„Wir sind bloß die Prügelknaben“

Kusey: Klaus Vohs ärgert sich über Vorwürfe der Senioren zur Marktschließung

Seitdem bekannt wurde, dass die Verkaufsstelle schließt, ärgern sich die Kuseyer. Vorwürfe, dass sich der Ortschaftsrat nicht genügend gekümmert habe, wies der Ortsbürgermeister aber entschieden zurück.
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Seitdem bekannt wurde, dass die Verkaufsstelle schließt, ärgern sich die Kuseyer. Vorwürfe, dass sich der Ortschaftsrat nicht genügend gekümmert habe, wies der Ortsbürgermeister aber entschieden zurück.

Kusey – Dass die Kaufhalle in Kusey seit Januar geschlossen ist, beschäftigt die Einwohner noch immer. Sie wollen die Schließung nicht hinnehmen. Schon bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung hatten jugendliche Gäste des Gymnasiums das Thema angesprochen (wir berichteten).

Beim Seniorentreff griff Bärbel Wallwitz die Schließung ebenfalls auf.

Sie beklagte, dass es von der Stadt keine Unterstützung oder Initiativen gegeben habe. „Der Einzige, der etwas gemacht hat, war Wolfgang Mosel“, erinnerte sie daran, dass sich das Kuseyer Stadt- und Ortschaftsratsmitglied mehrfach öffentlich gegen die Schließung ausgesprochen hatte.

Auch der Kuseyer Ortschaftsrat bekam sein Fett von der Seniorin weg. Bärbel Wallwitz informierte, dass die Händler in Kusey ihre Produkte aufgestockt haben, als Reaktion auf den Wegfall des Marktes. So gibt es im Blumenladen Gemüse, beim Bäcker Butter und beim Fleischer weitere Lebensmittel. „Die haben sich Gedanken gemacht“, lobte die Kuseyerin. „Warum hat der Rat das nicht auch gemacht?“, fragte sie in die Runde.

Die Ankündigung der Schließung und die Umsetzung sei ein schwerer Schlag vor allem für die Senioren gewesen. „Sie wissen gar nicht, wie das war“, beklagte Bärbel Wallwitz in Richtung Ortschaftsrat. „Die Rentner hatten Tränen in den Augen, als sie den Zettel gelesen haben.“ Das Einkaufen in Klötze sei nicht für jedermann eine Alternative. „Mit dem Bus zu Aldi oder Edeka ist eine Tagesreise“, erklärten die Kuseyer Rentner. Das Argument, dass nicht genügend gekauft wurde in dem früheren Konsum, ließ Bärbel Wallwitz nicht gelten. „Die wollten zumachen“, betonte sie. „Es kann nicht sein, dass wir nach 28 Jahren plörtzlich nicht genügend einkaufen waren“, argumentierte sie.

Klaus Vohs ließ die Kritik nicht auf sich sitzen.

Die Kritik, vor allem am Ortschaftsrat, brachte Ortsbürgermeister Klaus Vohs in Rage. Die Aussagen von Bärbel Wallwitz wollte er nicht so stehen lassen. „Das stimmt so nicht“, ärgerte er sich vor allem über die Aussage, dass den Jugendlichen im Ortschaftsrat zur Antwort gegeben wurde, dass die Schließung mit dem Einkaufsverhalten der Rentner zu tun habe.

Der Ortschaftsrat habe sich sehr wohl mit dem Thema beschäftigt. „Wir haben das mehrere Male durchgesprochen, aber wir können doch gar nichts machen“, erklärte ein sichtlich aufgebrachter Klaus Vohs. „Immer wird auf uns rumgehackt“, beschwerte er sich. „Wir sind bloß die Prügelknaben für alle.“ Dabei könnten der Ortschaftsrat und sein Ortsbürgermeister nichts anderes machen, als die Probleme und Sorgen an den Stadtrat und die Verwaltung weiterzuleiten. „Wenn die da nichts machen, dann können wir das nicht ändern“, bedauerte Klaus Vohs.

Die Entscheidung des Unternehmens könne er nachvollziehen. „Wenn unter dem Strich keine schwarzen Zahlen stehen, dann machen die Firmen zu. Das ist eben so, das ist Marktwirtschaft“, erklärte der Ortsbürgermeister Bärbel Wallwitz. Vielfach sei auch von den Kuseyern gesagt worden, dass die Butter im Konsum zu teuer war und man deshalb eben anderswo einkaufen war, wusste er.

Doris Giggel, Organisatorin des Kuseyer Seniorenclubs, brach die Diskussion zunächst ab. „Es ist schade, für die alten Leute“, meinte sie. Es müsse etwas gemacht werden, darüber seien sich alle einig. Über Lösungsmöglichkeiten sollte später noch einmal gesprochen werden. Unter anderem gibt es vom Land ein Förderprogramm für den Erhalt von Dorfläden, die beispielsweise von Einwohnern oder einem Verein übernommen werden können.

VON MONIKA SCHMIDT

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