„Keine Geschenke zu verteilen“

Die Urnenstelen auf dem Klötzer Friedhof sind die teuerste Beerdigungsart, da mit dem Kauf der Urnennische die Folgekosten bereits abgedeckt werden müssen, erläuterte Bürgermeister Matthias Mann, der dem Hauptausschuss die neue Gebührensatzung präsentierte.

Klötze - Von Monika Schmidt. Es ist immer ein Thema, das ein bisschen makaber wirkt, aber es gehört zur Aufgabe der Stadträte, die Gebühren für die Friedhöfe festzulegen. „Wie sollen wir bei den Preisen die Urnenstelen vollkriegen?“, fragte Carsten Behrend im Hauptausschuss nach.

Der Klötzer Bürgermeister Matthias Mann hatte den Ausschussmitgliedern die Vorschläge der Verwaltung für die Friedhofsgebühren vorgelegt, und die ziehen zum Teil erheblich an. So soll eine einstellige Urnennische in der Stele 600 Euro, eine zweistellige Nische 850 Euro kosten. Darin sind alle anfallenden Kosten für Instandhaltung und Entsorgung enthalten. „Das ist bei allen anonymen Grabstellen so“, verdeutlichte Matthias Mann. Denn die Stadt ist für die Folgekosten zuständig, deswegen müsse die Erstinvestition so teuer sein. Die Verwaltung habe versucht, den Aufwand für die Bewirtschaftung zu kalkulieren, ergänzte Ordnungsamtsleiterin Kathrin Wißwedel.

„Für die Dörfer wird es fast um das Vierfache teurer“, machte Hans-Jürgen Zeitz aufmerksam. Anhand einer Übersicht der bisherigen Gebühren konnten die Hauptausschussmitglieder erkennen, dass die Spanne der Gebühren sehr groß war. So wurden bislang in Neuendorf für ein einstelliges Wahlgrab 25 Euro fällig, während in Klötze schon 350 Euro gezahlt werden mussten. Und selbst für die alte Stadt Klötze, die bislang die höchsten Friedhofsgebühren hatte, steigen die Preise nach dem Verwaltungsvorschlag noch einmal an.

„Es muss passen“, begründete Matthias Mann seinen Vorschlag. Es müsse auch beim Thema Friedhofsgebühren das Signal gesetzt werden, dass alles teurer werde. Eine Aussage, die Hans-Jürgen Zeitz auf den Plan rief. „Wir sollen die Interessen der Bürger vertreten“, erinnerte er. „Bislang sind alle Satzungen, die wir beschlossen haben, teurer geworden. Wir sind dem Bürger noch gar nicht entgegengekommen“, sorgte er sich. Diese Darstellung empörte wiederum den Klötzer Bürgermeister: „Das Interesse des Bürgers kann nicht sein, dass die Stadträte die Stadt gegen die Wand fahren“, erwiderte Matthias Mann. „Es sind keine Geschenke zu verteilen“, machte er deutlich. Aufgabe der Stadträte sei es vielmehr, dem Bürger die Wahrheit zu sagen und nicht den Weihnachtsmann spielen zu wollen. „Der Euro zu Hause darf nicht anders bewertet werden als der in der Stadtkasse. Wenn kein Geld da ist, können wir es auch nicht verteilen“, beendete Matthias Mann das kurze, aber heftige Zwiegespräch.

Uwe Bartels betonte, dass die Zahlen untermauert sein müssten. Das seien sie durch die Mustersatzungen des Städte- und Gemeindebundes, erwiderten Bürgermeister und Ordnungsamtleiterin.

Kathrin Wißwedel machte zudem auf einen weiteren Spagat aufmerksam, der absolviert werden müsse: Es gibt bislang für die einzelnen Friedhöfe eine ganze Reihe unterschiedlicher Regelungen, sei es beim Wassergeld, bei der Pflege und Bewirtschaftung sowie bei der Abfallentsorgung. Mit der neuen Satzung muss für alle Ortsteile eine einheitliche Regelung gefunden werden. Perspektivisch müsse überlegt werden, wie die Friedhöfe bewirtschaftet werden, wenn keine Gemeindearbeiter mehr in den Orten vorhanden sind. „Wir müssen wohl dahin kommen, die Friedhöfe von Dritten bewirtschaften zu lassen“, vermutete Carsten Behrend. Auf Dauer könne das nicht von der Stadt gemacht werden.

Auch wenn sie mit der Höhe der Gebühren augenscheinlich nicht einverstanden waren, gab es doch von Seiten der Hauptausschussmitglieder keine Gegenvorschläge. Die Friedhofsgebührensatzung wurde mit den Gegenstimmen von Hans-Jürgen Zeitz und Uwe Bartels sowie einer Enthaltung von Franz-Hermann Wegner mehrheitlich dem Stadtrat empfohlen. Dieser muss sein Votum am Mittwoch, 27. Oktober, ab 19 Uhr bei seiner Zusammenkunft im Ratssaal abgeben.

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