Dirk Bollmann fühlt sich von der deutschen Justiz allein gelassen

Kampfhund-Attacke bleibt ohne Konsequenzen

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Dirk Bollmann in seinem Ladengeschäft an der Bahnhofstraße. Hier wurde er von einem Hund, wahrscheinlich einem Staffordshire Terrier, angefallen. Die Staatsanwaltschaft sieht die Schuld der Halterin, von der er zuvor bedroht worden sei, als gering an.

Klötze. Dirk Bollmann aus Klötze fühlt sich von der deutschen Justiz allein gelassen.

Nachdem er in den zurückliegenden beiden Jahren zweimal von einer weiblichen Person aus Klötze bedroht wurde – einmal verbal, das andere mal mit einem Kampfhund – bekam er nun von der Staatsanwaltschaft Stendal mitgeteilt, dass das aus den Strafanzeigen resultierende Ermittlungsverfahren eingestellt wurde. Die Schuld sei gering, ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestehe nicht. „Ich war sowas von entrüstet, als ich das gelesen habe“, so der 54-Jährige.

Doch zum Anfang: Es ist der 26. Oktober 2012, ein Freitag – zusammen mit einem befreundeten Pärchen wollen Bollmanns abends auf den Martinimarkt, als das Handy klingelt. „Am anderen Ende stellte sich eine weibliche Stimme mit Frau Meyer von der Kripo Salzwedel vor“, blickt der Klötzer im AZ-Gespräch zurück. Dem 54-Jährigen wurde erklärt, dass ihm vorgeworfen werde, eine Frau sexuell belästigt zu haben. „Der Anruf war auf dem Handy, abends und dann auch noch mit unterdrückter Nummer“, schloss der Klötzer gleich auf einen schlechten Scherz und legte auf. Kurz darauf klingelte es erneut – diesmal wurde es lauter. Neben Beschimpfungen unter der Gürtellinie sei auch damit gedroht worden, den Arbeitgeber, in diesem Fall VW, zu informieren. Bei Zahlung einer „angemessenen Summe“ werde jedoch von einer Strafanzeige abgesehen.

Da es mit einem weiteren Handy geglückt war, das zweite Telefonat mitzuschneiden, zögerte Dirk Bollmann nicht lange und brachte die Sache auf dem Klötzer Polizeirevier zur Anzeige – mit Verweis auf die Straftatbestände Beleidigung, Bedrohung, Erpressung und Amtsanmaßung. Womit der Klötzer nicht gerechnet hätte: Eine Polizeibeamtin konnte mit dem Handy-Mitschnitt die Anruferin sofort identifizieren. Die Frau wurde vorgeladen, habe, wie Dirk Bollmann in Erfahrung bringen können, auch alle Vorwürfe eingeräumt – rechtliche Konsequenzen habe es aber wohl keine gegeben.

Für den 54-Jährigen war die Sache damit aber noch nicht ausgestanden. Auf Arbeit sei er mehrfach angesprochen worden, was denn daran dran sei, dass er eine junge Frau sexuell belästigt hätte. „Das ist schon sowas wie Rufmord“, ärgert sich der Karosseriebauer.

Der zweite Vorfall: Es ist der 4. August 2014, ein Montagvormittag – Dirk Bollmann streicht für eine eventuelle Neuvermietung seines leerstehenden Ladengeschäftes an der Klötzer Bahnhofstraße die Wände, als eine Frau mit einem Hund den Laden betritt. „Ich dachte, sie hätte sich in der Tür geirrt, als sie plötzlich lautstark schrie: Wenn Sie nicht augenblicklich das Plakat aus dem Fenster nehmen, lasse ich den Hund auf Sie los“, kann sich der Klötzer noch gut erinnern. Im Aushang an der Schaufensterscheibe hatte Dirk Bollmann auf Probleme durch nicht gezahlte Betriebskostenabrechnungen eines Ex-Mieters verwiesen – „das hatte nichts mit ihrer Person zu tun gehabt“, so der 54-Jährige. Als der Klötzer einen Schritt auf die Frau zuging, sei er schließlich von dem Hund – nach Einschätzung Bollmanns ein American Staffordshire Terrier, also ein Kampfhund – angesprungen worden. Nur mit dem Verlängerungsstiel der Malerrolle habe er diesen gerade noch abwehren können. „Als ich die Frau aus dem Laden drängte, folgte noch die Aussage, dass ich mich nicht wundern solle, wenn einmal eine Schaufensterscheibe zu Bruch ginge. Nach diesem Schreck begannen meine Knie zu zittern“, berichtet der Attackierte. Von einer Mieterin aus dem Haus, die alles mitbekommen hatte, erfuhr Dirk Bollmann schließlich, dass es die Frau war, die ihn am Handy bedroht hatte. Wieder erfolgte eine Anzeige, wieder wurden die Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Dirk Bollmann kann das nicht nachvollziehen: „Man muss doch den Eindruck bekommen, man kann hier in Wildwestmanier alles machen was man will.“

Von Matthias Mittank

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