Von der Arbeiter- zur unternehmerischen Baugenossenschaft: 60 Jahre WGG

„Den Kampf um das liebe Geld aufgenommen“

+
Mit einem Glas Sekt stießen Heike Meise, seit April 2015 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der WGG, und ihr Vorgänger Hartmut Nix, der noch ehrenamtlicher Vorstand ist, am Donnerstag im Altmarksaal auf das 60-jährige Bestehen der Klötzer Wohnungsbaugenossenschaft an. 

Klötze. In zwei großen Etappen, die Gründungszeit und die Zeit nach der Wende, lässt sich die Entwicklung der Klötzer Wohnungsbaugenossenschaft (WGG) aufteilen, stellte Heike Meise, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der WGG, am Donnerstagabend im Altmarksaal fest.

Denn dort wurde im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung auch auf das 60-jährige Bestehen der Genossenschaft angestoßen.

Gegründet wurde die WGG als Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft Frohe Zukunft am 4. August 1957. „Wir sind froh, dass es noch Mitglieder der ersten Stunde gibt“, sagte Heike Meise. Walter Martin ist mit der Nummer eins in der Mitgliederliste der AWG eingetragen. Und auch Werner Kausch ist ein Genossenschaftsmitglied der ersten Stunde.

Durch die Einstufung Klötzes als Kreisstadt zogen Mitte der 1950er Jahre immer mehr Menschen in die Stadt, für die Wohnraum zur Verfügung gestellt werden musste, erinnerte Heike Meise an die Anfänge. Doch bis die Genossenschaft ihre Arbeit aufnahm, dauerte es etwas. Am 31. Januar 1958 wurde schließlich beschlossen, dass Häuser gebaut werden sollten. Das Gebiet Friedenstraße, Straße der Freundschaft und August-Bebel-Straße ist das erste, das von der Genossenschaft bebaut wurde. Allerdings entstanden nicht, wie beispielsweise bei den Nachbarn in Oebisfelde Reihenhäusern, sondern Gebäude mit sechs Wohnungen im Haus und kleinen Stallungen, berichtete Heike Meise am Donnerstag. „Um den Baubeginn zu organisieren, tagte der Vorstand damals täglich auf der Baustelle“, berichtete sie mit einem Schmunzeln. Die Anfänge waren schwer, den die gesamte Genossenschaft wurde ehrenamtlich geführt, die Arbeit musste nach Feierabend in der Freizeit erledigt werden. Das galt im Übrigen auch für den Bau der Häuser: Das Material dafür wurde mit der Eisenbahn angeliefert. Die Waggons kamen häufig erst nach 18 Uhr in Klötze an, mussten aber bis zum nächsten Morgen entladen sein – die Genossenschaftsmitglieder steckten viel Freizeit in den Bau und opferten teilweise auch ihr Familienleben dafür. „Heute ist es kaum noch nachzuvollziehen, dass alle Arbeit ehrenamtlich erfolgte“, sagte Heike Meise am Donnerstag.

Erst ab Februar 1978 wurde in der Genossenschaft eine Halbtagsstelle für die Verwaltungsarbeit geschaffen. Auch in den Jahren 1981 bis 1991 wurde unter den gegebenen Bedingungen ordentliche Arbeit geleistet, blickte das geschäftsführende Vorstandsmitglied zurück. Die Zeiten waren nicht einfach: Wenn Geld da war zum Bauen, fehlte es oft an den notwendigen Baukapazitäten oder andersrum. Die Wohnungsvergaben erfolgten über den Rat des Kreises, die AWG hatte keinen Einfluss auf die Vergaben.

Mit der politischen Wende 1989 gab es einen totalen Umbruch, blickte Heike Meise weiter zurück. Die Arbeiter-Wohnungsgenossenschaft musste sich zu einer unternehmerischen Wohnungsgenossenschaft verwandeln. „Wir haben den Kampf um das liebe Geld aufgenommen“, so Heike Meise. Damit sollte der Wohnraum im ersten Gebiet an der Friedensstraße, aber auch in den beiden anderen Klötzer Neubaugebieten An der Wasserfahrt und Am Hegefeld verbessert werden.

Weil die Einwohnerzahl von Klötze in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken ist, war seit 1996 ein zunehmender Leerstand der Wohnungen, ja ganzer Blöcke, festzustellen. Um die Kosten zu senken, denn für jede nicht belegte Wohnung fallen trotzdem Kosten an, wurde der Abriss von Blöcken in Auftrag gegeben. Im Jahr 2006/07 wurden 128 Wohnungen der Genossenschaft in Klötze abgerissen, 2013 wurden noch einmal zurückgebaut, und zwar der Mittelblock An der Wasserfahrt 72 bis 74. Auch für dieses bzw. nächstes Jahr plant die WGG einen weiteren Abriss. Dann soll der Block Wasserfahrt 34 bis 38 fallen. Derzeit wird er leergezogen, um ihn dann vom Markt zu nehmen, erklärte Heike Meise. Der Förderbescheid liegt allerdings noch nicht vor. 50 weitere Wohnungen werden damit vom Markt genommen, sodass die Klötzer Wohnungsbaugenossenschaft anschließend nur noch 551 Wohnungen zu bewirtschaften hat. „Wir werden auch diese schwierigen Zeiten überstehen“, zeigte sich das geschäftsführende Vorstandsmitglied überzeugt. In der Hoffnung auf eine „Frohe Zukunft“ stieß sie passend zum früheren Namen der WGG mit den Mitgliedern auf die nächsten Jahre an.

Das 60-jährige Bestehen der Genossenschaft soll am 4. August bei einem Mieterfest gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft begangenen werden.

Von Monika Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare