Fall sorgt für überregionales Medieninteresse

Posse in Kusey: Maschendraht um den Sportplatz

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Wolfgang Mosel, stellvertretender Vorsitzender des TSV Kusey, am Maschendrahtzaun, der den Sportplatz in zwei Hälften teilt. Weder zum Fußball noch zur Leichtathletik kann die Fläche damit genutzt werden.

Kusey. Groß war die mediale Aufregung Ende der vergangenen Woche in Kusey. Der MDR war da, die Bildzeitung hat berichtet, Fernsehteams von RTL, SAT 1 und ZDF gaben sich die Klinke und die Gesprächspartner in die Hand.

Auch ein Reporter der Süddeutschen Zeitung meldete sich zum Interview an: Der Kuseyer Sportplatz und sein Maschendrahtzaun waren das überregionale Gesprächsthema des Wochenendes.

Kurz vor Ostern wurde der Maschendrahtzaun quer über den alten Sportplatz aufgebaut.

Zu Ostern hatte der neue Eigentümer einer Teilfläche des alten Sportplatzes sein Gelände eingezäunt – und damit den alten Sportplatz in zwei, für den Sport nutzlose Hälften geteilt. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich am Gründonnerstag aus dem Urlaub gekommen bin“, sagt Wolfgang Mosel, Pressesprecher und stellvertretender Vorsitzender des TSV. Der großmaschige Zaun wird durch dicke Holzbalken gehalten. Mittendrin steht einer der Flutlichtmasten, die der Sportverein 2006 errichten ließ, um auch im Winterhalbjahr trainieren zu können. „Wir brauchen den Platz unbedingt, fürs Training und als Ausweichplatz bei Punktspielen“, betont Wolfgang Mosel. Denn beim Fußballverband ist der alte Sportplatz am Lateiner Weg immer noch für Wettkämpfe gemeldet. „Wenn in der Region alle anderen Plätze längst abgesoffen sind, kann in Kusey immer noch gespielt werden“, erklärt Mosel. Zumindest war es bislang so: Jetzt steht auf der einen Seite des Platzes ein Tor, dann kommt der Maschendrahtzaun und dann das Tor auf der anderen Seite.

Durchgetrennt ist auch die Aschenbahn rund um den Sportplatz, der nicht nur für Fußball, sondern auch für Leichtathletik genutzt wurde. „Wir wissen nicht, wie wir jetzt unsere Bundesjugendspiele abhalten sollen“, sagt die Kuseyer Schulleiterin Claudia Mühl. Nur noch Weitsprung ist möglich, da die beiden Sandgruben auf der kommunalen Hälfte des Platzes liegen. Den 60-Meter-Lauf müssten die Schüler in Kurvenform absolvieren, da die lange Gerade durch den Zaun geteilt wird. Und auch für den Schlagballweitwurf reicht die vorhandene Fläche nicht aus.

„Das Ganze geht zu Lasten der Jugend“, fasst Wolfgang Mosel zusammen. Ob es rechtlich korrekt ist, was auf dem Platz passiert ist, „das müssen andere beurteilen“, betont der stellvertretende Vereinsvorsitzende. „Wir haben immer darauf gehofft, dass der Sportplatz geduldet wird“, so Mosel. Seit drei Jahren ist bekannt, dass eine der Teilflächen verkauft wurde. Auch weitere Teilflächen des Platzes gehören nicht der Kommune, die es in den 1990ern versäumt hatte, die Flächen zu erwerben.

Im Februar wurden Bäume am Sportplatz gerodet. Seitdem deutete sich an, dass auf der verkauften Fläche etwas passieren wird.

Viele Kuseyer, so auch Wolfgang Mosel, haben eine besondere Beziehung zu dem Platz. Haben sie doch selbst mit Hand angelegt, als er 1967 und 1968 angelegt wurde. Der damalige Schulleiter Wilhelm Schulz hatte den Anstoß gegeben, da auf dem bisherigen Sportplatz in Kusey die neue Schule gebaut wurde. „Jede Klasse hatte eine Ecke auf dem Gelände, für deren Pflege sie zuständig war“, erinnert sich Wolfgang Mosel, der wie viele auch eine emotionale Bindung zu dem Platz hat. 2007, als beim TSV Kusey sechs Mannschaften im Punktspielbetrieb gemeldet waren, wurde der alte Sportplatz als Wettkampfstätte wieder angemeldet. „Jetzt ist der Trainingsbetrieb nicht mehr gewährleistet“, erklärt Wolfgang Mosel. Bei der ersten Mannschaft stehen noch zehn Spieltage aus, der TSV setzt alles daran, die Klasse zu halten. „zwischen Platz eins und neun ist noch alles möglich“, so Mosel. Aber eben nur, wenn die Mannschaft regelmäßig trainieren kann. „Bis zum Herbst muss etwas passieren“, fordert der Kuseyer.

Gespräche mit der Stadt sind in Vorbereitung. Dabei soll eine Lösung gefunden werden, wie der TSV weiter trainieren kann und wie auch der Schulsport in der Grundschule weiter abgesichert werden kann. Erste Ideen dazu gibt es schon. Nur ob sie über den Maschendrahtzaun hinweg umgesetzt werden können, muss noch geprüft werden. Der Zaun spaltet die Kuseyer. „Dem Ehrenamt wird ein Zaun vor die Füße gestellt“, findet Wolfgang Mosel.

Von Monika Schmidt

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