Alles auf Anfang nach dem abgelehnten Schlichterspruch / Schon Kinder bei freien Trägern angemeldet

Kita-Streik: „Die Eltern haben Angst“

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Während der Tarifverhandlungen wurde auch in den Kitas der Stadt Oebisfelde-Weferlingen gestreikt. Die Eltern sorgen sich, dass neue Streiks drohen könnten, die Bürgermeisterin weiß nicht, wie sie weitere Tariferhöhungen finanzieren soll.

Oebisfelde. Eigentlich schien es Ende Juni, als ob alles in Sack und Tüten wäre. Aber der Schlichterspruch für den Sozial- und Erziehungsdienst ist von den verdi-Mitgliedern mit fast 70 Prozent abgelehnt worden. Die Arbeitgeber äußerten darüber Unverständnis.

Am heutigen Donnerstag gehen die Tarifverhandlungen weiter. Es drohen neue Streiks in den Kitas, sollte es zu keiner Einigung kommen. Ab Oktober, so hatte verdi angekündigt, könnten die Erzieher dann wieder in den Ausstand treten.

Auch Oebisfelde war während des Tarifkonflikts Streik-ort. Entsprechend gespannt blickt Bürgermeisterin Silke Wolf auf die heute beginnenden Verhandlungen. Ob in der Stadt Oebisfelde-Weferlingen erneute Streiks drohen, ist noch offen. „Ich habe noch keine Informationen vom Personalrat“, erklärte Silke Wolf gestern auf AZ-Anfrage. „Es ist eine ganz schwierige Situation für die Stadt“, räumt die Bürgermeisterin ein. Zum Einen mit Blick auf die Finanzen: Sollten die Forderungen der städtischen Angestellten nach einer größeren Erhöhung der Gehälter durchgesetzt werden, müsste die Stadt einen Nachtragshaushalt aufstellen. Die Kommune hatte aber schon Schwierigkeiten, den regulären Haushalt rund zu bekommen, musste ihn mit einem Defizit beschließen. „Dann müssten andere Sachen den höheren Personalkosten wieder zum Opfer fallen“, befürchtet die Bürgermeisterin.

„Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut“, sagt Silke Wolf, die in diesem Fall die Arbeitgeberseite vertritt. Ihr Blick richtet sich aber auch auf die freien Träger, die in Weddendorf (DRK) und Weferlingen (Seniorenhilfe) Einrichtungen betreiben. Dort verdienen die Mitarbeiter teilweise wesentlich weniger als die städtischen Beschäftigten, die nach Tarif entlohnt werden, weiß die Bürgermeisterin.

Der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ werde nicht umgesetzt, bedauert Silke Wolf. Zumal bei den freien Trägern auch eine hervorragende Arbeit in der Betreuung der Kinder gemacht werde.

„Die Eltern haben Angst“, weiß Silke Wolf aus den Gesprächen in den vergangenen Tagen. Und letztendlich hätten die Kita-Streiks auch Auswirkungen auf die Anmeldungen in den Einrichtungen gehabt. So hatten Eltern ihre Kinder zunächst bei der Stadt angemeldet, seien dann aber zu freien Trägern gewechselt – mit dem Argument, dass dort mit Sicherheit nicht gestreikt werde. „Am Ende hat der Kita-Streik also auch Auswirkungen auf die Auslastung der Einrichtungen“, fürchtet die Bürgermeisterin von Oebisfelde-Weferlingen ein.

„Bei uns sind die Bedingungen für die Erzieherinnen sehr gut“, schätzt Silke Wolf ein. Die Arbeitszeiten sind geregelt, es gibt keine 24-Stunden-Kitas, die Spielplätze sind gut bestückt, die Einrichtungen saniert. In Kitas anderer Bundesländer sehe das anders aus, befürchtet die Oebisfelder Bürgermeisterin.

„Ich fühle mich in dem System nicht mehr wohl“, gibt sie zu. Wenn die Forderungen des Erziehungsdienstes durchgesetzt werden, folgen als nächstes Lehrer und öffentlicher Dienst mit neuen Gehaltsforderungen – eine Spirale, die sich immer weiter nach oben dreht. Für die Kommunen würden die Personalkosten unbezahlbar.

Von Monika Schmidt

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