Ortschaftsräte feilschen um den bedeutenderen Beitrag für die Stadt

Klötze: Karneval oder Kleingärtner?

Einzeln wurde im Klötzer Ortschaftsrat über jeden Zuschuss abgestimmt. Eine klare Regelung, was bezuschusst wird, gibt es aber immer noch nicht.
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Einzeln wurde im Klötzer Ortschaftsrat über jeden Zuschuss abgestimmt. Eine klare Regelung, was bezuschusst wird, gibt es aber immer noch nicht.

Klötze – Die Vergabe der Zuschüsse aus dem Ortsbudget ist im Klötzer Ortschaftsrat immer ein bisschen wie Feilschen auf dem Basar.

Eineinhalb Stunden beharkten sich die Ortschaftsräte dieses Mal, um das zur Verfügung stehende Budget entsprechend der vorliegenden Anträge zu verteilen.

Deutlich wurde, dass die Interessen der Mitglieder in dem Gremium ganz unterschiedlich gelagert sind. Lothar Schulze und Christian Gebühr erwiesen sich einmal mehr als Streiter für die Gartenvereine, die Gebühr sogar alle pauschal mit 250 Euro bedenken wollte, während beispielsweise Alexander Kleine bei der Förderung deutlich differenzierte. „Das Anlegen einer Streuobstwiese hat einen Mehrwert für die Stadt, das sollten wir unterstützen, aber nicht die Instandhaltung technischer Geräte“, sagte Kleine.

Frank Fritzsche regte an, dass mit einigen Vereinen, zum Beispiel den Anglern, noch einmal gesprochen werden sollte, damit sie ihre Anträge in Zukunft anders stellen. „Die machen so viel für die Stadt und den Teich“, begründete er seine Unterstützung. Das sah Lothar Schulze auch bei den Gartenvereinen so: „Die tun etwas für die Gemeinschaft, sind Naherholungsgebiete“, erinnerte er. Deshalb sollte auch der Kauf von Gerätschaften für die Pflege unterstützt werden. „Nichts geben ist auch keine Lösung“, meinte Schulze zu einem der Gegenvorschläge. Es müsste ein Schlüssel gefunden werden, um die Gartenvereine zu bezuschussen, regte er an.

Klaus Ewertowski wiederum setzte sich für die Klötzer Ortswehr ein, die einen Zuschuss von 4000 Euro für das 140-jährige Bestehen und die Instandsetzung der Chronik beantragt hatte. Die Summe, die zunächst auf 2000 Euro gestrichen wurde, wollte Hans-Jürgen Schmidt noch um weitere 1000 Euro kürzen. So schnell könne er seine Meinung nicht ändern, erwiderte Klaus Ewertowski. Er verstehe es nicht, warum die Ortschronisten „alles bekommen, was sie wollen,“ und die Ortswehr nur ein Viertel der Summe, die sie beantragt hat. „Für die Wehr ist die Stadt zuständig“, argumentierte Hans-Jürgen Schmidt. Dann bliebe Geld übrig, um auch den Karnevalsverein zu unterstützen.

Denn den hatten die Ortschaftsräte, wie andere ausgefallene Veranstaltungen auch, komplett auf Null gesetzt. „Es haben alle Veranstaltungen stattgefunden“, erinnerte Alexander Kleine die Ortschaftsräte, dass die Corona-Pandemie erst nach dem Karneval ausgebrochen war. 2000 Euro hatten die Karnevalisten für den Tulpensonntagsumzug beantragt. „Es gab vier große Veranstaltungen mit über 1000 Zuschauern und es gibt 80 bis 90 Kinder in den Gruppen, die ehrenamtlich trainiert werden“, warb Kleine für einen Zuschuss. Dass der Verein, obwohl er als einziger sein Jahresprogramm wie gewohnt durchgezogen hatte, nichts bekommen sollte, war dem SPD-Vorsitzenden unverständlich. „Die Richtlinie sagt, dass wir zweckgebunden und kulturell fördern. Und genau die Kultur kommt durch den KKV in die Stadt“, begründete Alexander Kleine, der sich als betroffenes Mitglied bei der Abstimmung über den KKV enthielt – andere Ortschaftsräte nahmen das nicht so genau. Raimund Punke warnte dennoch: „Das ist gefährlich so. Jeder ist irgendwo Mitglied im Verein. Da kommen wir nicht klar. Wir sollten als Ortschaftsrat nicht unsere Befindlichkeiten ausleben“, wünschte sich Punke.

Der erste Vorschlag, über die Liste komplett abzustimmen, die noch 2311 Euro im Budget ließ und den Karnevalsverein auf Null gesetzt hatte, fiel mit fünf Ja-Stimmen und sieben Nein-Stimmen durch. Also wurde einzeln über jeden Antrag abgestimmt. „Da können wir sehen, wo Mehrheiten sind“, erklärte Klaus Ewertowski. Am Ende blieben noch 1061 Euro im Topf. „Das lassen wir auch so“, so Raimund Punke. VON MONIKA SCHMIDT

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