„Ich brauche eine klare Aussage“

Staatssekretär Jürgen Stadelmann (v. r.) und Landtagsabgeordneter Jürgen Barth schauten sich während ihrer Stippvisite zusammen mit Dr. Martin Ecke und Klötzes Bürgermeister Matthias Mann in den Produktionsstätten des Klötzer Algenherstellers um.

Klötze - Von Matthias Mittank. Die Klötzer Bioprodukte Prof. Steinberg Produktions- und Vertriebs GmbH will mit ihrer Algenproduktion endlich in den Futtermittelsektor einsteigen. Nach europäischem Recht steht dem auch nichts mehr im Wege, doch die deutschen Behörden tun sich schwer damit, ihre Zustimmung zu geben. Geschäftsführer Dr. Martin Ecke kam über dieses Problem mit Staatssekretär Jürgen Stadelmann, dem SPD-Landtagsabgeordneten Jürgen Barth und Klötzes Bürgermeister Matthias Mann ins Gespräch.

Von Anfang an habe es das Bestreben gegeben, in der mittlerweile seit zehn Jahren existierenden Klötzer Algenproduktionsstätte Futterergänzungsmittel aus Mikroalgen herzustellen, blickte Martin Ecke zurück. Dass zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme von anderen rechtlichen Voraussetzungen ausgegangen wurde, sei ein Grund dafür gewesen, dass die damalige Betreiberfirma schon bald Konkurs anmelden musste.

„Die EU-Futtermittelverordnung lässt Mikroalgen als Tierfutter zu. In Frankreich beispielsweise ist die Herstellung kein Problem“, erläuterte Martin Ecke. Doch die deutschen Behörden stellen sich seit Jahren stur. Schließlich gab es da auch noch eine Bioprotein-Richtlinie der EU aus dem Jahre 1982, die den Einsatz von Algen als Tierfutter als zulassungsbedürftig einstufte. Im vergangenen Jahr hatte die EU beschlossen, diese Richtlinie aufzuheben, seit dem 1. September dieses Jahres ist sie de facto Geschichte.

Nun hätten die neuen Betreiber der Klötzer Algenproduktionsstätte eigentlich loslegen können, für die Futtermittelindustrie zu produzieren. Martin Ecke wollte sich aber rechtlich absichern und fragte im zuständigen Ministerium nach. Nach einem Dreivierteljahr kam eine Antwort – aber keine, in dem sich die Behörde klar positionierte. „Die Situation ist nicht haltbar“, ärgert sich der Geschäftsführer, „ich brauche eine klare Aussage.“

Für die Klötzer Algenproduktionsstätte konnten seit der Wiederinbetriebnahme 2004 neue Marktsegmente erschlossen werden. So finden sich die in Klötze produzierten Mikroalgen in Nahrungsergänzungsmitteln für den Menschen, in der chemischen Industrie sowie in Futtermitteln für den Kleintierbereich wieder. Auch umfangreiche Forschung wird in Zusammenarbeit mit dem französischen Mutterkonzern betrieben. 20 Stammkräfte werden derzeit beschäftigt.

Doch erst mit dem Einstieg in den Futtermittelsektor sieht Martin Ecke eine Chance, die Anlage voll auszulasten und den Standort sowie die Mitarbeiterzahl sogar noch zu erweitern. Die höchste Auslastung der Anlage, die unter anderem aus etwa 500 Kilometern Röhren besteht, habe bei lediglich 50 Prozent gelegen.

Einen möglichen Einsatzschwerpunkte sieht der Geschäftsführer vorm allem im Bereich der Fischaufzucht in Aquakulturen. Momentan bestehe in diesem rasant wachs-enen Wirtschaftszweig ein riesiger Bedarf, der nur durch Exporte aus dem Ausland gedeckt werden könne. Auch für den Geflügelbereich, das haben Forschungen ergeben, seien die aus Mikroalgen gewonnenen leistungssteigernden Nährstoffe interessant. „Es geht uns darum, einen völlig neuen Markt zu erschließen, bevor das andere tun“, erklärte Martin Ecke.

Auch Staatssekretär Jürgen Stadelmann stimmte zu, dass möglichst schnell gehandelt werden müsse. „Die Proteinversorgung der Tierbestände in der EU ist nicht mehr gesichert. Hierfür Soja aus Brasilien zu importieren, kann keine Dauerlösung sein“, so der Staatssekretär. Er empfahl, zunächst abzuwarten, ob nach der weggefallenen Bioprotein-Richtlinie Mikroalgen von der Normenkontrollkommission in die Positivliste für Tierfutter aufgenommen werden. Eine Entscheidung werde es Anfang 2011 geben. Danach müsse auf die deutschen Behörden Druck gemacht werden.

Landtagsabgeordneter Jürgen Barth hat sogar einen potentiellen Kunden, eine Störzucht in Jessen, im Blick. Er erklärte sich bereit, zwischen dem Kaviar-Produzenten aus dem Landkreis Wittenberg und der Klötzer Algenproduktionsstätte einen Kontakt herstellen.

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