Mit der Grenze kam das Ende

Kolonie Kusey: Dannefelder Schuhmacher begründete einst die Ansiedlung

Die Geschichte der Kolonie Kusey (Kolonie Teitz) im Drömling nach Aussagen einer 80-jährigen Nachfahrin und Zeitzeugin, alten Fotoaufnahmen und Informationen aus Kirchenbüchern:.

Heimatforscher Lothar Schulz-Wapen.

Dort wo heute das Gemeindehaus von Kusey steht, letzter Besitzer war Gastwirt Krüger, befand sich vor 1849 ein Fachwerkhaus aus den Gründerjahren von Kusey. Der eingeheiratete Brinksitzer und Schumacher Joachim Christoph Friedrichs aus Dannefeld zerlegte das Fachwerkhaus in seine Einzelteile, zog damit in den Drömling und baute es auf dem neu zugewiesenen Drömlingsanteil seiner Frau wieder auf. Im Drömling am Friedrichskanal (nach König Friedrich II (1740-1786) von Preußen benannt) auf der Kolonistenstelle „Teitz“ lebte das Ehepaar nach der durchgeführten Separation von 1845.

Die Kolonie Kusey – Blick in Richtung Buchhorst: Rekonstruktionszeichnung der Siedlung nach alten Fotografien von Lothar Schulz-Wapen.

Nur ein schmaler Feldweg muss damals dort hingeführt haben, denn die Straße von Röwitz nach Buchhorst existierte damals noch nicht. Dieser Neuanfang auf einer Kolonie im Drömling war sehr mühselig und entbehrungsreich. Man lebte von dem auf dem Hof Erwirtschafteten, mehr hatte man nicht. Das schmale lang gestreckte Haus bekam hier Giebel aus Ziegelsteinen in massiver Bauweise. Über der neuen Tür zum Hof waren im Oberlicht die Initialen „CF + EM“ in Holz geschnitzt. CF stand für Christoph Friedrichs und EM für seine Gattin Else Meyer. Schlechte Hölzer wurden durch neue Eichenbalken ersetzt und die neue Ausfachung wurde gegenüber seinem alten Standort in Kusey statt in Lehm hier mit Ziegelsteinen hergestellt. Das Dach erhielt ebenfalls Tonziegel statt der alten herkömmlichen Art aus Stroh. 1848 wurde eine große Scheune mit Fachwerk und massiven Giebeln parallel zum Friedrichskanal gebaut. Quer zur Scheune und dem Wohnhaus stand noch eine Wagenremise. Auch wird es Viehställe gegeben haben.

Die nächste Generation war Friedrich Christoph Friedrichs, der 1864 Sophie Dorothea Elisabeth Fehse aus Köckte geheiratet hatte. Dann, 1883 wurde die heute existierende Chaussee durch den Drömling gebaut und sie führte direkt an der Kolonie Kusey – so nannte man das Gehöft offiziell – vorbei. Die Verbindung zu den Dörfern wie Neuferchau und Röwitz wurde dadurch verbessert und ein Anschluss in Richtung Buchhorst, Wassensdorf, Breitenrode und zur Stadt Oebisfelde, die einen Bahnhof besaß, neu geschaffen.

Die nächsten Nachfahren auf dem Hof waren Adolf Friedrichs (auf Kolonie Kusey 1870 geboren und 1946 gestorben) und Anna Friedrichs geb. Kampe (1895 in Kunrau geboren und 1969 in Oebisfelde gestorben). Sie bauten 1935 noch einen Schweinestall an der Straßenseite. So war ihr Vierseitenhof nun komplett. Die Ehe der beiden blieb kinderlos.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges schaffte neue Tatsachen. Die Schwester des Adolf Friedrichs kehrte mit ihrem Mann und zwei Töchtern zurück ins Heim. Eine weitere Flüchtlingsfamilie wurde mit aufgenommen. Es wurde enger im Haus, aber dafür war mehr Leben auf dem Hof, wo es auch schon mal sehr einsame Tage gegeben hatte. Die jüngste Tochter ging in ihren jungen Jahren dann über die Grenze in den Westen des geteilten Deutschlands. Ihre Mutter lebte zuletzt bis 1964 nur noch allein auf dem Hof. Da sie krank wurde, holte die Tochter sie dann zu sich und pflegte sie noch zehn Jahre lang.

Das leere Gehöft wurde nun provisorische Unterkunft für die Grenztruppen, um das fünf Kilometer breite Sperrgebiet vor der „Friedensgrenze“ abzusichern. Vor dem Friedrichskanal befand sich nun ein Schlagbaum, der zwar meistens offen war, aber bei Kontrollen des Passierscheins geschlossen wurde. Wer keinen hatte, musste damit rechnen zum Verhör abgeführt zu werden. Konnte er sich nicht rechtfertigen, drohte ein Gerichtsverfahren wegen Republikflucht.

Da man von höchster Stelle vermutete, dass sich bei Nichtbesetzung des Schlagbaumes in den Gebäuden der „Kolonie Teitz“, des früheren Hofes der Familie Friedrichs sich „Grenzverletzer“ aufhielten und somit eine Flucht vorbereiten könnten, rückten bald die Grenztruppen mit schwerem Gerät an und machten das gesamte Gehöft binnen weniger Tage vollkommen platt. Eine kleine Schutzhütte für die Grenzkontrolleure wurde noch eingerichtet, aber Kolonie Kusey (Teitz) hatte aufgehört zu existieren.

Heute bemerkt man bei der Fahrt über die Brücke des Friedrichskanals nichts mehr von dem Gehöft. Ein paar wild wuchernde Bäume zeigen sich als Wäldchen. Im Winter, wenn die Bäume ihr Laub abgeworfen haben, findet man zwischen ihnen noch Fundamentreste und den alten Brunnenschacht.

Von Lothar Schulz-Wapen

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