458 unbesetzte Stellen / Nur wenige Bewerber kommen aus direkten Umfeld / Heute Stellencafé im BiZ

Lehrlinge zieht es in die Ferne

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Etwa 20 Bewerbungen für drei Lehrstellen bekam Meshpack-Personalleiterin Manja Baumgart auf den Schreibtisch. Zu wenig, wie sie findet.

Kusey. Eine aktuelle Statistik zeigt, dass sich die Jugendlichen über alternative Ausbildungsberufe informieren sollten. Denn es gibt laut Arbeitsagentur noch 531 junge Frauen und Männer, die eine berufliche Perspektive suchen.

Dem gegenüber stehen 458 Lehrstellen, die frei sind. Allerdings konnten bisher Wunsch und Realität nicht immer in Einklang gebracht werden. Künftige Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe liegen von den Fachrichtungen her aber nicht immer weiter auseinander. So beginnen zum Beispiel am 1. August nur 72 Lehrlinge eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf. Manchmal schrecken in der Altmark jedoch die weiten Fahrtwege ab.

Anders sieht das Manja Baumgart, Personalleiterin bei der Meshpack GmbH. Drei Auszubildende beginnen in wenigen Tagen ihr erstes Lehrjahr in dem Kuseyer Unternehmen und erlernen den Beruf des Maschinenanlagenführers. „Wir versuchen Auszubildende aus dem Umfeld zu bekommen – das heißt aus dem Umkreis von etwa 20 Kilometern. Das funktioniert aber kaum. Viele Bewerber kommen von weiter her“, erklärt Manja Baumgart. Die Suche nach Lehrlingen gestaltete sich schwierig, gerade mal etwa 20 Bewerbungen für drei Stellen landeten auf Manja Baumgarts Schreibtisch. „Die Ausbildungsverträge wurden sogar erst vor Kurzem unterschrieben. Das ist ganz schön spät“, so die Personalleiterin. Dabei konnte Meshpack in diesem Jahr sogar mehr Ausbildungsplätze zum Maschinenlagenführer anbieten. Sonst nahm die Firma nur einen Lehrling für diesen Beruf. „Wir haben einen neuen zusätzlichen Ausbilder, sodass wir nun für drei Lehrlinge eine Ausbildung sicherstellen können“, erzählt Manja Baumgart.

Warum es die Jugendlichen eher zu Betrieben in der Ferne zieht, kann sie nur vermuten. „Viele Jugendliche zieht es vielleicht in die Stadt. Ich denke, dass gerade in dieser Region viele versuchen in Wolfsburg bei VW unterzukommen.“

Besonders aufgefallen ist Manja Baumgart, dass sich keine Schulabgänger aus diesem Jahr beworben haben. „Das liegt zum einen daran, dass viele Schulabgänger zunächst ein Berufsvorbereitungsjahr machen. Zum anderen wird immer mehr das produktive Lernen genutzt“, weiß die Meshpack-Mitarbeiterin. Schüler können dabei Unterricht und Praktikum verbinden. „Ich denke, dass die Jugendlichen dann schon in einen Beruf reingeschnuppert haben und eher wissen, ob sie darin eine Ausbildung machen wollen oder nicht“, erklärt Manja Baumgart.

Eine Möglichkeit für Jugendliche, sich über die aktuellen Ausbildungsberufe und Chancen im Detail zu informieren, bietet die Arbeitsagentur. Und zwar in Form eines Ausbildungsstellencafé am heutigen Donnerstag. Interessierte können von 15 bis 17 Uhr in das Berufsinformationszentrum (BiZ) an die Stadtseeallee 71 nach Stendal kommen. Dort bieten Mitarbeiter der Agentur Service und Beratung. Dies ist übrigens ohne Wartezeit sowie Terminvereinbarung möglich.

Eine weitere Möglichkeit erhalten Jugendliche auf der Berufsfindungssmesse „Handwerk4You“ am 5. September im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Magdeburg.

Von Katharina Schulz und Christian Ziems

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