Unterricht der Grundschüler zusammen. Sie mussten also leise sein und bestimme Bereiche des Pausenhofes meiden, um die Grundschüler nicht zu stören. 1994 konnten vier Klassen in die Zweigstelle des Beetzendorfer Gymnasiums in der Straße der Jugend untergebracht werden. Als die Zweigstelle aufgelöst wurde, konnten 1998 alle 167 Schüler und 23 Lehrer dort hinziehen. Nach dem Standortwechsel erhielt die Förderschule auch ihren heutigen Namen „Zinnbergschule“. Dort fanden die Schüler bis heute optimale Bedingungen durch die genügenden Räume, das große Gelände und die Nähe zu Grund- und Sekundarschule.

Am letzten Schultag vor den Sommerferien, 10. Juli, nehmen ab 9.30 Uhr Schüler, Lehrer und Eltern Abschied von „ihrer“ Zinnbergschule. Auch alle Ehemaligen sind eingeladen, sich an diesem Tag an schöne Zeiten zu erinnern und Weggefährten wiederzusehen.

Von Katharina Schulz

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