WZI auf Mitarbeit von außen angewiesen

Wie viele Wölfe leben im Land? - „Jeder Hinweis ist wichtig“

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Im August 2017 tappte im Klötzer Forst ein Wolfswelpe in die Fotofalle. Bis zu sechs Junge soll das Rudel aktuell führen.

Klötze. Nach dem ersten altmärkischen Wolfsnachwuchs im Frühjahr 2013 in der Colbitz-Letzlinger Heide seit mehreren hundert Jahren hat sich Isegrim im Norden von Sachsen-Anhalt mittlerweile fest etabliert.

Drei, zum Teil grenzübergreifend lebende Rudel (Colbitz-Letzlinger Heide, Zichtauer und Klötzer Forst, Klietzer Heide) weist der aktuelle Bericht zum Monitoringjahr 2016/17 für die Altmark aus. Landesweit sind es elf mit zusammen 70 Individuen. In den zurückliegenden Monaten mehrten sich zudem die Anzeichen für weitere Ansiedlungen. Auch in der Altmark.

Auch die Klötzer Altwölfe werden regelmäßig abgelichtet, so wie im Juni 2017.

Um neue Rudel nachweisen zu können, ist das im September 2017 gebildete Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) jedoch auch auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Ob Handyfilmchen, Fotofallenbilder, Sichtungen, Risse, Spuren oder Losung – „Wolfshinweise jeglicher Art sind für uns von Interesse und werden in die Datenbank aufgenommen“, stellt WZI-Mitarbeiterin Antje Weber im Gespräch mit der AZ klar. Nahezu täglich trudeln neue Informationen in Iden ein. Dennoch werde, davon ist die Wildbiologin aus Jeggau überzeugt, nach wie vor mit vielen Informationen, ob bewusst oder unbewusst, hinterm Berg gehalten. „Leider“, so Weber. Denn im Umkehrschluss heiße es nicht selten, im Wolfsmonitoring vom Land würden Wölfe unterschlagen. Das sei mitnichten so. Zudem handele es sich bei den veröffentlichten Zahlen immer um Mindestzahlen, also um jene Wölfe, die eindeutig nachweisbar sind.

Sind die Trittsiegel mindestens 8 Zentimeter lang und 6 Zentimeter breit, kommt ein Wolf infrage.

Im Klötzer Bereich, wo sich die Jägerschaft am Monitoring beteiligt, klappt das seit Jahren sehr gut. Nachdem sich hier im November 2014 das erste Paar – ein Rüde aus Brandenburg und eine 2013 auf die Welt gekommene Fähe aus der Colbitz-Letzlinger Heide – im Klötzer Forst etabliert hatte, konnten 2015 die ersten Welpen, vier Stück an der Zahl, nachgewiesen werden. Im Laufe des Jahres 2015, so blickt die WZI-Mitarbeiterin zurück, wurde der Rüde durch einen nahen Verwandten abgelöst. Dieser neue Rüde zog spätestens ab Oktober 2015 die Welpen weiter auf und sorgte im Folgejahr selbst für dreiköpfigen Nachwuchs. Woher das die Wildbiologin so genau weiß? „Genproben, vor allem aus frischer Losung, verraten uns viel über das Zusammenleben im Rudel“, erklärt die Jeggauerin. Aktuell könnte das Klötzer Rudel sogar bis zu sechs Welpen haben – neben Spuren lässt auch die Sichtung eines achtköpfigen Wolfsrudels während der Immekather Jagd im Dezember darauf schließen. Handfeste Beweise wie Fotofallenbilder und Genproben fehlen aus dem bis Ende April laufenden Berichtsjahr 2017/18 allerdings noch.

Auch andernorts hofft das WZI auf weitere Hinweise. So deuten beispielsweise ein Fotofallenbild und ein Damwildriss aus dem Schulenburgischen Privatwald des Melliner Forstes auf ein Vorkommen hin, wobei noch nicht geklärt ist, ob es sich um Tiere aus den Bereichen Ehra-Lessien oder Klötze handelt. „Wölfe unternehmen oft Exkursionen in Nachbargebiete“, so Weber.

Bei neuen Hinweisen aus dem Raum Kassieck / Algenstedt könnte es sich nach Einschätzung der WZI-Mitarbeiterin um das nach Norden ausgewichene Rudel aus der Colbitz-Letzlinger Heide handeln. Im Süden der Heide scheint sich zudem ein zweites Rudel zu bilden. Noch fehlen allerdings aussagekräftige Genproben, sodass dies alles „noch reine Spekulation“ sei, betont Weber.

Auch im Mehmker Forst (Risk) wie in der gesamten nordwestlichen Altmark gab es in den zurückliegenden Jahren periodisch immer wieder Rissfunde. In Zusammenarbeit mit der Forst hofft das WZI bald mehr Klarheit darüber zu bekommen, ob es sich um durchziehende oder territoriale Wölfe handelt.

Im Falle des Seehäuser Stadtwaldes, wo sich aktuell die Wolfshinwiese mehren, werden die Idener wohl bald schlauer sein. „Es wurden Genproben gesammelt, die Analyse steht aber noch aus“, erklärt die Wildbiologin.

Wie wichtig verlässliche DNA-Nachweise für das Einschätzen der Populationsgröße sind, würde das enorm große Streifgebiet der Tiere zeigen. Im Falle der Wölfe aus der Glücksburger Heide im Südosten von Sachsen-Anhalt, das hat die Besenderung eines der Tiere gezeigt, betrage dieses 18 000 Hektar. Selbst sei die Wildbiologin einmal bei Neuschnee den frischen Spuren des Klötzer Rudels gefolgt. Nach 14 Kilometern quer durch den Klötzer Forst habe sie aufgeben müssen, so die Jeggauerin. „Sichten drei Leute an drei Stellen einen Wolf, werden daraus rasch drei Wölfe gemacht“, weiß die WZI-Mitarbeiterin. Daraus resultiere das Gefühl, es sei deutlich mehr da, als gedacht.

Von Matthias Mittank

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Das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) 

Das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) wurde als zentrale Einrichtung für das staatliche Wolfsmanagement in Sachsen-Anhalt etabliert, um die natürliche Wiederansiedlung des Wolfes in Sachsen-Anhalt fachlich zu begleiten. Seine zentralen Aufgaben gemäß der „Leitlinie Wolf“ umfassen insbesondere das wissenschaftliche Monitoring, die Nutztierrissbegutachtung, Herdenschutzberatung und die Öffentlichkeitsarbeit. Das WZI ist eine Außenstelle des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (LAU) am Standort Iden.

Kontakt: Wolfskompetenzzentrum Iden, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Lindenstraße 18 39606 Iden

Notfall-Handy: (bei Nutztierübergriffen und verletzt oder tot aufgefundenen Wölfen): (0162) 313 39 49

Leitung: 

Andreas Berbig
- (03 93 90) 64 81
- (0160) 885 41 02

• Schadensfälle an Nutztieren und Rissbegutachtung:

Peter Oestreich
- (03 93 90) 64 80

Julia Kamp
- (03 93 90) 64 82
- (0171) 330 27 23

• Herdenschutz und Betriebsberatungen:

Simone Dahlmann
- (03 93 90) 64 82
- (0151) 15 16 10 31

• Meldung von Wolfshinweisen:

Antje Weber
- (03 93 90) 64 82
- (0152) 59 64 77 83

Weitere Informationen rund um das Thema Wolf in Sachsen-Anhalt und zum WZI gibt es auf der Internetseite des LAU.

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