Bahnhofstraßen-Anlieger protestieren gegen Laub und Dunkelheit / Thema für Ordnungsausschuss

Kastanien auf fünf Meter kappen

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Die Kastanien an der Bahnhofstraße machen nicht nur viel Laub, sondern verdunkeln auch die Wohnungen.

Oebisfelde. „Ich habe in diesem Jahr von den zwei Kastanien vor meinem Grundstück zehn große Säcke Laub zusammengeharkt“, berichtete Erhard Allecke den Mitgliedern des Oebisfelder Ortschaftsrates.

Daraufhin hatte der Anlieger der Bahnhofstraße eine Unterschriftensammlung gestartet. Die Anlieger – zumindest des westlichen Teils der Straße, auf der die großen Bäume stehen – fordern von der Stadt eine Veränderung. Sie regen an, die 30 teilweise 100 Jahre alten und etwa 15 Meter hohen Kastanien, die an der Bahnhofstraße stehen, bei fünf Metern zu kappen. Wenn sich anschließend Kronen ausbilden ist gut, wenn nicht, könnten die Bäume immer noch ganz abgesägt werden, schlug Erhard Allecke den Ortschaftsräten vor. Dort stellte er seinen Antrag zunächst vor.

Der Antrag hängt nur sekundär mit den Problemen der Laubbeseitigung in Oebisfelde in diesem Jahr zusammen. Den Anliegern geht es generell um das Laub, das von den großen Bäumen fällt und nicht kompostierbar sei. Zudem verdunkeln die großen Bäume die Wohnungen. „Ich habe mit den Nachbarn gesprochen. Wir sind uns einig, dass das eigentlich nicht mehr zumutbar ist“, erklärte der Bahnhofstraßen-Anlieger. In einem Ort wie Frankenfelde oder im Wald, da passen diese großen Laubbäume hin. „Aber doch nicht mitten in die Stadt“, stellte Allecke fest. Stadtbäume seien viel niedriger.

Die Kastanien wurden in den 1920er und 1930er Jahren gepflanzt, wusste Erhard Allecke. „Sie sind in der Höhe nie begrenzt worden. Und jetzt sind sie einfach zu groß.“ Nach 100 Jahren könne man durchaus auch einmal einen neuen Baum pflanzen, falls die Kastanien den Rückschnitt nicht überstehen, findet Erhard Allecke. Unterstützung bekam er von Veronika Lehnert. Sie ergänzte, dass die meisten der Bäume zudem von der Miniermotte befallen seien und das Laub schon im Sommer braun werde. Zudem, so betonte Erhard Allecke, hätten sich die Bäume gerade in diesem stürmischen Sommer als eine Gefahrenquelle erwiesen. Wenn sich der Wind in den belaubten Bäumen fängt, „wirken unkalkulierbare Kräfte“, sah er eine Gefahr für die Fußgänger, die zum oder vom Bahnhof gehen.

„Wir fordern, die Entsorgung des Laubes der städtischen Bäume für dieses Jahr und den Rückschnitt der Bäume auf fünf Meter, um für die nächsten Jahre das Laubaufkommen drastisch zu reduzieren“, stellte Erhard Allecke seinen Antrag vor. Er betonte: „Ich will die Bäume nicht ganz weghaben, aber sie sind zu groß.“ Gleichzeitig räumte der Antragsteller ein, dass ein Rückschnitt der Bäume „von der Ästhetik her sicher nicht das Pralle ist.“ Man könne geteilter Meinung sein, ob das gut aussieht oder nicht. Ebensolcher geteilter Meinung waren auch die Mitglieder des Ortschaftsrates. Sie hatten Verständnis für das Anliegen der Bahnhofstraßen-Anwohner. Aber zu einem Rückschnitt wollten sie ohne Fachmeinung keine Empfehlung abgeben. „Mit dem Absägen habe ich Bauchschmerzen“, erklärte als Erster Karsten Schindler. Ohne Krone, nur als Stämme, „das würde furchtbar aussehen“. Zur Gefahrenabwehr könnte es eine Ausästung geben, aber keinen kompletten Rückschnitt. Alexander Harms sah ein grundsätzliches Problem, das eine Grundsatzentscheidung fordere. „Wenn ich einen Baum pflanze, muss ich ihn auch pflegen“, erinnerte er. Das sei bei der Bahnhofstraße nicht geschehen. „Vielleicht können wir sukzessive einzelne Bäume ersetzen“, regte Harms an. Auch Sven Groneberg verwies auf das „zweischneidige Schwert“. Wenn die Bäume im Sommer voller Laub stehen, sei es ein tolles Bild. Aber die Menge des Laubes über Wochen sei ebenso eine Zumutung für die Anlieger. Trotzdem müsse die Entscheidung über einen Rückschnitt von einem Fachmann getroffen werden. „Es besteht Handlungsbedarf“, fasste Groneberg zusammen. Der Ortschaftsrat könne sich jedoch nicht über die Entscheidung des Ordnungsamtes hinwegsetzen. Deshalb verständigten sich die Oebisfelder Ortschaftsräte darauf, die Entscheidung an den Ordnungs- und Wirtschaftsausschuss des Stadtrates zu verweisen. Der könne Fachleute befragen und dann über den Antrag befinden.

Von Monika Schmidt

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