„Hören Sie auf, den Notruf zu wählen“

Im Gericht: Klötzer wählt 28 Mal die 110 und wird zu Geldstrafe verurteilt

Symbolbild.
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Gardelegen / Klötze – Wegen des Missbrauchs des Notrufs in 28 Fällen wurde ein 73-Jähriger Mann aus Klötze am Dienstag im Gardelegener Amtsgericht verurteilt.

Der Mann hatte am 16. und 17. Oktober des vergangenen Jahres innerhalb weniger Stunden mehrmals den Notruf gewählt.

Der Angeklagte rief die 110 an, weil er „eine gegenwärtige Gefahr für seine Tochter“ sah. Diese habe er zuvor angerufen, ihr Lebenspartner ging ans Telefon und aus dem Hintergrund habe der Angeklagte gehört, wie sie sagte, dass sie Hilfe benötige. Danach habe er weitere Male den Notruf gewählt, verlas die Staatsanwältin aus der Anklageschrift, „obwohl keine Not bestand, was er wusste“.

Die Staatsanwältin nannte alle 28 Notrufe mit der Dauer des Anrufs. Richter Axel Bormann verlas ein Protokoll eines Anrufs. „Hören Sie jetzt auf, den Notruf zu wählen“, sagte der Disponent deutlich zu dem Angeklagten. Er antwortete unter anderem mit: „Ja, ihr seid die Mafia.“ „Nein, sind wir nicht, wir sind die Polizei“, so der Disponent daraufhin. „Wo ist meine Tochter?“, wollte der 73-Jährige wissen. Der gehe es gut, antwortete der Disponent, da nach dem ersten Notruf Polizisten in einen Ort der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf fuhren, wo die Tochter des Angeklagten wohnt. Der Klötzer widersprach, obwohl er selbst nicht vor Ort bei seiner Tochter war: „Ihr geht es gar nicht gut.“ Und: „Was soll das? Meine Tochter will ich haben.“ Der Angeklagte beleidigte den Disponenten mit „Pfui Teufel“ und „Tschüss, ihr Idioten.“

Was das alles solle, fragte der Richter. „Wissen Sie, was passiert, wenn jemand einen Unfall hat und es wirklich um Leben und Tod geht? Dann ist die Leitung belegt.“ Er habe sich „wirklich Sorgen gemacht“, so der 73-Jährige, der auch in den vergangenen Jahren bereits den Notruf mehrfach missbraucht hatte.

Er wurde unter anderem bereits wegen des Missbrauchs des Notrufs in 76 Fällen und in 23 Fällen verurteilt. Hinzu kommen noch Verurteilungen unter anderem wegen Körperverletzung, der Störung öffentlicher Betriebe, Beleidigung und Bedrohung. Der 73-Jährige erklärte nach dem Verlesen seines Vorstrafenregisters, dass er Depressionen habe und alkoholisiert war.

Er habe sich mittlerweile mit seiner Tochter ausgesöhnt. „Mir tut das leid, ich bemühe mich“, so der Angeklagte im Amtsgericht. Dort war als Zeugin auch seine Tochter. Die 18-Jährige erklärte, dass sie nach einer ärztlichen Diagnose Ruhe für sich wollte und ihrem Vater das auch mitteilte. Dennoch habe er immer wieder angerufen. Von Hilfe habe sie aber nicht gesprochen. „Geschockt“ waren sie und ihr Lebenspartner, als am 16. Oktober des vergangenen Jahres plötzlich Taschenlampen ins Wohnzimmer leuchteten und Polizisten vor Ort waren, weil es einen Verdacht auf häusliche Gewalt gebe – das war der erste Notruf.

Eine Notlage lag aber nicht vor, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer, und das habe der Klötzer gewusst. Zu seinen Gunsten spreche, so die Staatsanwältin, seine Reue und Einsicht, zu seinen Lasten aber die Vorstrafen. Axel Bormann verurteilte den Klötzer zu einer Geldstrafe von 5400 Euro (120 Tagessätze à 45 Euro). VON INA TSCHAKYROW

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