Erzieherinnen aus sieben Einrichtungen fuhren zum Streik nach Leipzig / Keine Notbetreuung nötig

Kitas einen Tag lang verwaist

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21 Erzieherinnen aus sieben Kindereinrichtungen der Stadt Oebisfelde-Weferlingen fuhren gestern um 7 Uhr mit dem Bus nach Leipzig. Die Gewerkschaften Verdi und GEW hatten zu dem Streik aufgerufen, der erstmals auch in der Einheitsgemeinde umgesetzt wurde. Die Eltern waren rechtzeitig informiert.

Oebisfelde / Bösdorf. Sie drehen bei der Arbeit keine Däumchen, sie sind keine Bastel- und Spieltanten und sie üben ihren Beruf gerne aus.

Die Hort- und Kita-Erzieherinnen haben gegenüber den Kindern einen ständig steigenden Bildungsauftrag zu erfüllen und dafür möchten sie die notwendige Anerkennung. Da diese nicht freiwillig erfolgt, wollen sich die Erzieherinnen diesen Anspruch nun einfordern und machten deshalb gestern von ihrem Streikrecht Gebrauch. Mit einem Bus fuhren sie früh zu der zentralen Demonstration nach Leipzig, zu der die Gewerkschaften Verdi (Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft) und GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) die Mitarbeiter von Kindereinrichtungen aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen aufgerufen hatten.

Für einen Tag waren sieben Kindereinrichtungen der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen geschlossen. Die Eltern wurden im Vorfeld rechtzeitig über den Streik informiert. Die Einrichtungen in Rätzlingen und Etingen sowie die Krippe in Oebisfelde hatten im Vorfeld entschieden, sich an dem Streik nicht zu beteiligen.

„Die Resonanz in der Bevölkerung war ganz unterschiedlich. Es gab Eltern, die uns unterstützten, andere haben dazu gar nichts gesagt“, erklärt Helga Willecke. Wie die 32 Kinder an diesem Tag betreut werden, entzog sich der Kenntnis der Leiterin der Bösdorfer Kita Drömlingsstrolche: „Die Stadt hat die Möglichkeit einer Notbetreuung angeboten. Doch davon wurde von den Eltern kein Gebrauch gemacht.“

In der Kita Regenbogenland und auch im Hort blieb das Angebot ebenfalls ohne Resonanz. „Wir haben keine Rückmeldung von den Eltern erhalten. Außerdem haben wir derzeit Ferien. Da bleiben sowieso einige Kinder zu Hause“, sagte Kristin Richter vom Hort der Drömlingsfüchse. Auch für die knapp 100 Mädchen und Jungen, die im Regenbogenland betreut werden, hatten die Eltern eine alternative Betreuungsmöglichkeit gefunden. Auf eine staatliche Notbetreuung wurde nicht zurückgegriffen. „Auf den Streik haben unsere Eltern überwiegend positiv reagiert und uns Unterstützung zugesichert“, erklärte Kita-Leiterin Petra Adamietz.

„Wir als Arbeitgeber haben nur von den Eltern, die eine entsprechende Informatione von den Gewerkschaften über den Streik erhalten hatten, von der heutigen Aktion erfahren“, kritisierte Bürgermeisterin Silke Wolf. Die Stadt habe dann in der vergangenen Woche über die Kindereinrichtungen einen Brief an die Eltern herausgegeben, in dem neben Infos über die bundesweit laufenden Tarifverhandlungen auch das Unverständnis über den Streik ausgedrückt und die Möglichkeit einer Notbetreuung für die Kinder angeboten wurden (wir berichteten). „Einige Einrichtungen der Stadt haben sich dem Streik nicht angeschlossen. Die Kinder wären also gut untergebracht worden“, informierte Silke Wolf. Leider, so die Bürgermeisterin, seien nach Informationen von vier Eltern, in zwei Kindertagesstätten diese Elternbriefe von den Leiterinnen nicht ordnungsgemäß verteilt worden: „Das ist sehr bedauerlich. Auch habe ich heute früh an den Toren die Information, dass die Einrichtung bestreikt und geschlossen bleibt, vermisst“, erklärte sie.

Von Renate Heinze

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