In der Tafel-Ausgabestelle Jahrstedt erhalten Bedürftige von Kusey bis Zicherie günstige Lebensmittel

Hier treffen sich Ost und West

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Bedürftige können in Jahrstedt den Einkaufswagen ohne Geldsorgen füllen. Beim Tag der offenen Tür stellten Gudrun Fehse, Inge Bohndieck und Hartmut Lüderitz (von links) die Tafel-Ausgabestelle vor.

Jahrstedt. Alle sollen satt werden. Mit der großen Suppenkelle schenkte Hartmut Lüderitz gestern dampfende Erbsensuppe aus. Zum Tag der offenen Tür hatte der Chef der Jahrstedter Tafel die Gulaschkanone angeheizt.

Spender, Kunden und Dorfbewohner trafen sich auf dem Hof am Mühlenberg 31 und hatten Gelegenheit, die Ausgabestelle der Salzwedeler Tafel in Augenschein zu nehmen.

Am Sonntag waren die Regale im 50 Quadratmeter großen Verkaufsraum fast leer, aber jeden Sonnabend kaufen hier 29 bedürftige Familien und noch einmal 25 Einzelpersonen aus der Region zwischen Kusey und Zicherie-Böckwitz ein. Wer seine Bedürftigkeit mit dem Hartz-IV- oder dem Rentenbescheid nachweist, erhält für einen Euro (pro Einzelperson, 1,50 Euro für den Zwei- bis Drei-Personen-Haushalt) von Lüderitz und seinen Helferinnen Inge Bohndieck und Gudrun Fehse gut erhaltene Lebensmittel, die in den Geschäften in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen übrig geblieben sind.

In der grünen Klappbox liegen nicht nur Äpfel und leuchtend rote Paprika, sondern auch Bananen und Weintrauben. 250 Kilometer legt Lüderitz jede Woche mit Auto und Anhänger zurück, um die Waren aus sechs Lidl-Märkten, zwei Rewe- und zwei Edeka-Geschäften sowie von vier Bäckern zwischen Klötze und Brome abzuholen. Außerdem spenden Dorfbewohner eingemachtes Gemüse und Marmelade.

Sogar Einkaufswagen gibt es wie im richtigen Supermarkt. Nebenbei erhalten die Kunden auch wertvolle Informationen, erzählt Helferin Inge Bohndieck. „Wir geben auch Ratschläge, wie man zum Beispiel Joghurt selber machen kann.“

Zum Verein der Salzwedeler Tafel kam Hartmut Lüderitz eher zufällig, als er selbst, damals noch Besitzer eines Geschäfts, einmal spendete. „Eine Omi hat uns früher in Kusey immer Brot und Schokolade gegeben. Da habe ich festgestellt, dass sie zur Tafel ging“, erinnert sich Hartmut Lüderitz. „Da musste ich was tun.“ So wurde der ehemalige Partyraum zur Tafel-Ausgabestelle umfunktioniert. „Die Regale und die Kühlung hat der Edeka in Brome gespendet“, berichtet der Fleischer, der unter der Woche in Wolfsburg arbeitet.

Vor etwa sechs Jahren startete Lüderitz mit 20 bedürftigen Familien. Das Angebot sprach sich bald herum. „Ich kenne fast alle Familien“, erzählt Lüderitz, der seine Kunden sogar zu Hause besucht. In Notfällen, wenn das Auto einer mehrköpfigen Familie kaputt ist, hat er den Wocheneinkauf sogar schon geliefert. Und die Hemmschwelle ist in dem familiären Umfeld eher gering: „Bedürftige, die sich zunächst nicht trauen, kommen als Besucher mit und merken, dass es hier freundlich und lustig ist.“

Die Einnahmen vom Sonntag kommen den Kindern aus den bedürftigen Familien zugute, denn einmal im Jahr geht Lüderitz mit ihnen auf große Fahrt. Im vorigen Jahr war er mit 120 Kindern von Klötze bis Wittingen im Salzwedeler Märchenpark. Das diesjährige Ziel ist eigentlich noch geheim: Es geht in den Tierpark Hodenhagen.

Von Gerhard Sternitzke

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