Kunrauer Schweinemast-Klage: 26.467 Euro Spenden noch vor erstem Verhandlungstag aufgebraucht.

„Geben wir auf, wird’s noch teurer“

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Um zu verhindern, dass bei Kunrau eine Schweinemastanlage mit über 8000 Mastplätzen entsteht, hatte die BUND-Ortsgruppe Kunrau im Juni 2013 gegen die Genehmigung Klage eingereicht.

Kunrau. Betretene Stille machte sich am Mittwochabend während der Infoveranstaltung der BUND-Ortsgruppe im Kunrauer Schloss breit.

Zuvor hatte Schatzmeisterin Evelyn Predehl erstmals öffentlich sämtliche Zahlen zum Spendenaufkommen und zu den bisherigen Kosten im Rahmen der Klage gegen die vom Landesverwaltungsamt (LVA) erteilten Genehmigung einer Schweinemastanlage präsentiert. Anerkennung über insgesamt 26.467 Euro eingegangener Spendengelder und Ernüchterung darüber, dass noch vor dem ersten Verhandlungstag bereits alles ausgegeben sein soll, hielten sich bei den gut 40 Besuchern die Waage. „Wir hätten nie geglaubt, dass wir solch eine Summe benötigen“, räumte Ortsgruppen-Sprecher Günter Zogbaum ein.

Konkret wurden bislang knapp 1400 Euro für einen Gutachter, etwa 22.000 Euro für zwei Rechtsanwälte sowie 726 Euro für das Einreichen der Klage beim Magdeburger Verwaltungsgericht aufgewendet. Außerdem hatte die Ortsgruppe für das Kunrauer Schwimmbad Sitzgruppen und Hollywoodschaukel im Wert von 900 Euro angeschafft. Macht zusammen gut 25.000 Euro. Letzterer Ausgabe werde der Ortsgruppe jedoch immer wieder vorgehalten, bedauerte Evelyn Predehl. „Im Vergleich zum Rest ist das doch nur Pillepalle“, so die Kunrauerin. Und schließlich sei die Ortsgruppe unter der Prämisse „Pro Freibad, kontra Schweinefabrik“ gegründet worden.

Dass allein für das Durcharbeiten der Verfahrensakte bereits 13.000 Euro an Anwaltskosten aufgebracht werden mussten, sei deren Umfang (29 Ordner und 11.135 Seiten) geschuldet. Und das, obwohl der Wolfsburger Anwalt Dr. Claus Leitzke bereits den Kunrauern entgegenkommend seinen Stundensatz freiwillig von 240 auf 180 Euro gesenkt habe. Kopier- und Fahrtkosten seien nicht mit Spendengeldern beglichen worden, unterstrich Vorsitzender Wolfgang Lenz einen umsichtigen Umgang mit dem auf dem Spendenkonto eingegangenen Geld.

Nun werden jedoch dringend weitere Spenden benötigt. „8000 bis 12.000 Euro, vielleicht auch mehr“, so eine vorsichtige Schätzung. Wie Günter Zogbaum informierte, wäre die Ortsgruppe bereits im November zahlungsunfähig gewesen. Dass die Pleite nicht eingetreten ist, sei dem BUND-Landesverband zu verdanken, der für die jüngste Anwaltsrechnung in Vorkasse gegangen war. Das Geld sei nur geliehen und müsse irgendwann zurückgezahlt werden.

In der derzeitigen Lage das Handtuch zu werfen, sei nach Meinung des Ortsgruppen-Sprechers die schlechteste Alternative. „Geben wir jetzt auf, wird’s noch teurer, als wenn wir weitermachen“, verwies Günter Zogbaum darauf, dass der Verlierer einer Klage auch für die Anwaltskosten der Gegenpartei aufkommt. Stattdessen gab es Durchhalteparolen. „Bleiben wir jetzt standhaft, ist uns der Erfolg nicht zu nehmen“, ist Günter Zogbaum nach wie vor überzeugt. Ähnlich sah es unter anderem auch Einwohner Horst Lorenz, der appellierte, weiter zu spenden. Wenn jeder Kunrauer nur zehn Euro geben würde, käme schon eine stattliche Summe zusammen. Bedauerlich fand Evelyn Predehl in diesem Zusammenhang die relativ geringe Resonanz aus der direkten Nachbarschaft. „Wir sind alle betroffen, aber keiner fühlt sich angesprochen“, wandte sie sich an die Neuferchauer, Steimker, Jahrstedter und Klötzer. Auch die fehlende Unterstützung durch den Stadtrat, wie es sie unter anderem in Salzwedel (Hähnchenmast Dambeck) und Arendsee (Schweinemast Binde) gibt, wurde einmal mehr am Info-Abend angemahnt.

Was die Aussichten auf die eigentlichen Verhandlung betrifft, zeigte sich Günter Zogbaum weiterhin optimistisch: „Alles in allem kann und muss man sagen, unsere Sache steht gut. Wir sind im Recht.“ In seiner Rede führt er noch einmal unter anderem „aberwitzige Rechenfehler“ in den Antragsunterlage der Bad Bentheimer Landwirte, fehlerhafte Gutachten, das Chaos um die verschiedenen Firmenbezeichnungen der Antragsteller, den gültigen Flächennutzungsplan von Kunrau sowie Verstöße des Genehmigungsbescheides gegen das Wasserrecht, das Raumordnungsgesetz, das Bundesnaturschutzgesetz, das Bundesimmissionsschutzgesetz und das Baugesetzbuch ins Feld. Letzteres Gesetz würde nach jüngsten Änderungen industrielle Mastanlagen im Außenbereich generell ausschließen.

Derzeit blicke die BUND-Ortsgruppe auf den 27. Januar. Bis zu diesem Tag wird die Klageerwiderung der Antragsteller erwartet. Wann es den ersten Verhandlungstag am Verwaltungsgericht geben wird, ist weiterhin noch nicht absehbar.

Von Matthias Mittank

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