„Die Kirche im Dorf lassen“

Klötzes Ortschaftsrat möchte nur Vereine mit Außenwirkung unterstützen

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Schwergetan hat sich der Klötzer Ortschaftsrat in diesem Jahr mit der Zustimmung für den Zuschuss zur Seniorenarbeit des VfB Klötze, der in den Vorjahren anstandslos befürwortet wurde. Unterstützt wird damit unter anderem der Seniorentreff Alte Feuerwehr, der vom VfB Klötze betrieben wird.

Klötze – Im Ortsbudget des Klötzer Ortschaftsrates standen zur letzten Sitzung des Jahres noch 4151 Euro zur Verfügung.

Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schmidt erinnerte daran, dass das Gremium zweimal eine Entscheidung über den Antrag für die Unterstützung der Seniorenarbeit des VfB Klötze vertagt hatte und nun endlich eine Entscheidung fallen müsse. 3800 Euro, so der Antrag, sollte der VfB wie in den vergangenen Jahren auch für die Seniorenbetreuung und Übungsleitertätigkeiten bekommen. Den Ortschaftsräten lag zur Sitzung auch der geforderte Verwendungsnachweis für den Zuschuss aus dem Vorjahr vor.

Hans-Jürgen Schmidt rechnete vor, dass damit noch 350 Euro im Budget zur Verfügung stehen. Es gebe noch zwei Anträge von Kleingartenvereinen für den Kauf eines Rasenmähers für 450 Euro und für ein Zelt von 600 Euro, über die das Gremiums noch befinden müsse. Auch diese Entscheidung sei in der vorigen Sitzung vertagt worden, erinnerte er.

Die Meinungen der Ortschaftsräte zu den Zuschüssen gehen auseinander, das wurde in der erneut einsetzenden Diskussion deutlich. Lothar Schulze sprach sich dafür aus, die Anträge so zu befürworten, wie sie vorliegen. „Gartenvereine machen viel für die Umwelt der Stadt. Im Kleingarten steckt viel Arbeit und die Vereine haben keine anderen Einnahmequellen“, argumentierte er, warum er beide Anträge unterstützen würde.

„Es ist traurig, dass wir das nicht schon im Oktober entschieden haben“, setzte sich Ilka Speckhahn für die VfB-Senioren ein. Sie warb dafür, dass das Geld in voller Höhe ausgezahlt werden sollte. „Es ist höchste Eisenbahn, dass sie das Geld bekommen, damit sie eine Gewissheit haben“, sagte sie und bat darum, dass der Antrag im nächsten Jahr schneller befürwortet werde. Aber von ihr gebe es keine Zustimmung für die Anträge der Kleingartenvereine. „Wir haben nur einen kleinen Rest im Budget, den wir besser anders verteilen sollten.“ Sie bat darum, „die Kirche im Dorf zu lassen“ und nur die Vereine zu unterstützen, „die ihre Wirkung für den ganzen Ort entfalten.“ Ein Kleingartenverein habe nur wenig Außenwirkung. „Der Garten ist das eigene private Gebiet jedes Einzelnen“, erklärte Ilka Speckhahn. Dem schloss sich Uwe Witte an. „Es ist toll, was die Kleingärtner machen, aber das hat einen privaten Nutzen, das müssen wir nicht unterstützen“, erklärte er.

Lothar Schulze widersprach energisch: „Kleingärtner leisten eine wichtige Arbeit“, betonte er mit Blick auf den Lebensraum der Nutzinsekten. „Es ist nicht hoch genug einzuschätzen, wenn sich die Leute dafür einsetzen“, sagte er. Zudem würden die Vereine nicht regelmäßig um Unterstützung bitten, sondern in diesem Fall nur um einen einmaligen Zuschuss, der gewährt werden sollte. Schulze räumte aber auch ein, dass das Ortsbudget eine Unterstützung derzeit nicht zulasse.

Lothar Görg wurde die Diskussion zu bunt, er meldete sich zur Geschäftsordnung. „Wir sollten zur Abstimmung kommen und nicht die Meinung jedes Einzelnen diskutieren“, appellierte er. Abgestimmt wurde zunächst über den Antrag des VfB Klötze. Er wurde mit einer Gegenstimme von Heiko Hutopp mehrheitlich befürwortet.

Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schmidt regte an, die Entscheidung über die Anträge der beiden Kleingartenvereine auf das kommende Jahr zu verschieben. Doch Raimund Punke forderte auch in diesem Punkt eine sofortige Entscheidung ein: „Ich habe kein Problem damit, wenn ein besonderes Ereignis anliegt“, argumentierte er. „Aber es gibt kein Geld für einen Rasenmäher, einen Wasserkocher oder eine Waschmaschine“, überspitzte er. „Wir haben andere Möglichkeiten, unser Geld einzusetzen“, so Punke. Sein Vorschlag, stattdessen für die Ortschronisten einen neuen Scanner anzuschaffen, wurde von diesen mit Applaus begrüßt. Auch die Mehrheit der Ortschaftsräte stimmte dem zu. Der Klötzer Ortsbürgermeister blieb jedoch beharrlich und kündigte an, die Anträge der beiden Kleingartenvereine im Budget 2020 wieder zur Beratung vorzuschlagen.

VON MONIKA SCHMIDT

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