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„Wir wollen ein Zeichen setzen“

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Von: Birgit Stephani

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Mehrere hundert Spaziergänger begaben sich auf einen Rundgang durch die Stadt Klötze.
Mehrere hundert Spaziergänger begaben sich am Montag um 18 Uhr, begleitet von der Polizei, auf einen Rundgang durch die Stadt Klötze. © Birgit Stephani

Klötze – „Freiheit, Freiheit, wurde wieder abbestellt. Alle die von Freiheit träumen, sollen’s Feiern nicht versäumen. Sollen tanzen auch auf Gräbern. Freiheit, Freiheit, ist das Einzige was zählt.“ Diese bekannten Zeilen aus einem Lied von Marius Müller-Westernhagen klangen am Montag durch die Schützenstraße. Dort hatten sich mehrere hundert Klötzer, aber auch Auswärtige, zum Spaziergang durch die Stadt verabredet.

„Wir gehen nur spazieren“; betonten sie immer wieder, obwohl einige wenige mitgebrachte Plakate deutlich zeigten, um was es den Teilnehmern wirklich ging. Wie in vielen anderen Städten auch wurde gegen die gegenwärtige Situation mit all ihren Regeln und Vorgaben zur Eindämmung der Corona-Pandemie demonstriert.

„Wir sind hierhergekommen, weil wir uns in unseren Grundrechten eingeschränkt fühlen“, sagte ein Mittdreißiger aus Klötze, der zusammen mit Freunden an dem Spaziergang teilgenommen hat. „Wir lassen uns nicht vorschreiben, ob wir uns impfen lassen oder nicht“, wetterte er weiter. Seine Freunde nickten zustimmend. Die Meinung dieser Gruppe traf aber bei Weitem nicht bei allen auf Zustimmung. „Wo werden denn irgendwelche Grundrechte eingeschränkt“, mischte sich ein älterer Herr in das Gespräch ein. „Niemand befiehlt Euch, dass Ihr Euch impfen lassen müsst. Es ist nur eine Empfehlung. Da könnt Ihr doch nicht von einer Einschränkung der Grundrechte reden.“ Das sahen die jungen Leute ganz anders, vermieden aber eine weitere Diskussion mit dem Senior, der daraufhin seinen Weg fortsetzte. Von den Jüngeren gab es lediglich ein Lächeln. Paradox an ihrer Meinung war allerdings die Antwort auf die Frage, ob sie selber geimpft seien. „Ja“, murmelten sie und fragten sich in dem Moment vielleicht auch, wofür sie eigentlich demonstrieren.

Das konnte eine Dame mit Hund ziemlich genau sagen. Auch sie betonte immer wieder: „Wir haben uns nur zum Spaziergang verabredet.“ Gleichzeitig fügte sie aber hinzu: „Ich lasse mir vom Staat nicht vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe.“

Währenddessen wurde das Treiben vor dem Klötzer Rathaus auch von der Polizei aufmerksam beobachtet, die allerdings nicht eingreifen musste, denn alle Teilnehmenden verhielten sich friedlich. Kleinere Diskussionen gab es über die Route des Spaziergangs. Regionalbereichsbeamtin Meike Borchert-Schulz wäre es am liebsten gewesen, dass die zu dem Zeitpunkt immer größer werdende Gruppe die Schützenstraße in Richtung Tiergehege für den Spaziergang genommen hätte. Das traf bei den Organisatoren aber natürlich nicht auf Gegenliebe. Man wollte schließlich gesehen und gehört werden und somit direkt über die Hauptverkehrsstraßen von Klötze laufen. Als Kompromiss einigten sich alle Beteiligen darauf, dass der Tross vom Rathaus aus über die Mittelstraße zur Salzwedeler Straße und von dort aus zu den beiden Kreiseln spaziert. Von dort ging es schließlich zurück durch die Neustädter Straße und im weiten Bogen wieder zum Rathaus. Allerdings legte die Regionalbereichsbeamtin Wert darauf, dass die Teilnehmer des Spazierganges lediglich eine Fahrbahnhälfte beanspruchten und nicht die komplette Straßenbreite. Und genau so lief es dann auch ab. Flankiert von zwei Polizeifahrzeugen zogen die Spaziergänger los und wanderten knapp zwei Stunden durch die Purnitzstadt. Zurück blieben vor dem Rathaus Menschen, die nicht am Spaziergang teilnahmen, sondern nur gucken wollten. Ob die Aktion zu Recht stattfand, darüber bildete sich am Ende jeder sein eigenes Urteil.

„Wir wollen auch in Klötze ein Zeichen setzen für ein Miteinander statt Gegeneinander und für Freiheit statt Zwang und Ausgrenzung“, sagte AfD-Kreisvorsitzender Sebastian Koch. Die Meinung von ihm und denen, die sich zum Spaziergang trafen: „Wir sind gegen eine Impfpflicht, die weite Teile der Gesellschaft entzweit und unsere Pflegekräfte drangsaliert. Die vorherrschende 2 G-Regel treibt unseren Mittelstand in den Ruin, das dürfen wir nicht zulassen.“

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