Im Sozialkaufhaus an der Lessingstraße dürfen nicht nur Einkommensschwache stöbern

Lichtblick für Oebisfelde

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Gut erhaltene gebrauchte Kleidung zum Schnäppchenpreis: Im Sozialkaufhaus Lichtblick, das Geschäftsführer Jean Claude Fohrmann (li.) und Vorstandsmitglied Willi Dörr gestern eröffneten, können nicht nur Einkommensschwache günstig einkaufen.

Oebisfelde. Im Oebisfelder Konsum an der Lessingstraße 6 piepsen wieder die Kassen. Gestern ab 11 Uhr stöberten die ersten Kunden zwischen Ständern mit Jacken, Porzellanservices und Couchgarnituren. Das Sozialkaufhaus Lichtblick ist allerdings kein normales Kaufhaus.

In dem Ableger der gleichnamigen Wolfsburger Einrichtung finden nicht nur Menschen mit geringem Einkommen gut erhaltene gebrauchte Ware zu günstigen Preisen.

Es dauert nicht lange, da geht ein romantisches Bild im üppigen Goldrahmen für 15 Euro über den Tresen. „Wir haben ein gemischtes Publikum. Es kommen Rentner, Jugendliche, aber auch VW-Arbeiter. Die finden ein Schnäppchen“, berichtet Verkäuferin Claudia Schenker aus Wolfsburg.

Sie ist eine von 80 Hartz-IV-Empfängern, die in dem vor knapp fünf Jahren gegründeten Sozialkaufhaus zunächst eine mit 1,50 Euro die Stunde bezahlte Arbeitsgelegenheit und schließlich sogar einen festen Arbeitsplatz gefunden hat. Kollegen haben nach dem Jahr bei Lichtblick ebenfalls den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt geschafft.

Lichtblick bedeutet: Das Sozialkaufhaus bietet langzeitarbeitslosen Mitarbeitern und einkommensschwachen Kunden Perspektiven. Dank einer 25 000 Euro schweren Spende der VW-Belegschaft ist der Oebisfelder Ableger des Sozialkaufhauses für zwei Jahre finanziell gesichert.

Die Waren auf 400 Quadratmetern Verkaufsfläche stammen aus Haushaltsauflösungen und Spenden. Textilien, Möbel, Geschirr und Elektrogeräte werden auch in Oebisfelde gesucht. „Momentan können wir im Porzellanbereich einiges gebrauchen. Und alles für Kinder“, sagt Geschäftsführer Jean Claude Fohrmann.

Die Mitarbeiter schauen sich die Spenden vorher an: „Manchmal sind die Spenden nett gemeint, aber man kann nicht alles nehmen“, erklärt Fohrmann. Auf der anderen Seite finden die ausgefallensten Artikel einen Liebhaber. „Hier findet man manchmal fürs alte Porzellanservice das fehlende Stück“, so Fohrmann. Für die Kleinartikel gibt es ein Punktesystem: Grün bedeutet 50 Cent, Rot 1 Euro und Schwarz 2 Euro. Und ab 20 Euro Warenwert gibt es 50 Prozent Rabatt. Und wer Artikel vermisst, kann sie auf einem Wunschzettel eintragen.

Die gemeinnützige Genossenschaft Lichtblick, getragen von evangelisch-lutherischem Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen, Arbeiterwohlfahrt und IG Metall, besitzt zwei Transporter, mit denen die größeren Stücke abgeholt werden. In der Wolfsburger Werkstatt werden unter anderem Kinderholzmöbel wieder aufgearbeitet. „Wir wollen, dass die Kinder das Gefühl haben, ein neues Möbel zu bekommen“, sagt der Geschäftsführer.

Bürgermeisterin Silke Wolf sieht das Sozialkaufhaus als Bereicherung für die Oebisfelder Innenstadt. Nicht nur in den benachbarten Wohnblöcken an der Lessingstraße gebe es sozial schwache ältere und junge Mitbürger. „Für ein Drittel der Kinder in den Kitas der Stadt zahlt der Landkreis einen Zuschuss“, weiß die Bürgermeisterin.

Das Sozialkaufhaus an der Lessingstraße 6 ist montags, mittwochs und freitags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Kontakt: Tel. (05361) 8912616, sozialkaufhaus@wolfsburg.de.

Von Gerhard Sternitzke

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