Ortswehr verfügt nur über 34 Aktive / Bei Schichtwechsel kommt es zu Engpässen

Kritischer Abwärtstrend in Klötze

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Besonders zur Zeit des Schichtwechsels hat die Klötzer Feuerwehr Probleme, die Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Mehrfach mussten schon andere Wehren zur Hilfe gebeten werden.

Klötze. „Gerade mal 0,65 Prozent der Einwohner der Stadt Klötze und Nesenitz sind Mitglied in der Klötzer Feuerwehr.“ Es waren alarmierende Zahlen, die der Klötzer Ortswehrleiter Mirko Pickert bei der Jahreshauptversammlung der Wehr vortrug.

2017 verfügte die Klötzer Wehr über 63 Mitglieder, von denen 34 als Aktive geführt wurden. Damit hat sich die Zahl der Einsatzkräfte gegenüber den Vorjahren weiter reduziert. 

Verschiedene Gründe nannte Mirko Pickert dafür: „Einige sind verzogen, einige sind ausgetreten und einige kommen ohne Angaben von Gründen schlicht und einfach nicht mehr.“ Diese hat er aber bei den Aktiven auch nicht mehr mitgezählt, die Zahl 34 ist somit die Zahl der effektiv zur Verfügung stehenden Kräfte.

„Eine Besserung der Personallage ist nicht in Sicht.“ Die Klötzer Wehr musste deshalb schon häufiger auf die Hilfe anderer Wehren zurückgreifen, um die erforderlichen Funktionen besetzen zu können. Dies sei ein Problem, was sich durch das ganze Land ziehe, schätzte Mirko Pickert ein. Und die Unterstützung des Landes sei wenig hilfreich, kritisierte er: Denn in dem Medienpaket, mit dem das Land für freiwillige Feuerwehrleute wirbt, sind auch eine größere Anzahl Bierdeckel und Postkarten mit dem Aufdruck „Feierwehr“ enthalten. „Wenn so etwas vom Land verteilt wird, ist das wenig hilfreich und setzt die Tätigkeit der Feuerwehr in ein schlechtes Licht“, kritisierte der Klötzer Ortswehrleiter.

Zwar sei der Ausbildungsstand der Wehr gut, sie verfügt beispielsweise über 20  Atemschutzgeräteträger, 18 Maschinisten und neun Zugführer, aber es sei nicht immer von Vorteil, dass zahlreiche Aktive „multifunktional“ ausgebildet sind. „Was nützt mir der einsatzleitende Maschinist, der unter Atemschutz zur Menschenrettung im Gebäude verschwindet?“, nannte Pickert nur ein Beispiel.

Das Durchschnittsalter der Aktive ist mit 36 Jahren recht hoch. Probleme bereitet der Klötzer Wehr auch die Tagesalarmbereitschaft. Besonders zur Zeit des Schichtwechsels bei VW gebe es da Engpässe. „In ungünstigen Fällen kann gerade mal ein Fahrzeug besetzt werden und da auch nur die Fensterplätze“, beschrieb Mirko Pickert. Im Schnitt lag die Beteiligung in der kritischen Zeit zwischen 6 und 18 Uhr bei acht Aktiven, 2016 waren es noch neun. „Dieser Abwärtstrend ist als kritisch anzusehen, da dies für eine Stadt wie Klötze zu wenig ist. Ziel sollte und muss es immer sein, eine Gruppe voll zu bekommen“, so der Wunsch des Wehrleiters.

Mit diesem Hintergrund hatte Pickert beim Bürgermeister angefragt, ob die drei in der Stadtverwaltung beschäftigten Feuerwehrleute die Klötzer Wehr während dieser kritischen Zeit unterstützen könnten. „Bis heute kam noch keiner. Woran das liegt, kann ich nicht sagen. Ich hoffe, dass die entsprechenden Regelungen getroffen werden und die drei demnächst dabei sind, auch zur Ausbildung am Freitagabend“, machte der Ortswehrleiter seine Forderung an die Stadt deutlich.

Zum Abschluss rechnete Mirko Pickert die Zahl der Einsatzstunden eindrucksvoll zusammen: Bei 57 Einsätzen mit 532 Einsatzkräften vor Ort und einer Einsatzdauer von 867 Stunden sind das 3259 geleistete Stunden. Umgerechnet auf einen Beschäftigten mit einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden, wäre ein Klötzer Feuerwehrmann damit 81,475 Wochen, also 1,57 Jahre, für die Freiwillige Feuerwehr tätig gewesen.

Von Monika Schmidt

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