Immer mit Herzblut dabei

Klötze: Für Roland Gille endete die letzte Badesaison vor der Rente

+
Zum letzten Mal hatte Roland Gille gestern Nachmittag als Schwimmmeister des Klötzer Waldbades alles im Blick. Im März möchte er in Rente gehen und dann im nächsten Jahr das Bad nur noch als Badegast besuchen.

Klötze – „Eigentlich ist heute ein ganz normales Gefühl“, sagte Roland Gille Freitagnachmittag. Dennoch stand er am letzten Tag der diesjährigen Badesaison bei vielen Gästen des Klötzer Waldbades im Mittelpunkt.

Sie wollten sich vom Schwimmmeister persönlich verabschieden, da er plant, im März in Rente zu gehen.

Mit dem letzten Öffnungstag endet die Arbeit für Roland Gille aber noch nicht. „Es steht ja noch die Nachbereitung und die Winterfestmachung an“, erinnert er. Schon deshalb war der Tag gestern für ihn persönlich nicht viel anders als andere Arbeitstage.

Seit 1980 arbeitet Gille im Klötzer Waldbad. Zunächst ehrenamtlich an der Seite von Werner Klipp. Vom Sportbund wurde ihm angetragen, den Schwimmmeister zu machen. „Ich wurde damals gefragt, ob ich das machen möchte. Ich war ja schon seit 1975 als Rettungsschwimmer aktiv und arbeitete damals im Rettungsdienst“, erinnert sich Roland Gille.

Der Tassen-Spruch der DRK-Wasserwacht könnte auch das Motto von Roland Gille sein.

Aus der Anfrage wurde ein Beruf – und auch eine Berufung. Denn den ganzen Sommer und jedes Wochenende arbeitend im Freibad zu verbringen, „das muss man mit Herzblut machen.“ Nur mit Unterstützung der Familie war dies möglich. Und so verbringt die ganze Familie Gille meist den Sommer im Bad. Ehefrau Monika leitet die Wasserwacht, die Söhne Michael und Christian haben ebenfalls die Ausbildung zum Rettungsschwimmer. 1992 übernahm Roland Gille die Leitung des Klötzer Freibades, 1993 machte er den Schwimmmeister-Titel noch einmal nach neuem bundesdeutschen Recht.

„Eigentlich hat sich das Verhalten der Besucher im Bad nicht verändert“, blickt der Schwimmmeister zurück. Schon immer hätten die Jugendlichen ein bisschen Unfug gemacht. Und immer noch reiche es, wenn Roland Gille „böse guckt“, damit wieder Ordnung am Beckenrand und im Wasser herrscht. Dazu muss er gar nicht jedes Mal direkt am Beckenrand stehen. Auch von Weitem hat Roland Gille seine Pappenheimer unter Kontrolle.

Die Zeiten, dass im Waldbad nachts randaliert wurde, sind zum Glück vorbei. Seit der bis Ende der 1990er benachbarte Jugendklub abgerissen wurde, ist es deutlich ruhiger geworden, schätzt der Schwimmmeister ein. Dass sich manchmal nachts Jugendliche zum Baden über den Zaun schleichen, gehört zum Erwachsenwerden in Klötze einfach dazu. „Das haben wir früher auch gemacht“, gibt Roland Gille Jungendstreiche zu. Wichtig ist für ihn, dass nichts kaputtgemacht wird.

Tausende von Besuchern werden jedes Jahr vom Schwimmmeister und seinem Team im Waldbad betreut. „In der schlechtesten Saison waren es nur so um die 15 000, in der besten Saison etwa 28 000 Besucher“, zählt Roland Gille auf. Die Saison 2019 war eher durchschnittlich. Ganz genau ausgewertet ist sie noch nicht. Aber so um die 18 000 Besucher werden da gewesen sein. Da das Bad erst am 1. Juni öffnete, war die Saison dieses Mal relativ kurz.

„Zum Glück“, so blickt der Schwimmmeister auf seine 27-jährige Tätigkeit im Klötzer Waldbad zurück, hat es in all den Jahren keine Badeunfälle gegeben. Kleinere Blessuren blieben nicht aus, gerade an den Rutschen stoßen sich die Kinder gelegentlich an Nase und Kinn. Die frühere Rutsche am Planschbecken war so ein Gefahrenpunkt. „Aber da sind auch die Eltern verantwortlich, die in dem Bereich die Aufsichtspflicht haben“, betont Roland Gille.

Seit 1993 gibt es im Waldbad die große rote gedrehte Rutsche ins Nichtschwimmerbecken, 2008 und 2009 wurden die beiden Sprungtürme erneuert. Nachdem über Leader auch das Sanitärgebäude saniert wurde, wird es Zeit, sich um die Becken zu kümmern. Das gibt Roland Gille der Stadt als wichtigste Aufgabe für die Zukunft mit auf den Weg. Der Zahn der Zeit nagt an dem 91 Jahre alten Bad: In dieser Saison hat es mehrere Risse in den beiden großen Becken gegeben, die der Schwimmmeister zwar flicken konnte, bei denen aber davon auszugehen ist, dass der Beckenboden dem Druck nicht ewig standhalten wird.

„Wenn die Familie nicht mitgezogen hätte, hätte ich das nicht so lange gemacht“, ist Roland Gille sicher. Schon als er 60 Jahre alt wurde, hat er bei der Stadt darum gebeten, sich rechtzeitig um eine Nachfolgeregelung zu kümmern. „Den Schwimmunterricht werde ich auf jeden Fall weiter mitmachen“, blickt der Bald-Rentner auf den kommenden Sommer. Ins Waldbad wird er auch 2020 noch kommen. „Aber dann vermutlich nur noch als Badegast“, kündigt Gille an.

VON MONIKA SCHMIDT

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare