Landwirtschaftssenioren aus Wittingen erinnerten sich an die Grenze

Das Leben vor und hinter der Mauer

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Willi Schütte (r.) erklärte den Landwirtschaftssenioren aus Wittingen anhand der Modelle, wie die Grenze im Doppeldorf Böckwitz-Zicherie gesichert war.

Böckwitz. Es ist eine Erfahrung, die viele in der Region gemacht haben. Wer in unmittelbarer Nähe der innerdeutschen Grenze wohnte, hat zu der unüberwindlichen Mauer eine ganz andere Beziehung als diejenigen, die weit entfernt von der Grenze lebten.

Und so erzählten bei ihrem Besuch im Böckwitzer Museum auch die Senioren der Wittinger Landwirtschaftsschule von ihren Erfahrungen mit der deutschen Teilung. Wenn die Senioren aus Wittingen und den umliegenden Orten Besuch aus dem Schwarzwald oder weit entfernten Gebieten Westdeutschlands bekamen, führte sie der Weg selbstverständlich zu den Aussichtstürmen, von denen ein Blick in den Osten geworfen werden konnte. Und vielfach hörten die Niedersachsen dann von den Schwarzwäldern oder Schwaben den Satz: „Dass das so ist, hatte ich mir nicht vorgestellt. “.

Erinnerungen wie diese standen am Dienstag im Mittelpunkt. Willi Schütte vom Museumsverein führte seine ehemaligen Mitschüler durch die Grenzausstellung. Beim Aufräumen, so berichtete er, fiel im neulich eine Quittung von der Einreise in die DDR in die Hände. Eine Straßenbenutzungsgebühr von zehn DM war zu zahlen. „Das hat später der Staat übernommen, deshalb sank der Zwangsumtausch von 35 auf 25 DM“, berichtete Willi Schütte.

„Alle Modelle hier stammen im Übrigen aus dem Westen“, informierte der zweite Vorsitzende des Museumsvereins weiter. Vom Bundesgrenzschutz und vom Bromer Museum konnten die Böckwitzer eine Menge Material über die frühere innerdeutsche Grenze bekommen. Unter anderem ein Modell, das das geteilte Doppeldorf Böckwitz-Zicherie aus dem Jahr 1953 zeigt. Damals stand unmittelbar an dem gerade aufgebauten Bretterzaun, der später die unüberwindliche Grenze werden sollte, die Böckwitzer Gaststätte. „Wer da mal in den Westen wollte, der brauchte nur auf die Toilette zu gehen“, erklärte Willi Schütte den Gästen. Denn die innerdeutsche Grenze verlief mitten durch das Gebäude, das aber mit Beginn des Mauerbaus abgerissen wurde. Auch über andere Kuriositäten informierte Willi Schütte. So gehört zu den Ausstellungsgegenständen ein Stück originaler Streckmetallzaun, mit dem die Grenze gesichert wurde. „Hergestellt von einer Firma aus Salzgitter“, wusste Willi Schütte. Über Schweden wurde das Material an die DDR verkauft. Und die ersten Betonpfähle, mit denen die Mauerteile gesichert wurden, hatte eine Firma aus Uelzen angefertigt.

Damit der Aufbau der Grenze im Doppeldorf nicht in Vergessenheit gerät, stellte der Böckwitzer sein Land zur Verfügung, um einen Grenzlehrpfad als Modell aufzubauen. „Elf Mann haben daran ein Jahr lang gearbeitet“, berichtete Willi Schütte.

Von Monika Schmidt

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