„Wir stehen auf Messers Schneide“

Lockstedter Sportverein bangt um seine Spielstätte

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Der Lockstedter Saal ist seit den 1980er Jahren zur Sporthalle umfunktioniert. Nun hat die Stadt den Mietvertrag mit dem Privateigentümer gekündigt.

Lockstedt – „Wir stehen praktisch auf Messers Schneide. “ Jens Lühmann, der Vorsitzende des Lockstedter Sportvereins, blickt mit seinem Vorstand mit bangen Blicken in die Zukunft.

Die Stadt Klötze hat den Mietvertrag für den Saal in Lockstedt, der vom Sportverein genutzt wird, im August fristgerecht zum Jahresende gekündigt. Ein neuer Vertrag ist noch nicht in Sicht.

Vorsitzender Jens Lühmann befürchtet, dass der Lockstedter Sportverein ab Januar auf der Straße steht.

„Wir stehen mitten im Punktspielbetrieb“, erinnert Vorstandsmitglied Frank Schröder. Gemeinsam mit Jens Lühmann, Lydia Benecke von den Sportfrauen und Ortsbürgermeisterin Daniela Beckmann machte er gestern Vormittag auf die für den Verein prekäre Situation aufmerksam. Der Lockstedter SV spielt in der ersten Kreisklasse-Tischtennis.

„Wenn wir den Saal ab Januar nicht mehr nutzen können, müssen wir die Platten auf dem Parkplatz aufbauen“, umschreibt Schröder die Situation drastisch. Neben Tischtennis, das auf Wettkampfbasis betrieben wird, bietet der Verein auch Kegeln und Gymnastik an. Viermal in der Woche wird der Saal von den Sportlern genutzt, dazu ist er im Winter Übungsstätte für die Jugendwehr und auch die Freiwillige Feuerwehr des Ortes nutzt die Räumlichkeiten für ihre Versammlungen und Jubiläen.

In Lockstedt gibt es die besondere Situation, dass der zur Sporthalle umgebaute Saal in Privatbesitz ist. Die Stadt hat einen Mietvertrag mit dem Eigentümer geschlossen, der nun fristgerecht gekündigt wurde. „Leider hat mit uns vorher niemand gesprochen“, bedauert Jens Lühmann. Das hatte auch im Klötzer Stadtrat schon für Irritationen gesorgt (wir berichteten). Dort hatte der Lockstedter Jürgen Barth auf die Problematik aufmerksam gemacht und um Klärung gebeten.

Inzwischen gab es Gespräche zwischen dem Verein, dem Bürgermeister und dem Hauptamtsleiter. Dabei wurde den Sportlern erklärt, dass die gestiegenen Betriebskosten der Anlass für die Kündigung waren. Hätte die Stadt im Vorfeld nachgefragt, hätte sich der Verein um eine Überprüfung kümmern können, erklärt Jens Lühmann.

Es wird vermutet, dass es einen Fehler bei der Heizung gibt. Die Sportler haben angeboten, bei einer notwendigen Wartung die Hälfte der Kosten zu übernehmen. An den Betriebskosten für die Räume sind sie – wie alle Sportvereine in der Stadt – nicht beteiligt. Die Stadt wolle „neue Wege gehen“, so wurde es den Lockstedtern als weiterer Grund für die Kündigung mitgeteilt.

Die über 70 Mitglieder des Sportvereins benötigen aber eine schnelle Lösung für ihren gekündigten Vertrag. Sie sind zur nächsten Stadtratssitzung eingeladen und wollen dort den Stadträten die Lage erklären. „Wir stehen am 1. Januar vor verschlossenen Türen“, befürchtet Jens Lühmann.

Er erinnert daran, dass der Lockstedter Sportverein seit den 1980er Jahren den Saal nutzt, viel investiert hat und auch große Eigenleistungen in die Herrichtung der Räumlichkeiten gesteckt hat. Vor zwei Jahren wollten die Sportler die Beleuchtung im Saal auf LED umstellen, doch der entsprechende Antrag dafür ist bei der Stadt verloren gegangen, so dass das Projekt noch nicht umgesetzt werden konnte.

Während der Verein um seine Sportstätte bangt, kam von der Stadt Klötze Ende September ein weiteres Schreiben an den Sportverein, in dem mit Blick auf das integrierte Entwicklungskonzept (IGEK) die Bedeutung der Vereine hoch gelobt wird und große Unterstützung für die Weiterentwicklung der Vereine und ihrer Projekte zugesichert wird. Für den Lockstedter Sportvereinsvorsitzenden Jens Lühmann klingt das wie Hohn: „Da treten sie uns doch von hinten ins Knie“, meint er zum IGEK-Aufruf.

VON MONIKA SCHMIDT

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