„In der Kirche wird eher geschmunzelt“

Andrea Klapproth las die Texte über Don Camillo und Peppone, den ewigen Streit zwischen Pfarrer und Bürgermeister vor, Antipe da Stella unterstrich die Stimmung mit passenden Flötenklängen. Fotos (2): Schmidt

Schwiesau - Von Monika Schmidt. Die Schwarz-Weiß-Filme von Don Camillo und Peppone hat wohl jeder noch vor Augen. Ein bisschen von dieser Atmosphäre und dem ewigen Streit zwischen Kirche und Kommunismus wurde vom Ensemble Syrinx am Dienstagabend in der Schwiesauer Kirche eingefangen.

Syrinx, das sind Flötistin Antipe da Stella und Sprachkünstlerin Andrea Klapproth aus Zürich. Ihr Name hat eine doppelte Bedeutung, denn Syrinx bezeichnet sowohl ein Flötenstück von Debussy als auch die Stimm-Membran der Vögel. Und so finden schon im Namen des Duos Flöte und Stimme, Wort und Ton zueinander.

Seit 17 Jahren sind die beiden Frauen das Ensemble Syrinx. Antipe da Stella hatte die Schauspielerin Klapproth damals bei einer Lesung erlebt und angeregt, die Texte musikalisch zu begleiten. Bis zu vier Programme spielen die beiden Frauen derzeit, vor sechs Jahren waren sie schon einmal in Schwiesau mit einem Programm über Anna Magdalena Bach zu Gast. Die Verbindung zu Schwiesau ist schnell gezogen: Andrea Klapproth hat gemeinsam mit dem Schwiesauer Dr. Claudius Schmidt in Berlin Theaterwissenschaften studiert. „Der Kontakt ist seitdem nie abgerissen“, erzählte sie am Dienstag nach dem Auftritt. Und so verband das Ensemble eine Deutschlandtour mit Stationen in Frankfurt, Hamburg, Neubrandenburg und Dresden mit einem Auftritt in der Altmark.

Fünf Geschichten aus dem Buch von Giovanni Guareschi hatte Andrea Klapproth für die Lesung ausgewählt. Diese wurden von Antipe da Stella mit passenden Stücken auf der Querflöte umrahmt, bei denen sie die Stimmung des Textes ganz wunderbar eingefangen hatte. „Ich versuche, die Stimmung der Texte mit der Musik zu erfassen“, erzählte die Konzertflötistin. Manchmal dauere es eine ganze Weile, bis ihr die passende Musik einfällt, manchmal geht es aber auch ganz schnell, bis ein passendes Stück gefunden ist.

Ernste Programme, wie die Texte über Anna Magdalena Bach oder Novalis, wechseln sich ab mit eher heiteren Texten, wie den Geschichten aus dem kleinen italienischen Dorf mit seinem immerwährenden Streit zwischen Pfarrer und Bürgermeister. Zum ersten Mal trat das Ensemble Syrinx mit dem Programm in einer Kirche auf. Und wunderte sich ein wenig über die zurückhaltende Stimmung der Zuhörer. „Sie haben relativ wenig gelacht, das hat mich erstaunt“, stellte Andrea Klapproth im Gespräch mit den Besuchern nach Ende des Auftritts fest. Und sie versuchte zu erforschen, warum das so war. Ob es daran lag, dass das Katholische in der Altmark nicht so verbreitet ist? Oder ob der Kommunismus noch zu vertraut ist? In manchem wurden die Zuhörer an die DDR-Zeiten erinnert. Aber: „So schlimm war es bei uns nicht“, stellten die Besucher jedoch fest. Es war wohl eher die Atmosphäre eines Gotteshauses, die die Zuhörer eher innerlich über die Geschichten lachen ließ. „In der Kirche lacht man einfach nicht so laut, da wird eher geschmunzelt“, so das Fazit von Zuschauern und Akteuren zum Abschluss. Spaß an den Geschichten hatten beide Seiten trotzdem.

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