Landwirte blicken sorgenvoll auf Erträge

Nach Ernte-Beginn: Gerste in Ordnung, Raps katastrophal

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Da die Natur gerade dabei ist, das Wasserdefizit der zurückliegenden Monate auszugleichen, stehen landauf, landab die Erntemaschinen still. Nachdem manche Betriebe die Gerste bereits eingefahren haben, hoffen sie nun auf einen baldigen Start der Raps-Ernte. Die Erträge werden sich aber wohl weiter unter Durchschnitt bewegen.

Klötze / Kunrau. Erst die wochenlange Trockenheit und nun, ausgerechnet zur Erntezeit der ersten Feldfrüchte, der Regen – für die Landwirte in der Altmark stimmte in diesem Jahr das Wetter von vorne bis hinten nicht.

Mit Prognosen, was die Erträge betrifft, will sich Raimund Punke, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und Geschäftsführer der Milcherzeugergenossenschaft (MEG) Klötze, noch zurückhalten. Zumindest der erste Drusch war zufriedenstellend, was danach kommt, sei eher ungewiss.

Demnach lief die Ernte der Wintergerste „besser als gedacht“, so der Klötzer Landwirt im AZ-Gespräch. 60 Dezitonnen je Hektar konnten in Klötze von den Äckern geholt werden, 65 Dezitonnen sollen es im Schnitt im gesamten Altmarkkreis sein. „Das ist in Ordnung. Damit sind wir nicht unzufrieden“, bilanziert der MEG-Geschäftsführer.

Die Lupinen, die die Klötzer Milcherzeuger als Eiweißfutter für das Milchvieh anbauen, haben dagegen sehr unter der Dürre gelitten. Der Ertrag von 13 Dezitonnen je Hektar lag weit unter dem Durchschnitt. „Normal wären 20 bis 25 Dezitonnen“, so Punke.

Derzeit steht das Klötzer Agrarunternehmen für die Raps-Ernte in den Startlöchern. Dafür müsste es jedoch ein paar Tage am Stück trocken bleiben. „Wir hoffen, dass es nächste Woche soweit ist“, sagt der MEG-Geschäftsführer, der jedoch keine großen Erwartungen hat. So seien die Körner „relativ klein“.

Andreas Diebe, Leiter Pflanzenproduktion bei der Agrargenossenschaft Kunrau, ist da schon einen Schritt weiter. Er bezeichnet die bisherigen Erntemengen beim Raps als „Katastrophe“. Die Ölpflanze habe deutlich unter der regenarmen Zeit gelitten. Die derzeitige Feuchtigkeit sorgt dagegen für weitere Qualitätseinbußen beim Getreide. „Vor ein paar Wochen bin ich von einem Drittel Ertragseinbußen ausgegangen. Wenn es dabei bleibt, wäre ich zufrieden – es sieht aber danach aus, dass wir eher mit noch mehr rechnen müssen“, so Diebe.

Probleme durch die Feuchtigkeit sieht der Kreisbauernverbands-Vorsitzende auch für die Qualität des demnächst anstehenden Roggens. Reicht diese nicht aus, kann das Brotgetreide nur noch als Futter verwendet werden.

Doch Punke möchte, was den Regen angeht, auch nicht zu sehr stöhnen. Immerhin: „Mais und Zuckerrüben haben sich sehr gut erholt“, so der Klötzer, der zumindest bei diesen beiden Kulturen von einer „ganz guten“ Ernte ausgeht.

Zumindest bei den meisten Getreidesorten geht auch Annegret Jacobs, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, kreisweit von deutlich unterdurchschnittlichen Erträgen aus. Viele Landwirte hätten Vorkontrakte mit dem Handel abgeschlossen. Diese mengenmäßig zu erfüllen, scheint in vielen Fälle jedoch nicht möglich.

Von Matthias Mittank

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