Kleine Sicherheitsarmee

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Erst wenn alle sieben Playmobil-Figuren ihren Platz im Foyer des Klötzer Rathauses eingenommen haben, kann die Alarmanlage aktiviert werden. Hauptamtsleiter Christian Hinze-Riechers hatte die simple aber praktikable Lösung gefunden.

Klötze – Von Peter Lieske Büros, Toiletten und Versammlungsräume – Ein Verwaltungsgebäude hat viele Zimmer. So auch das Rathaus in Klötze. Wer ist aber derjenige, der zuletzt abschließt? Die Möglichkeit, dass jemand eingeschlossen wird und die ganze Nacht im Rathaus verbringen muss, ist eher unwahrscheinlich. Dennoch ist ein Sicherungssystem angebracht. Wichtig ist zu wissen, dass sich niemand mehr im Haus befindet, sobald die Alarmanlage aktiviert wird. Eine kleine Bewegung im Haus genügt, und Polizei und Feuerwehr werden alarmiert. Ein solcher Fehlalarm kostet Nerven, Zeit und vor allem Geld.

Wie aber kann ausgeschlossen werden, dass, sobald der Letzte das Rathaus verlässt und die Alarmanlage einschaltet, sich niemand mehr im Gebäude befindet? Mit dieser Frage befasste sich Hauptamtsleiter Christian Hinze-Riechers. Eine Möglichkeit ist eine elektronische Sicherung. An einem großen Schaltpult leuchten Lämpchen, die anzeigen, ob sich noch jemand in einem der Räume befindet oder nicht. Weniger die Möglichkeit, dass auch solche hochmoderne Technik mal den Dienst versagen kann, gab den Ausschlag, darauf zu verzichten, sondern vielmehr die Kosten. Nur um einen Fehlalarm zu vermeiden, den hohen Aufwand zu betreiben, das war nicht das Ansinnen der Stadtväter. Das Schaltpult blieb somit Wunschdenken. Eine einfache und kostengünstigere Variante sollte gesucht werden. Diese fand der Hauptamtsleiter. Kostenpunkt: keine 20 Euro.

In einem Spielwarengeschäft wurden die nötigen Utensilien besorgt: Sieben Playmobil-Figuren. Sie stehen am Tresen im Foyer des Rathauses in einer Linie aufgereiht. Ein Schornsteinfeger, ein Feuerwehrmann, ein Maler, eine Goldmarie, ein Ritter, ein Hausmeister und ein General bilden die Plastik-Figuren-Mannschaft, die die gleiche Funktion erfüllen wie ein teurer EDV-Terminal.

Sechs Figuren symbolisieren je ein Amt. Der Hausmeister mit Eimer in der Hand steht für die Reinigungskräfte. Das Prinzip: Wer von den Mitarbeitern zuerst das Rathaus betritt, nimmt sich die zu seinem Amt passende Figur. Die Goldmarie steht für die Kämmerei, der Feuerwehrmann für das Ordnungsamt, der Ritter für die Stabsstelle, der Maler für das Bauamt und der General für den Bürgermeister.

Bliebe noch der Schornsteinfeger. „Der ist unser Glücksbringer“, sagt Christian Hinze-Riechers schmunzelnd. Schließlich symbolisiert dieser kleine schwarze Mann das Hauptamt, das mit diesem kleinen Coup zwar kein Geld beschafft, doch dafür eine Menge gespart hat.

Fehlt eine der Figuren auf dem Tresen, dann ist das dazu gehörige Amt besetzt. Verlässt der Mitarbeiter, der die Figur mitgenommen hat, vorzeitig das Büro, dann gibt er diese an einen Mitarbeiter seines Amtes weiter. Ist er der Letzte des Amtes, dann nimmt er seine Abteilungsfigur mit ins Foyer und stellt sie dort ab. Derjenige, der die Figurenreihe komplettiert, muss demnach der Letzte im Rathaus sein. Und dieser aktiviert also die Alarmanlage.

Das Prinzip ist simpel und es funktioniert. Dass auch Menschen Fehler machen, ist nicht neu. Und so wird ein Fehlalarm auch in Zukunft nicht ausgeschlossen werden können. Dieser wird dann aber in jedem Fall eine Ausnahmeerscheinung sein. Und ob die kostspielige EDV-Anlage einen Fehlalarm hundertprozentig ausschließen kann, wird schwer nachzuweisen sein. Bewährt hat sich die kleine Sicherheitsarmee aus Kunststoff in jedem Fall. Denn seit der Einführung der Figuren können die Sicherheitskräfte wie auch die Mitarbeiter ruhig schlafen.

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