Provokante Präsentation

Junge Gemeinschaft Altmark will den Runden Tisch zum Extremismus zurück

Pascal Lenz (stehend) von der Jungen Gemeinschaft Altmark ließ die Präsentation über erreichte Erfolge und neue Vorhaben der JGA im Quarnebecker Saal unkommentiert.
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Pascal Lenz (stehend) von der Jungen Gemeinschaft Altmark ließ die Präsentation über erreichte Erfolge und neue Vorhaben der JGA im Quarnebecker Saal unkommentiert.

Quarnebeck – Mit einer Präsentation der Jungen Gemeinschaft Altmark (JGA) begann die Stadtratssitzung in Quarnebeck.

„Die Augen öffnen und den eigenen Horizont erweitern“, das Ziel der Jungen Gemeinschaft Altmark blieb bei der Präsentation ohne Reaktion aus dem Stadtrat.

Für ihr Engagement gegen Extremismus hatte die Junge Gemeinschaft beim Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft einen Sonderpreis gewonnen, erinnerte Pascal Lenz die Stadträte. „Wer sind wir und was sind unsere Ziele?“, so lauteten die Fragen, die die jungen Leute mit ihrer unkommentierten Präsentation beantworten wollten. Sie erklärten, dass die Junge Gemeinschaft seit ihrem Bestehen zahlreiche Projekte gegen Extremismus auf den Weg gebracht hat. Das Festival „Roq keeps Equality“ und das „Familienfezt“ sind nur zwei Beispiele, bei denen die Gruppe versuchte, Musik und Aktionen als Instrument für Toleranz einzusetzen. Erklärt wurde auch, „wofür wir nicht stehen“: Für Hetze und Intoleranz zum Beispiel. 65 Bands, 19 Veranstaltungen und über 10 000 Besucher, das ist Bilanz der JGA aus den vergangenen Jahren. „Gemeinsam haben wir viel geschafft“, so das Fazit.

Bestandteil der Präsentation waren einige Facebook-Einträge mit teilweise radikalem Inhalt, die Pascal Lenz ebenfalls unkommentiert den Stadträten zeigte. Der Name des Verfassers war geschwärzt und durch die Zeile „Ein Stadtratsmitglied“ ersetzt. Ob alle Stadträte verstanden haben, dass es sich dabei um Posts von jemandem aus ihrer Runde handelte, blieb offen. Denn so wie die Präsentation der JGA unkommentiert blieb, meldete sich im Anschluss nur ein einziges Stadtratsmitglied zu Wort, der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Kleine. „Es ist schockierend, dass in unserem Stadtrat Menschen sitzen, die Kleingeistigkeit aufweisen“, sagte er. Eine Reaktion darauf blieb ebenfalls aus.

Zwei Anregungen für die weitere Arbeit gemeinsam mit der Stadt – „Wir haben den Preis für Quarnebeck und damit für die ganze Stadt gewonnen“, so Pascal Lenz – machte die Junge Gemeinschaft am Ende ihrer Präsentation. Zum einen würden die Mitglieder gern den früheren „Runden Tisch gegen Extremismus“ wiederbeleben. Zum anderen wollen sie ein Projekt starten, um die Bushaltestellen in der Einheitsgemeinde von rechtsradikalen Schmierereien zu befreien. Schon 2013 hatte es dazu bei der JGA im Kunrauer Schlosskeller eine entsprechende Aktion gegeben. Dort hatten die Mitglieder eine Bushaltestelle aufgebaut und anhand von Bildern dokumentiert, wie viele Parolen und Schmierereien in und an den Wartehäuschen zu finden sind. „Wir wollen die Bushaltestelle von rechten Symbolen befreien“, so das Ziel des Projektes, für das die JGA um die Unterstützung der Stadt und der Stadträte bat. Dass die Steimker Kinder ihr Bushäuschen gestrichen und mit Abdrücken ihrer Hände verziert hatten, sei ein „großartiger Anfang“ gewesen, stellte Pascal Lenz fest. „Lassen Sie uns zusammen gegen Extremismus kämpfen“, so der Appell der JGA.

„Ich finde die Vorschläge aus der Präsentation klasse“, erklärte der UWG-Fraktionsvorsitzende Marco Wille. Er regte an, im neuen Jahr einen Projekttag zu organisieren, bei dem Kinder und Jugendlichen die Haltestellen in ihren Orten neu streichen. Die Stadt sollte dafür das Material zur Verfügung stellen, so Wille. Auch den Runden Tisch betrachtete er als einen guten Vorschlag. „Damit sollten wir uns in den Fraktionen auseinandersetzen.“

VON MONIKA SCHMIDT

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