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Bauern wollen keine Buhmänner sein

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Von: Birgit Stephani

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Annegret Jacobs und Philipp Krümmel schauen einem Bauern beim Düngen zu.
Trockener Boden sorgt dafür, dass es beim Düngen derzeit stark staubt. Am aufgebrachten Düngemittel liegt es nicht, wissen Annegret Jacobs und Philipp Krümmel. © Birgit Stephani

Klötze – Es ist jedes Jahr dasselbe Dilemma: Sobald die Ergebnisse der Brunnenwasseruntersuchung des VSR Gewässerschutz vorliegen, werden die heimischen Landwirte als Schuldige für zu hohe Nitrat-Werte abgestempelt. So jedenfalls empfinden es immer wieder Annegret Jacobs vom Bauernverband Altmarkkreis Salzwedel und Philipp Krümmel, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Lockstedt. Über ihren Ärger sprechen sie ganz offen, stellvertretend für ihre ganze Branche.

Die VSR Gewässerschutz ist eine gemeinnützige Umweltorganisation. Im Juli untersuchten sie unter anderem in Kalbe Wasserproben und kam zu dem Ergebnis, dass die Landwirtschaft eine hohe Mitschuld an den schlechten Werten hat (AZ berichtete). Ein besonders hoher Wert von 172 Milligramm Nitrat wurde allerdings an einem privaten Brunnen gemessen und nicht auf einem Feld.

Philipp Krümmel wollte es diesmal ganz genau wissen und reichte selbst eine Probe aus seinem landwirtschaftlichen Betrieb ein. Diese wies gerade mal 1,2 Milligramm Nitrat auf. Für ihn ist das Ergebnis nicht verwunderlich. Und auch Annegret Jacobs stellt sich hinter die Landwirte der Altmark. Denn wer beruflich Felder und Äcker bestellt, weiß genau, dass er dem Boden nur das entnehmen kann, was er ihm vorher gegeben hat. Viel hilft dabei aber nicht auch viel.

„Das richtige Düngen ist eine Wissenschaft für sich“, kann auch Philipp Krümmel bezeugen. Er hat einen dicken Aktenordner vor sich liegen, in dem für jedes Feld und für jede Ackerfläche dokumentiert wird, wann, womit und wie viel sie gedüngt wurde. Aus Erfahrung weiß er außerdem: „Dünger ist teuer. Niemand bringt mehr aufs Feld als nötig.“

Die Ergebnisse der Proben zweifeln Annegret Jacobs und Philipp Krümmel zwar nicht an, fragen sich jedoch, was die VSR anderes beprobt als der landeseigene Dienst, der ebenfalls regelmäßig Wasserproben untersucht. Philipp Krümmel allerdings verweist auch darauf, wie die Wasserproben bei der VSR teilweise abgegeben haben. „Da kommen die Leute mit einer Cola-Flasche voll Wasser.“ Er selbst hält sich an die Richtlinien, wie eine Wasserprobe korrekt zu entnehmen ist. Das fängt beim richtigen Gefäß an, geht darüber, dass Wasser, welches in der Leitung stand, erst mal ablaufen muss, bis hin zur Kühlung. Nur dann kann eine korrekte Prüfung erfolgen. Wenn aber, besonders privat Personen das Ergebnis durch falsche Vorgehensweise verfälschen, dann ist es umso ärgerlicher, wenn Jahr für Jahr mit dem Finger ausschließlich auf die Landwirte gezeigt wird.

Entscheidend für Philipp Krümmel und Annegret Jacobs ist die Tatsache, dass kein Landwirt „einfach so aufs Feld fährt und Dünger ausbringt.“ Für jedes Feld gibt es eine Düngebedarfsanalyse. Jeder Landwirt muss lückenlos nachweisen können, wann und wie viel er gedüngt hat. Dass die Branche dabei sehr genau arbeitet, wissen sowohl Philipp Krümmel als auch Annegret Jacobs. „Jeder hat Angst, einen Fehler bei der Dokumentation zu machen“, betont sie. Darum ärgert es sie besonders, wenn sie zum wiederholten Mal lesen muss, dass ausschließlich die Landwirte Schuld an zu hohen Werten sein sollen. Philipp Krümmel pflichtet ihr bei und betont: „Die Landwirtschaft wird unschuldig an den Pranger gestellt.“ Phosphor beispielsweise gelangt unter anderem auch aus Kläranlagen in öffentliche Gewässer. „Es gibt so viele Ursachen, an denen sind aber nicht allein die Landwirte Schuld.“

Darum wünscht sich die gesamte Landwirtschaft, dass man miteinander redet und nicht nur einfach einen Buhmann sucht.

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