Klötzer Tafel verzeichnet im ersten Quartal einen Rückgang von 50 Prozent der Bedürftigen

Gegen den allgemeinen Trend

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Christian Gebühr gehört zu den zehn freiwilligen Helfern der Klötzer Tafel. Nach jeder Ausgabe werden die Lebensmittel sortiert und dann nach Salzwedel geliefert. Dort erfolgt die Ausgabe dann am Freitag. Seit 2006 existiert die Klötzer Tafel. Die Bedürftigkeit der Menschen an der Ausgabe hat sich gegenüber 2017 halbiert.

Klötze. Eberhard Boxhammer zählt die Karten noch einmal durch. „28 Leute haben heute unsere Tafel besucht“, informiert der Kuseyer kurz vor dem Ende der wöchentlichen Ausgabe am Mittwoch.

Seit gut einem Jahr ist er Chef der Klötzer Tafel. Die Außenstelle der Salzwedeler Tafel an der Breiten Straße versorgt einmal in der Woche für 60 Minuten Bedürftige mit verschiedenen Lebensmitteln.

Doch die Zahl der Besucher ist im ersten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen, erzählte Eberhard Boxhammer mit den Blick auf seine Statistik. Kamen im Vorjahr durchschnittlich 60 Bedürftige, ist es in diesem Jahr erfreulicherweise nur noch die Hälfte. Das ist entgegen des deutschlandweiten Trends. Ursachen dafür gebe es einige, wie Eberhard Boxhammer berichtet. Dass einige frühere Besucher wieder in Lohn und Brot stehen, sei die Hauptursache.

Seit 2006 gibt es die Klötzer Tafel als Außenstelle in der Breiten Straße 66. Immer mittwochs erhalten Bedürftige Lebensmittel.

Doch die Zeiten waren auch einmal anders. „Wir mussten absperren, weil der Andrang so groß war“, erinnerte sich der Klötzer Tafelchef. Auch das Brot musste schon rationiert werden, um alle Hilfesuchenden mit Lebensmittel zu versorgen. Denn besonders Brot und Butter sind bei den Hartz-IV-Empfängern und einkommensschwachen Rentnern gefragt. „Es ist selten zu viel von beiden Produkten vorhanden“, betonte Boxhammer. Um alle Tafelbesucher fair zu behandeln, gibt es ein alphabetisches Ausgabeprinzip. So hat jeder Kunde eine Mitgliedskarte, die von A bis J geht. Während der einstündigen Ausgabe am Mittwochnachmittag bekommen die Frauen und Männer immer einen anderen Ausgabetermin, mal gleich zur Eröffnung oder ein anderes Mal später, damit keiner von der Bedarfsgemeinschaft benachteiligt wird.

Neben Brot und Butter werden auch verschiedene Obst- und Gemüsesorten sowie Kuchen, aber auch Eier, Fleisch- und Wurstkonserven von den zehn freiwilligen Helfern ausgeteilt. Zur Osterzeit waren natürlich Ostereier gefragt. Ein Sponsor aus Diesdorf stellte über 100 Stück zur Verfügung. Die anderen Lebensmittel kommen in der Regel von Supermärkten und Bäckereien aus dem Raum Salzwedel und werden von den dortigen ehrenamtlichen Mitarbeitern mit einem Transporter abgeholt und dann verteilt.

Neben der Salzwedeler Ausgabe am Freitag und der Klötzer am Mittwoch öffnet die Gardelegener Tafel immer dienstags. Um alles vorzubereiten, kommen die zehn Freiwilligen in Klötze schon vier Stunden vor der Ausgabe zusammen. „Zehn Leute sind ideal. Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team. „Fünf Leute benötigen wir jedes Mal für die jeweiligen Stände“, informierte Boxhammer. Mit den zehn Freiwilligen ist der Tafelchef zufrieden. Momentan bestünde kein Bedarf für weitere neue Ehrenamtliche.

Wenn alle Bedürftigen versorgt sind, wird zusammengepackt. Lebensmittel und andere essbare Dinge gehen dann nach Salzwedel und werden dort bei der Tafelausgabe am Freitag verteilt.

Ganz umsonst ist die Tafelausgabe nicht. Pro Bedarfsgemeinschaft oder Person werden 1,90 Euro an der Kasse fällig. Nur gegen Vorlage eines Ausweises der Arbeitsagentur erhalten Besucher Unterstützung. Auch wenn sich die Zahl der Bedürftigen gegenüber dem Vorjahr halbiert hat, glauben die Klötzer Tafelhelfer nicht an die Abschaffung der Hilfe mit Lebensmitteln. Dazu sei die Zahl der Betroffenen noch immer zu hoch.

Von Henning Lehmann

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