Goldener Löwe hält weiter Wacht

Klötzer Traditionshaus blickt auf über 170-jährige Geschichte zurück

Der Goldene Löwe hält wie seit über 170 Jahren über dem Eingangsportal der Gaststätte Wacht. Seit Jahresbeginn gibt es in der Traditionsgaststätte aber keinen regulären Betrieb mehr.
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Der Goldene Löwe hält wie seit über 170 Jahren über dem Eingangsportal der Gaststätte Wacht. Seit Jahresbeginn gibt es in der Traditionsgaststätte aber keinen regulären Betrieb mehr.

Klötze – Gastronomie ist ein hartes Geschäft. Das weiß auch die Klötzer Familie Homeier. Seit 1901, also fast 120 Jahre, ist die Gaststätte Zum Goldenen Löwen in Klötze im Besitz der Familie.

Zum Jahresende kündigte der bisherige Pächter Bodo Franz den Vertrag, derzeit steht die Traditionsgaststätte leer. Seit 2009 hatte er die Gaststätte geführt. Zuvor war der Betrieb vier Generationen lang im Familienbesitz.

Dass aber gar keine Familienfeiern und gesellige Runden in dem historischen Fachwerkhaus stattfinden sollen, das brachte Familie Homeier nicht übers Herz. Also wurde in der vergangenen Woche wieder ein Gewerbe beim Rathaus angemeldet. So kann der Goldene Löwe wenigstens für Familien- und andere Feiern wieder geöffnet werden. Der kleinere Versammlungsraum auf der linken Seite, in dem bis 1999 die Geschäftsstelle der Altmark-Zeitung untergebracht war, sowie die Gasträume und der Saal können gemietet werden, so der Plan.

Vor allem Gruppen und Vereine aus Klötze hatten in der Traditionsgaststätte ihren festen Treffpunkt. Seit Jahresbeginn grübeln sie, wo sie in Zukunft ihre Versammlungen abhalten können. „Weißt du was?“, wurde in der Stadt herumgefragt. Neben den Alternativen in Gaststätten können die Gruppen nun auch wieder den Goldenen Löwen nutzen. Während sich die Gruppe der Blinden und Sehbehinderten bereits anders orientiert hat, bleiben beispielsweise die Mitglieder des Klötzer Frauenchores ihrer Vereinsgaststätte treu und proben auch weiterhin jeden Mittwoch in dem kleinen Versammlungsraum. Andere Gruppen überlegen noch, wo sie ihre nächsten Mitgliederversammlungen abhalten können.

Parallel läuft die Suche nach einem neuen Pächter für die Gaststätte weiter. Wird diese Suche von Erfolg gekrönt, könnte der reguläre Gaststättenbetrieb mit seiner über 170-jährigen Geschichte bald wieder aufgenommen werden, hofft die Familie Homeier.

Schon 1848 wurde in der Klötzer Chronik die Gaststätte Zum Goldenen Löwen das erste Mal als Versammlungsraum erwähnt, heißt es auf einer Informationstafel, die der Heimatverein an dem Fachwerkgebäude aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts anbrachte. Seit 1901 ist der Goldene Löwe im Besitz der Familie Homeier. Mit Kaffeegarten, Kegelbahn, Saal und Hotelbetrieb wurde Anfang des 20. Jahrhunderts für den Besuch geworben, hat der frühere Ortschronist Heinrich Bettinghausen in seinen Unterlagen festgehalten.

Der kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs angebaute Saal galt damals als der größte in der Stadt, er fasste 500 Personen. Die ersten Nutzer des neuen Saals, so steht es in der Chronik des Goldenen Löwen zu lesen, waren aber keine Ballgäste, sondern russische Kriegsgefangene, die dort untergebracht wurden. In den 1960er Jahren wurde der Saalanbau abgerissen.

Der Boom an Gaststätten ist längst vorbei. In der Klötzer Chronik führt Heinrich Bettinghausen an, dass es Ende des 19. Jahrhunderts 14 Gaststätten mit fünf Sälen in Klötze gab. Bis zum Jahr 1939 stieg diese Zahl auf 21 Gaststätten und Hotels an, die – wie der Goldene Löwe – teils klangvolle Namen hatten.

VON MONIKA SCHMIDT

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