Räte einig: Stadtwirtschaft kann die Grünpflege allein nicht schaffen

Klötzer Ortsteile verkrauten

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„Willkommen in Immekath“ heißt es an den Ortseingängen. Die Ortschaftsräte debattierten, ob sie die Pflege von öffentlichem Grün an Vereine übergeben sollen. Einig waren sich alle, dass die Stadtwirtschaft die Arbeit nicht schaffen kann.

Immekath / Neuferchau /Kunrau. Feuchte und warme Tage brachten es im Sommer und beginnenden Herbst zum Vorschein: In den Ortsteilen der Stadt Klötze grünt und blüht es an allen Ecken. Allerdings nicht überall zum Gefallen der Einwohner.

Die Mitarbeiter des Stadtwirtschaftspools kommen mit der Pflege nicht hinterher – darüber waren sich die Ortschaftsräte einige, die bei ihren Sitzungen in den vergangenen Tagen allesamt das Thema besprachen.

„Die Mitarbeiter geben wirklich ihr Bestes, aber der Umfang des Gebiets ist einfach zu groß“, betonte beispielsweise der Immekather Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Zeitz. Vor allem die Arbeiten, die nicht mit großer Technik erledigt werden können, sondern Handarbeit erfordern, bleiben liegen. Stattdessen sollen die Einwohner eingreifen: Mitarbeit bei der Pflege der öffentlichen Grünflächen ist gewünscht. In Immekath hatte der Ortsbürgermeister die Vereine aufgerufen, sich für die Grünflächen verantwortlich zu fühlen und die Pflege zu übernehmen. Mit den Senioren funktioniere dies beim Dahlien- und Stiefmütterchenpflanzen ganz hervorragend. Andere Vereine sollten folgen, wünschte sich Hans-Jürgen Zeitz.

Ein Vorschlag, der nicht bei allen auf Gegenliebe stieß. „Ich rate jedem Verein davon ab, irgendwelche Flächen in Pflege zu nehmen“, fand Peter Gebühr im Ortschaftsrat deutliche Worte für seine Ablehnung. Es sei Aufgabe der Stadt, dies zu übernehmen. Wenn die Zahl der Mitarbeiter nicht ausreiche, müsse eben neu eingestellt werden oder nach anderen Lösungen gesucht werden. „Die paar Leute in der Stadtwirtschaft können die Pflege bei so vielen Orten nicht schaffen“, betonte Peter Gebühr.

„Weil das Geld nicht mehr so da ist, müssen sich die Bürger mehr denn je engagieren“, wünschte sich Hans-Jürgen Zeitz. „Wenn die Stadt alle kommunalen Rabatten pflegen sollte, das würde nicht gehen“, ist der Ortsbürgermeister überzeugt. Es müsse Hilfe von den Einwohnern kommen. „Leider machen die Leute das auch noch“, erwiderte Heinz Wapenhans sarkastisch.

Auch im Neuferchauer Ortschaftsrat war die Pflege der Grünanlagen ein Thema. „Mir gefällt das Ortsbild zur Zeit nicht so“, erklärte Ortsbürgermeister Gerhard Brüggemann in seinem Bericht. Es sei schade um das Geschaffene. „Es sind halt keine Leute mehr vor Ort, die das machen können“, bedauerte er. Auch in Neuferchau könne den Mitarbeitern der Stadtwirtschaft kein Vorwurf gemacht werden. Gemeinsam mit seinem Ortschaftsrat wollte er sich Empfehlungen überlegen, wie die Pflege aufgeteilt werden könnte.

„Es ist kein Problem, weitere Leute einzustellen oder die Grünpflege an Betriebe zu vergeben“, antwortete der Klötzer Bürgermeister Matthias Mann auf AZ-Anfrage. „Aber das kostet alles Geld und wer soll das bezahlen?“, fragt er in Richtung der Ortschaftsräte. Letztendlich müsse der Stadtrat entscheiden, ob für die Grünpflege in den Orten andere freiwillige Aufgabe gestrichen werden sollen. „Eins ist klar: Die Standards von früher sind nicht mehr zu halten“, so Matthias Mann. Was ihn beruhigt, ist die Tatsache, dass es nicht nur Gemecker gebe, sondern auch durchaus positive Resonanz aus den Orten. „Viele sagen, dass es gut funktioniert“, hatte der Bürgermeister aus Gesprächen auch Unterstützung mitgenommen.

Von Monika Schmidt

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