„Ich hätte mir das anders gewünscht“

Längstes Gespräch: Bürgermeister muss sich im Klötzer Hauptausschuss rechtfertigen

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Die Auswahl des Publikums für das „längte Gespräch Deutschlands“ am 9. November in Böckwitz sorgt bei Teilen der Bevölkerung weiter für Kritik. Im Hauptausschuss musste sich der Bürgermeister rechtfertigen.

Klötze / Böckwitz – Das Thema 9. November in Böckwitz ist noch nicht durch. Das wurde am Mittwochabend im Klötzer Hautausschuss deutlich. Die Kritik der Einwohner, die nicht zu der Veranstaltung eingeladen waren, hält an.

Deshalb hakte auch Alexander Kleine, der Vorsitzende der SPD-Fraktion, am Abend mehrfach nach, wie den die Auswahl der Zuschauer vorgenommen wurde.

Er brachte seine Enttäuschung zum Ausdruck: „Da feiert das Bundesinnenministerium die offene Gesellschaft und macht das in einem geschlossenen Rahmen“, kritisierte Kleine. „Ich hätte mir das anders gewünscht“, machte er deutlich. So hätte den Interessierten wenigstens ein Einblick in das Gelände ermöglicht werden müssen. Schließlich standen vielen auch morgens und abends auf dem Weg zur und von der Arbeit an der für den Zeltaufbau errichteten Ampel. „Inwieweit war die Stadt involviert, um die Veranstaltung offen zu machen?“, wollte Alexander Kleine von Bürgermeister Uwe Bartels wissen. „Mir fehlte da die Transparenz für alle. “.

„Die Transparenz ist an der Kapazität der beiden Zelte gescheitert“, antwortete ihm Bürgermeister Uwe Bartels. Die Stadt hätte abwägen müssen, wer eingeladen wird. Vor allem die Einwohner aus Böckwitz und Zicherie sollten an das denkwürdige Ereignis erinnert werden. Die Prominenten wurden vom Bundesinnenministerium eingeladen, „wohl um die Veranstaltung aufzuwerten“, vermutete Uwe Bartels.

Alexander Kleine hakte nochmals nach: „Waren auch Bürgerrechtler dabei? Welche Kriterien wurden gesetzt?“, wollte er wissen. Kunraus Ortsbürgermeister Uwe Bock, der mit in der Kommission war, erläuterte, dass zunächst je 50 Einwohner aus Böckwitz und Zicherie eingeladen wurden. „Das Kontingent war schnell vor“, berichtete er.

Da nicht alle der Eingeladenen teilnehmen wollten, wurde der Kreis dann auf die Nachbarorte und die jüngere Generation erweitert. „Alle, die eingeladen waren, waren euphorisch“, stellte Uwe Bock fest. Darunter seien sicher auch solche Personen gewesen, die sich für die Bürgerrechte engagiert hätten. „Bürgerrechtler waren wir doch alle“, meinte Uwe Bock. So sei auch er jeden Donnerstag zum Friedensgebet in der Kuseyer Kirche gewesen und es habe jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten in der Firma seinen Beitrag für den Fall der Mauer geleistet.

Der Kunrauer erinnerte daran, dass der eigentliche Grenzöffnungstag zwischen Böckwitz und Zicherie der 18. November sei und dies auch an diesem Tag gefeiert werde. „Wir waren überrascht, dass Böckwitz für die Aktion ausgesucht wurde“, so Uwe Bock. Er sei vom Bundesinnenministerium angerufen worden, gab Bürgermeister Uwe Bartels zu. Das Angebot, Böckwitz als einen Standort für das längste Gespräch Deutschlands zu wählen, habe er sofort angenommen. „Wenn, dann müsst ihr mich hier steinigen“, bot der Bürgermeister an.

Wolfgang Mosel kritisierte, dass die Veranstaltung nur im Internet, nicht aber im Fernsehen übertragen wurde. „Die ARD hat doch auch die Tagesthemen aus Böckwitz gesendet. Dann hätten die doch auch in einem der Spartensender das Gespräch übertragen können“, fand der Kuseyer, dass durch den Livestream gerade aus der Region viele Zuschauer ausgeschlossen wurden. „Wir waren nicht der Veranstalter, wir haben nur Zuarbeiten gemacht“, stellte Hauptamtsleiter Matthias Reps klar. Mit der Organisation an sich hatte die Stadt nichts zu tun.

VON MONIKA SCHMIDT

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