Fleischermeister Frank Kuhlmann und Ronny Bratke sorgten für interkontinentalen Know-how-Austausch

Mongolen lieben deutsche Bockwurst

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Deutsches Wissen gefragt: Frank Kuhlmann (v.l.) und Ronny Bratke begutachten die Bockwurst-Produktion im Betrieb ihrer mongolischen Gastgeber.

Altmark / Ulan Bator. Ob in Deutschland oder in anderen Erdteilen, das Handwerk lebt seit eh und je vom gegenseitigen Austausch. Nicht umsonst begibt sich so mancher frisch gebackene Handwerksgeselle auf die Walz.

Für einen ganz besonderen – sozusagen interkontinentalen – Austausch unter Handwerkern sorgen die beiden altmärkischen Fleischermeister Frank Kuhlmann aus Diesdorf und Ronny Bratke aus Jahrstedt. Über einen engen Kontakt mit einer mongolischen Fleischerei sowie gegenseitige Besuche fließt altmärkisches Know-how nach Fernost.

Im Reich von Dschingis Khan: Martina und Frank Kuhlmann sowie Bianca und Ronny Bratke lernten die Mon- golei auch kulturell kennen.

„Der Kontakt kam über eine deutsche Gewürzfirma zustande, die Produkte in die Mongolei exportiert“, erklärt Frank Kuhlmann, der vor ziemlich genau einem Jahr das aus der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator stammende Ehepaar Temuujin Khanginakh und Zuljargal Gantumur für ein vierwöchiges Praktikum in Diesdorf aufgenommen hatte (AZ berichtete). Vor allem die deutsche Bockwurst hatte es dem 23-jährigen Juniorchef Temuujin angetan, der mit seiner Frau Deutschland aber auch kulturell kennenlernte. Mittlerweile wurde auch die sofort ausgesprochene Gegeneinladung eingelöst – zusammen mit ihren Ehefrauen begaben sich Frank Kuhlmann und Ronny Bratke per Direktflug in die etwa 7000 Kilometer entfernte Millionenmetropole Ulan Bator. Zehn Tage lang lernten sie das facettenreiche Land zwischen Russland und China kennen.

„Unsere Erwartungen wurden in vielen Dingen übertroffen“, berichtet Ronny Bratke. So gebe das zum Teil „abenteuerlich anmutende Straßennetz“ einen verfälschten Eindruck über den Entwicklungsstand der mongolischen Hauptstadt. „Ulan Bator boomt an jeder Ecke“, ist der Eindruck, den die Reisegruppe sofort bekam. Statt alter Wolgas würden überall moderne Autos unterwegs sein, neue Häuser sprießen wie Pilze aus dem Boden – die Stadt platze förmlich aus allen Nähten. Auch die Fleischerei des Gastgebers, in der gut 25 Mitarbeiter beschäftigt sind, überraschte auf ganzer Linie. Von herkömmlicher Fleischverarbeitung keine Spur mehr – „maschinell haben dort europäische Standards längst Einzug gehalten“, berichtet Frank Kuhlmann. Hygienische Bedenken im Vorfeld lösten sich beim Anblick der gepflegten Ausstattung sofort in Wohlgefallen auf. „Da war alles tipptopp in Ordnung“, musste auch Ronny Bratke staunen.

Und das Beste: Deutsche Wurstwaren gehören tatsächlich bereits zum Sortiment des mongolischen Betriebes. Dass die Rezepturen aus Deutschland stammen, damit werde sogar Werbung gemacht. So wurde der Besuch der beiden altmärkischen Fleischermeister von einem örtlichen Fernsehteam festgehalten. „Bockwurst, Rotwurst, Mettwurst“, zählt Frank Kuhlmann Produkte auf, die mittlerweile in der Mongolei heiß begehrt sind. Das hierfür benötigte Schweinefleisch wird hierfür größtenteils importiert.

Konnten die Altmärker auch etwas für ihre eigenen Betriebe mitnehmen? „Eher nicht“, müssen beide Fleischermeister im AZ-Gespräch zugeben. Schließlich sei es fraglich, ob Produkte aus Kamel-, Esel- oder Pferdefleisch in Deutschland die Gaumen der breiten Mehrheit überzeugen würden. Dennoch: „Geschmeckt hat es uns dort eigentlich immer“, kann sich Ronny Bratke noch gut an das bei einer Steppentour in einer Milchkanne mit heißen Steinen zubereitete Schafsfleisch erinnern. Der Geschmack sei „exzellent“ gewesen. In bleibender Erinnerung blieb dabei auch die Tötung des extra für den deutschen Besuch geschlachteten Schafes. „Nach einem kleinen Schnitt in die Bauchdecke wird mit der Hand die Hauptschlagader durchtrennt, das Tier verblutet innerlich – schnell und vor allem ganz ruhig“, berichtete Ronny Bratke über eine in Deutschland nichtsdestoweniger undenkbare Schlachtmethode.

Dennoch können auch die Deutschen von den Mongolen lernen. „Die Menschen dort sind sehr entspannt – selbst im größten Verkehrsstau lassen die sich nicht aus der Ruhe bringen“, konnte Ronny Bratke eine nicht gerade deutsche Tugend beobachten. „Die Gastfreundschaft in der Mongolei kennt außerdem keine Grenzen“, ist nicht nur Frank Kuhlmann positiv aufgefallen. Die beiden altmärkischen Fleischer sind sich sicher, die Mongolei wiedersehen zu wollen. Doch vorher will erst Temuujins Vater noch in diesem Jahr der Altmark einen Besuch abstatten.

Von Matthias Mittank

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