Kaputter Jahrstedter Stau: Entscheidung zum Wiederaufbau um vier Wochen verschoben

Keine schnelle Lösung in Sicht

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Sechs Wochen ist es nun her, dass das 1956 errichtete Stauwehr bei Jahrstedt vom Wasser um- und unterspült zusammenbrach. Die Entscheidung, ob es an dieser Stelle wieder ein Wehr oder ersatzweise eine Sohlgleite geben wird, wurde gestern verschoben. 

Jahrstedt. „Eine endgültige Lösung gibt es noch nicht“, fasste Fred Braumann, Leiter des Naturpark Drömling, auf AZ-Anfrage die gut zweieinhalbstündige Beratung zur zusammengebrochenen Jahrstedter Stauanlage am gestrigen Vormittag zusammen.

Zur Erinnerung: Das gut 60 Jahre alte Bauwerk bei Germenau war am 18. März vom Ohre-Wasser umspült worden, nachdem anstauendes Eis innerhalb kürzester Zeit den Wasserstand um 44 Zentimeter steigen ließ (AZ berichtete). Gestern sollten nun Berechnungen eines Quedlinburger Planungsbüros präsentiert und anhand dieser entschieden werden, ob das Stauwehr samt Fischaufstiegsanlage wiedererrichtet oder durch eine sogenannte Sohlgleite ersetzt wird. Bei Letzterem handelt es sich um eine das Wasser anstauende Steinschüttung mit flachem Gefälle, wodurch diese von Wasserlebewesen problemlos passiert werden kann. Eine Entscheidung soll nun Ende Mai bzw. Anfang Juni getroffen werden, wie Braumann vorausblickte.

Warum sich die Naturparkverwaltung Drömling als Staurechtinhaber, die Stadt Klötze als Eigentümer, der Unterhaltungsverband (UHV) Obere Ohre als Bediener der Anlage, die Untere Wasserbehörde als Genehmigungsbehörde sowie der Zweckverband Natur- und Kulturlandschaft Drömling gestern nicht einig wurden, liege in „Unsicherheiten“ begründet, so Braumann. So gebe es beispielsweise zwei Möglichkeiten, Fördermittel für das „mehrere 100 000 Euro“ teure Projekt zu beantragen – entweder über die Naturschutz- oder über die Wasserrahmen-Richtlinie. Davon hänge auch ab, wer einen entsprechenden Antrag stellt. Daneben seien weitere fachliche Gutachten nötig, so der Naturparkleiter. Eine Sohlgleite, das hätten die Berechungen der Planer gezeigt, sei aber im Bereich des Möglichen.

Bevor es eine Lösung gibt, soll der durch die Umspülung entstandene Kolk verbaut, der Weg wiederhergestellt und ein Behelfsstau errichtet werden, der den Zulauf in die oberhalb von Jahrstedt abzweigenden Ackergräben sowie in den benachbarten Angelteich sicherstellt. Der Unterhaltungsverband wollte damit in der kommenden Woche beginnen und hierfür, wie Geschäftsführer Hagen Müller gegenüber der AZ erklärte, sogenannte Big-Bags verwenden. Diese standen auch schon bereit. Gestern kam nun eine andere Variante ins Spiel. So sollen nun Gabionen, also mit Steinen gefüllte Drahtkörbe, verwendet werden. Diese müssen aber erst noch vom UHV besorgt werden. Neuer Termin für die Errichtung des provisorischen Staus ist nun „übernächste Woche“, so Müller.

Von Matthias Mittank

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