Die kleinen Banken auf dem Land kassieren die höchsten Zinsen / Die AZ hat nachgefragt

Dispokredit: Das böse Erwachen

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Volksbank-Vorstand Markus Creydt.

Klötze. In der Werbung ist es so bequem: Das Konto ist leer – kein Problem, bezahlen kann man trotzdem. Das böse Erwachen kommt mit dem Kontoauszug.

Denn für den Dispokredit verlangen die Banken und Sparkassen nach Informationen der Stiftung Warentest bis zu 14,75 Prozent Zinsen. „Die größten Abzocker sind die kleinen Banken in ländlichen Gebieten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Unter den als „Abzocker“ bezeichneten Geldinstituten: die Volksbank Wittingen-Klötze.

Laut Kostenübersicht der Stiftung Warentest verlangt die Volksbank für den Dispokredit 13,5 Prozent Zinsen, für eine geduldete Überziehung (über das Dispo-Limit hinaus) sogar 18,95 Prozent. Im Schnitt haben die Warentester einen Zinssatz von 11,31 Prozent ermittelt. Es gibt aber auch Beispiele, in denen Institute nur 4,2 beziehungsweise 5,25 Prozent erheben.

Volksbank-Vorstand Markus Creydt ist über die Berichterstattung nicht glücklich. Unter anderem deshalb, weil die Zahlen veraltet sind. 12,45 Prozent Dispozinsen und 16,45 Prozent für die geduldete Überziehung fallen jetzt an. Dabei dürfe man nicht, wie die Warentester, nur auf eine einzige Zahl schauen: „Aus der Erfahrung heraus empfehlen wir den Kunden, das Gesamtpaket anzuschauen.“ So würden niedrigere Dispozinsen unter Umständen durch hohe Grundgebühren mehr als aufgefressen (die Grundgebühr bei der Volksbank beträgt 2,90 Euro). Dabei gebe es Unterschiede von bis zu 10 Euro. „Die bezahlt auch derjenige, der den Dispo nie in Anspruch nimmt.“

Auch grundsätzlich kritisiert der Volksbanker die Aufregung über die Dispozinsen: „Es ist ein Zinssatz von vielen. Der Dispokredit ist für kurzfristige Engpässe gedacht. Wenn er längerfristig genutzt wird, dann sprechen wir den Kunden an und bieten attraktivere Konditionen an.“ Der hohe Zinssatz sei gerechtfertigt, weil die Bank die Liquidität für den vollen Kreditrahmen vorhalten müsse. Besonders günstig seien vor allem die Onlinekonten, gibt Creydt zu bedenken: „Da findet keine Beratung statt. Wir unterhalten in der Region elf Geschäftsstellen. Wir sind vor Ort.“

Bei den Zinsen richtet sich die Volksbank nach dem Referenzzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB). Der liegt allerdings bei 0,5 Prozent. „Anstatt die Zinsvorteile an ihre Kunden weiterzugeben, nehmen viele Banken lieber die hohen Gewinne mit, die ihnen durch den großen Abstand der Dispozinsen zu den Marktzinsen entstehen“, kritisiert die Stiftung Warentest. Aus ihrer Sicht sollten diese weit unter zehn Prozent liegen.

Auch innerhalb der Altmark gibt es Unterschiede. Laut Stiftung Warentest kassiert die Volksbank Uelzen-Salzwedel 13,25 Prozent Dispozinsen (geduldete Überziehung: 18,75 Prozent), die Sparkasse Altmark West 12,28 Prozent (Überziehung: 17,53 Prozent), die Kreissparkasse Börde lediglich 11,2 Prozent (Überziehung: 16,2 Prozent).

Keine Zahlen gibt es von der Volksbank Gardelegen. Laut Stiftung Warentest hat das Institut den Testern keine Auskunft gegeben, auch einen Preisaushang gab es nicht. Letzterer ist gesetzlich vorgeschrieben. Aufgrund der Öffnungszeiten – mittwochnachmittags sind die Geschäftsstellen geschlossen – erhielt die AZ von den genannten Kreditinstituten keine Stellungnahmen.

Von Gerhard Sternitzke

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