IHK-Vizepräsident Adolf Fehse, Geschäftsführer von WIKO Klötze, steht hinter der Imagekampagne

Viel Platz, um Ideen zu verwirklichen

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IHK-Vizepräsident Adolf Fehse aus Klötze steht hinter der Imagekampagne: „Grüne Wiese steht für die Möglichkeit, dass alle Konzepte, alle Ideen, die sich hier entwickeln, verwirklicht werden können. Ohne Einschränkungen.“

Klötze. Adolf Fehse stimmt nicht in die altmarkweite Entrüstung über die neue Imagekampagne für die Altmark ein.

Der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, der in die Entwicklung des Konzepts im Rahmen der Regionalen Planungsgemeinschaft Altmark eingebunden war, lobt im AZ-Interview gerade die Offenheit des Konzepts. Die grüne Wiese steht für die Möglichkeit, Ideen zu verwirklichen, erklärt der Klötzer Unternehmer, dessen Betrieb WIKO elektronische Bauelemente Widerstände an Systemanbieter und Maschinenbauer bis nach China und Brasilien beliefert.

Interview

AZ: Herr Fehse, Sie zieren eines der Werbeplakate zur Imagekampagne „Die Altmark. Grüne Wiese mit Zukunft“. Warum haben Sie mitgemacht?

Fehse: Weil ich leidenschaftlicher Altmärker bin und alles tun möchte, um die Altmark als Region voranzubringen.

AZ: Aus der Altmark selbst gibt es jetzt viele kritische Stimmen. Von Totenstille ist da die Rede. Wie finden Sie den Ansatz der Werbeagentur?

Fehse: Grüne Wiese steht für die Möglichkeit, dass alle Konzepte, alle Ideen, die sich hier entwickeln, verwirklicht werden können. Ohne Einschränkungen. Man kennt doch diesen Sprachgebrauch „auf der grünen Wiese“. Wir haben uns in dieser Kampagne auf vier Themenkreise bezogen. Da ist einmal die Wirtschaft. Die Voraussetzung um Mehrwert zu schaffen, um Steuern zu zahlen, das Leben attraktiv zu gestalten. Der zweite Schwerpunkt ist der Tourismus. Der dritte Schwerpunkt sind die erneuerbaren Energien, von denen schon verschiedene Ansätze in der Altmark vertreten sind. Dann der große Komplex Bildung, Familie, Wohlfühlklima in der Altmark. Und hier kann man sich wohlfühlen.

AZ: Zielgruppe der Kampagne sind ja nicht die Altmärker selbst. Kann man mit der „grünen Wiese“ junge Familien, Fachkräfte und investitionswillige Unternehmen anziehen?

Fehse: Wir wollen und müssen mit dieser Kampagne nach innen und außen agieren. Nach innen, damit wirklich jeder Altmärker erkennt, welches Potenzial wir hier haben, und damit er seinen Ideenreichtum einbringt. Das Allerwichtigste ist die Identifikation mit der Region. Das bedingt, dass das Selbstwertgefühl des einzelnen steigen wird.

AZ: Woran liegt es denn, dass die Stimmung im Lande schlechter ist als die tatsächliche Lage?

Fehse: Natürlich können wir nicht jede Region mit den gleichen Voraussetzungen ausstatten, was Arbeitsplätze angeht. Das hängt sicher auch zusammen mit dem Strukturwandel, den die Altmark gerade im landwirtschaftlichen Bereich erlebt hat. Gott sei Dank haben wir die Möglichkeit, dass viele Altmärker zum VW-Werk fahren können. Aber – auch das sagt die grüne Wiese – warum soll es in Zukunft nicht sein, dass sich ein Gigant für den Standort Altmark von der Elbe bis zur niedersächsischen Grenze interessiert. Das würde ich mir wünschen. Von der Fläche haben wir ja jede Menge, und sie ist nicht übermäßig dicht besiedelt.

AZ: Es gibt aber andere Regionen in Brandenburg und Mecklenburg, die Fläche mit Autobahnanschluss bieten.

Fehse: Das ist richtig. Vor zehn Jahren hatten wir die Diskussion über einen Flughafen in Buchholz. Wie viele Arbeitskräfte in den handwerklichen Nebenberufen das gebracht hätte! Eine Vision kann man doch haben. Wichtig ist aber auch, das Vorhandene zu pflegen, zu integrieren und auszubauen.

AZ: Spricht die Altmark-Kampagne wirklich potenzielle Investoren an?

Fehse: Ich will’s hoffen. Es ist erstmal eine grüne Fläche mit einem A für die Altmark. Wichtig war uns, dass keine Möglichkeit ausgeschlossen wird. Wir bauen auf die Zukunft. Das soll zum Nachdenken anregen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel, eine Firmenansiedlung in Salzwedel: Von der Standortauswahl bis zur Aufnahme der Produktion hat es ein Jahr gedauert. Das ist in den alten Bundesländern heute so nicht mehr möglich.

AZ: Auch die ausgelaufene Sachsen-Anhalt-Kampagne mit dem Slogan „Wir stehen früher auf“ war nicht unumstritten. Was bringen Imagekampagnen überhaupt?

Fehse: Die war immer sehr umstritten. (Seufzt) Ich möchte nicht weiter darauf eingehen. Solange Geld von der EU da war, wurde sie weitergeführt.

AZ: Die Altmark-Kampagne wird doch auch mit EU-Geld finanziert. Wo liegen denn aus Ihrer Sicht die Stärken der Altmark? Und welche Rolle wird dabei der Tourismus spielen?

Fehse: Wir haben etwa die Hochschule in Stendal mit der Fachrichtung Erziehung. Es geht darum, wie wir das Kleinkind in den einzelnen Stufen bis zur Fachkraft mit ausgezeichnetem Potenzial begleiten. Probleme haben wir beim Angebot mit ausreichenden attraktiven Arbeitsplätzen. Wir kämpfen jetzt dafür, dass die Infrastruktur vorangebracht wird durch den Bau der A 14, der A 39 und die Querspange 190n. Wo eine Autobahn ist, da siedeln sich auch Betriebe an. Wir haben die Elbe hier, den Elbe-Radweg, den Altmark-Rundkurs. Der Radtourismus ist voll auf dem Vormarsch. Nur Ruhe zu finden, wollen die zukünftigen Akteure doch auf keinen Fall. Aber wer diese Ruhe finden will, der kann sie finden.

Von Gerhard Sternitzke

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