Kuseyer WM-Fahrer schwärmen von der Gastfreundschaft in Russland / Banner hing am Oberrang

„Mit offenen Armen empfangen“

+
Die erste Hürde problemlos genommen: Bis zur Ankunft in Kasan hatten die drei Kuseyer, die von zwei Leipzigern begleitet wurden, noch keine Tickets für die WM. Das Abholen verlief einwandfrei.

Kusey / Kasan. „Die ganze Reise war ein Highlight“, fasst Sebastian Behrendt stellvertretend für die drei Kuseyer WM-Fahrer im AZ-Gespräch die Eindrücke zusammen. Alle Befürchtungen und Sorgen im Vorfeld, dass irgendetwas nicht klappen könnte, waren unbegründet.

„Die WM ist perfekt durchorganisiert, an jeder Ecke stehen Volunteers, die einem weiterhelfen können. “ Auch wenn die drei Kuseyer Sebastian Behrendt, René Eggert und Steffen Könnig mit dem Spiel Frankreich gegen Argentinien das wohl bislang beste Spiel des Turniers gesehen haben, ist es gar nicht so sehr der Fußball, der sie beeindruckt hat. „Wir haben ein unfassbar nettes und aufgeschlossenes russisches Volk kennengelernt“, betont Sebastian Behrendt.

Die Herzlichkeit der Menschen und die Gastfreundschaft, wie sie Irina und ihr armenischer Freund Armat (hinten r.) in Samara unter Beweis stellten, beeindruckte die Kuseyer am meisten.

Und deshalb waren es vor allem die Kontakte abseits der beiden Fußballstadien in Kasan und Samara, die den drei WM-Fans in Erinnerung bleiben werden. So haben die Kuseyer am Stadtrand von Samara Freundschaft mit Irina und ihrem armenischen Freund Armat geschlossen. Irina betreibt seit Kurzem ein „Magasin“, einen kleinen Konsum. Die Kuseyer wollten eigentlich Vodka bei ihr kaufen, doch dafür hatte sie keine Lizenz. Dafür sprach sie eine Einladung an die WM-Fans aus, zu Vodka aus ihrem privaten Bestand, Gegrilltem und Salaten. „Eine Herzlichkeit ohne Gleichen“, beschreibt Sebastian Behrendt. Auch am zweiten Abend in Samara kehrten die Kuseyer dort wieder ein. Mit Tränen in den Augen verabschiedete Irina die neuen Freunde. Um ihren Laden halten zu können, benötigt sie einen Monatsumsatz von 200 Euro. Mit dem normalen Verkauf ist das nicht zu schaffen, vermutet Behrendt. Die Kuseyer halfen, den Umsatz zu steigern. „So waren wir für sie vermutlich genauso das Jahreshighlight, wie sie für uns das Highlight der Reise.“ Am nächsten Tag brachte Freund Ammat die Kuseyer sogar noch mit dem Auto die 40 Kilometer durch die Stadt bis zum Flughafen.

Sprachprobleme gab es nicht: Mit Englisch, ein paar Brocken Russisch und der Übersetzungs-App im Handy ließen sich viele Kontakte zu anderen Fußballfans knüpfen. „Uns haben alle Menschen mit offenen Armen empfangen“, sagt Sebastian Behrendt. Das Land und die Menschen seien beeindruckend gewesen. „Alle haben sich ganz viele Mühe geben, waren ungeheuer hilfsbereit.“ Das begann am Flughafen, wo die freiwilligen Helfer nach den Reisenden mit Fan-ID um den Hals Ausschau hielten, sofort fragten, wohin es gehen soll und die Gruppen dann begleiteten.

In beiden Stadien konnte das Kusey-Banner aufgehängt werden und war auch kurz im Fernsehen im Bild.

Beeindruckend war auch das Miteinander der Fans. Es war alles friedlich, auch Polizei war kaum zu sehen. „Den meisten Respekt haben wir jetzt für die Argentinier“, teilt Sebastian Behrendt mit. Die Leidenschaft und Intensität, mit der die Argentinier ihre Mannschaft anfeuerten, mitlitten und im Stadion durch Gesänge für Stimmung sorgten, „das habe ich so noch nie erlebt.“ Gefühlt neun von zehn argentinischen Fans hatten Messi auf ihrem Trikot aufgedruckt, er ist für sie der absolute Superstar. „Wir haben Argentinier kennengelernt, die 48 Stunden in der Luft waren, um bis Russland zu kommen“, erzählt Sebastian Behrendt. Um ihre Mannschaft anzufeuern, hätten sie eine kleine Odyssee um die Welt auf sich genommen.

Insgesamt seien die Erlebnisse der fünf Tage nur schwer in Worte zu fassen, gibt Sebastian Behrendt zu. Die Reise war auf jeden Fall ein großes Erlebnis, selbst für diejenigen, die schon zahlreiche Stadien in aller Welt besucht haben. In den Stadien von Kasan und Samara hatten die Kuseyer beste Plätze im Oberrang fast direkt an der Mittellinie. Und einen Platz, um das Kusey-Banner aufzuhängen, fanden sie in beiden Stadien auch. Gewöhnungsbedürftig war allerdings das Wetter: „Es war sauwarm.“ Vor allem in Samara waren es über 38 Grad und im Stadion saßen die Kuseyer beim Nachmittagsspiel 60 Minuten in der prallen Sonne. Doch auch diese Strapazen nahmen die drei Fußball-Fans gerne auf sich, schließlich wurden sie mit fünf Tagen voller besonderer Erlebnisse belohnt.

Von Monika Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare