Bilanz zum Erntebeginn: 50 Prozent Ertragsausfall bei Gerste, schlechte Aussichten beim Raps

„Getreide nicht mehr zu retten“

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Einige Äcker sind schon abgeerntet, das Gros der Arbeiten wird wohl ab kommender Woche erledigt. Viel zu holen gibt es nach der wochenlangen Dürre – in der Westaltmark fielen im Mai und Juni gebietsweise nicht mal zehn Millimeter Regen – allerdings nicht. 

Klötze. Sehnlichst von vielen erwartet, fiel er am Donnerstag in nennenswerten Mengen auf die zumeist staubtrockenen Böden rund um Klötze – Regen. Und weiteres Nass, so sagen es die Meteorologen voraus, soll an diesem Wochenende folgen.

Was so mancher Garten-Party einen Strich durch die Rechnung machen könnte, freut besonders die Landwirte. „Meinetwegen kann es noch ein paar Tage so weitergehen“, blickt Raimund Punke, Vorsitzender des Bauernverbandes Altmarkkreis Salzwedel und Geschäftsführer der Klötzer Milcherzeugergenossenschaft (MEG), im Gespräch mit der AZ voraus.

Für so manche Ackerfrucht kommt der Niederschlag wohlgemerkt zu spät. „Das Getreide ist nicht mehr zu retten“, sagt Punke, der bereits jetzt, kurz vor Beginn der Ernte, bei der Wintergerste mit mindestens 50 Prozent Ertragsausfall rechnet. Wer Sommergerste anbaue und diese nicht beregnen könne, stehe vor demselben Problem. Auch der Roggen war angesichts der Dürre in die Notreife gegangen. Nicht viel besser sehe es beim Raps aus. Zum einen sei die Ölfrucht nicht gut aus dem Winter gekommen, zum anderen folgte ohne echten Frühling schon gleich der Sommer. „Da sind viele Blüten kaputt gegangen“, bedauert der MEG-Geschäftsführer.

Bei Zuckerrüben und Mais bestehe, sofern weiterer Regen folgt, laut Einschätzung des Verbandsvorsitzenden noch Hoffnung. Eine Rekordernte bei der Futter- und Biogaspflanze Mais wie im vergangenen Jahr sei natürlich nicht mehr drin.

Probleme bereitet den hiesigen Milchviehbetrieben auch das zumeist von der Sonne verbrannte Grünland. „Der zweite Schnitt steht an, viel zu holen gibt es nicht. Das Gras ist richtig vertrocknet“, sagt Punke. Engpässe bei der Versorgung der rund 1200 Milchkühe der MEG gibt es aber keine. Die Vorräte an Futter in Form von Silage sei groß genug.

Wenn in der kommenden Woche der Sommer zurückkehrt, wollen die Klötzer Milcherzeuger mit der Ernte beginnen. Zunächst steht die Wintergerste an, schon bald danach der Raps.

Apropos Raps. Dieser wird ab August bereits wieder ausgesät – in diesem Jahr aber wohl auf deutlich kleinerer Fläche. „Bislang hatten wir 160 bis 180 Hektar Raps im Anbau. Im nächsten Jahr werden es 100 Hektar oder weniger“, so der Landwirt. Aus Gesprächen mit Berufskollegen weiß der Klötzer: Andere Betriebe wollen den Anbau ebenfalls zurückfahren. Grund: Der Rapsanbau rechne sich kaum noch. Seitdem das Saatgut nicht mehr gebeizt, sprich mit einer Schicht Pflanzenschutzmittel versehen werden darf, das war vor etwa drei Jahren, sei der Ertrag gesunken. Von rund 38 Dezitonnen je Hektar auf nun 25 bis 30. Dafür müsse nun jedoch häufiger gegen Schädlinge wie Erdfloh und Kohlfliege gespritzt werden, was auch den Spritverbrauch hochtreibe. Und auch die Erzeugerpreise seien im Sinkflug – von einst 420 Euro je Tonne Raps auf mittlerweile 340 Euro. „Das liegt auch daran, dass es bei dem relativ billigen Palmöl eine gute Ernte in den USA gab“, mutmaßt Punke, der die Entwicklung beim Raps gerade für die Imkerei bedauere. „Am Ende muss sich halt der Anbau rechnen.“

Von Matthias Mittank

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