Runter mit der Haarpracht

Klötzer Friseurgeschäfte haben wieder geöffnet

Anja Reek schneidet einer Kundin die Haare.
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Anja Reek, Inhaber eines Klötzer Frisörsalons, freut sich, wieder Kunden empfangen zu können.
  • Birgit Stephani
    vonBirgit Stephani
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„Ich bin so glücklich, endlich wieder ein Stück Lebensqualität zurück!“, sagte Dagmar Hößler. Sie freute sich, dass sie gestern früh nach der monatelangen coronabedingten Zwangsschließung der Friseurgeschäfte im Salon „Kopfsache“ von Wenke Fröhlich in Klötze die erste Kundin war.

Klötze – Auch Anja Reek, Inhaberin des Salons „Scharfe Schere“ in Klötze, hatte mit Elisabeth Sauer eine Kundin, die ihr über das Spiegelbild freudig in die Augen blickte. „Die Beratung ist nur über den Spiegel erlaubt, ich darf mich nicht vor eine Kundin oder einen Kunden stellen“, verwies Wenke Fröhlich auf die strengen Regeln, die sie und ihre Berufskollegen und -kolleginnen einhalten müssen.

Vorgeschrieben ist auch, dass regelmäßig gelüftet und desinfiziert werden muss und wie viele Personen sich gleichzeitig in einem Salon aufhalten dürfen: eine pro zehn Quadratmeter. So dürfen im 70 Quadratmeter großen Geschäft von Anja Reek zeitgleich die Friseurmeisterin und ihre beiden angestellten Kolleginnen arbeiten sowie die Auszubildende, die sich derzeit im dritten Lehrjahr befindet. Wenke Fröhlich hat diese Möglichkeit in ihrem 36 Quadratmeter großen Salon nicht. So arbeiten sie und ihre beiden Angestellten im Schichtsystem; die eine von 8 bis 13 Uhr, die andere von 13 bis 18 Uhr und die Chefin übernimmt die Spätschichten ab 18 Uhr bis Mitternacht. „Die Kundinnen haben kein Problem damit, spät abends zu kommen. Sie sind froh, dass wir wieder aufhaben“, erklärt Wenke Fröhlich.

„Es ist gut und wichtig, dass die Friseure wieder arbeiten dürfen“, stimmen die Kundinnen überein. Einen der begehrten ersten Termine zu ergattern, war gar nicht so einfach. Nachdem klar war, dass die Öffnung zum 1. März erlaubt würde, gingen die Friseurinnen nur noch mit Terminbuch aus dem Haus – und mit dem gefühlt fortwährend bimmelnden Telefon am Ohr. Da war auf der anderen Seite schon Beharrlichkeit nötig. „Ich habe zigmal angerufen und dann hat es endlich geklappt“, ist Elisabeth Sauer froh, dass sie für sich und ihren Mann gleich am ersten Tag früh morgens Termine bekommen hat. Ebenso erfreut zeigte sich Dagmar Hößler. Sie war nicht mehr an die Reihe gekommen, als Wenke Fröhlich und ihre Kolleginnen die letzten beiden Tage vor der staatlich verordneten Schließung bis weit in die Nacht im Salon standen. „Es wurde jetzt wirklich Zeit, dass wieder ein Stück Normalität zurückkehrt.“

Eine Rückkehr zum Altgewohnten ist es indes noch lange nicht. Während bei der scharfen Schere von 8 bis maximal 20 Uhr gewaschen, gefärbt, geschnitten und geföhnt wird, geht das Licht bei der Kopfsache erst vier Stunden später aus. Hinzu kommt, dass die nächsten Wochen auch am Montag, dem eigentlichen Ruhetag, geöffnet wird. Freie Termine gibt es erst ab Ende März/Anfang April. „Ich liebe meine Beruf und nehme das gerne in Kauf“, erklärte jede Friseurmeisterin im Gespräch. Aber egal, wie viele Überstunden und Zusatzschichten jetzt gemacht würden: Die durch den Lockdown entstandenen finanziellen Einbußen, „holen wir nicht mehr rein“. Schließlich mussten Mieten, Betriebskosten, Versicherungsbeiträge und Steuern weiter gezahlt werden, während die Einnahmen auf null schrumpften. Und dann war da noch, dass zeitweise das Kurzarbeitergeld für die Angestellten vorgeschossen werden musste, da die Zahlungen verzögert erfolgten. „Ich bin froh, dass ich Kurzarbeitergeld bekommen habe“, erklärte Stefanie Richardt, die als Friseurin bei Anja Reek angestellt ist. „Anders als unsere Chefin, haben wir in der Zeit wenigstens Geld bekommen. Aber länger hätten die Schließungen jetzt auch nicht dauern dürfen.“

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