Filialen nahmen Gutschein nicht an

Frust statt Einkaufsglück bei Schlecker

Brigitte Winn will in jedem Fall den Gutschein behalten. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, sich doch noch ihr ausgesuchtes Parfüm davon kaufen zu können. Fotos (2): Reuter

Rohrberg. Brigitte Winn ist noch immer etwas ärgerlich. Von guten Freunden, so erzählt die Rohrbergerin, bekam sie zu ihrem Geburtstag Anfang Januar einen Gutschein der Drogeriekette Schlecker über 20 Euro geschenkt. „Fein, dachte ich mir.

Davon kaufst du dir etwas, das du dir alleine nicht leisten würdest, bei dem auch dein Mann nicht meckern kann, weil er es ja nicht bezahlen muss“, berichtet sie mit einem Augenzwinkern. Ein Parfüm wollte sie sich leisten. Doch statt der Flasche mit dem guten Duft, erhielt sie in zwei Schlecker-Filialen einen Korb verpasst.

In der Beetzendorfer Schlecker-Filiale, in der sie versuchte, zunächst den Gutschein am vergangenen Sonnabend einzulösen, hatte sie sich bereits ein Parfüm herausgesucht, musste es dann wieder ins Regal zurückstellen, als sie es mit dem Gutschein, der in Chipkartenform und mit einem Barcode ausgehändigt wird, bezahlen wollte. „Mir wurde erklärt, dass das Lesegerät nicht funktioniere. Unverrichteter Dinge zog ich wieder von dannen“, so Brigitte Winn. Weil sie aber an ein technisches Problem einer Filiale in Beetzendorf glaubte, nahm sie am Montag einen zweiten Anlauf – diesmal in Salzwedel. Und um sich nicht umsonst die Mühe zu machen, fragte sie gleich, nachdem sie den Markt betreten hatte, bei der Kassiererin nach, ob ein Gutschein eingelöst werden könne. „Lesegerät geht nicht, war die knappe Antwort“, erinnert sich die Rohrbergerin und weiß noch, dass sie sich in diesem Moment auf die Schippe genommen fühlte. „Wie bitte, was hat sie gesagt?, schoss mir durch den Kopf“. Brigitte Winn glaubte an ein Dejà-vu, bekam aber beim Nachhaken noch einmal die gleiche Antwort der Mitarbeiterin zu hören.

Der Rohrbergerin kam die Sache spanisch vor. „Wenn da nicht etwas anderes dahinter steckt, am Ende gar die Insolvenz?“, fragte sie sich. Und als sie mit der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt in Salzwedel Kontakt aufnahm, sah sie ihre Befürchtungen bestätigt. Christa Wendt, Leiterin der Salzwedeler Beratungsstelle, erklärte der Rohrbergerin und auch auf AZ-Nachfrage, dass die Probleme beim Einlösen des Gutscheins durchaus mit der Insolvenz des Unternehmens zu tun haben kann. „Bei Insolvenzen ist es üblich, dass die Gutscheine als Forderung Teil der Konkursmasse werden, über die der Insolvenzberater nun zu entscheiden hat“, so Christa Wendt. Somit gebe es keine Verpflichtung mehr, die Gutscheine anzunehmen. Aber dies gelte erst nach dem Einreichen des Insolvenzantrags bei Gericht und dies sei im Falle von Schlecker am Montag geschehen. Für Brigitte Winn hätte dies bedeutet, dass sie durchaus am Sonnabend noch ihr Parfüm mit dem Bon hätte bezahlen können. Zu diesem Zeitpunkt war die schwierige Lage der Unternehmens aber bereits publik. „Ich kann eine solche Firmenpraxis nicht gut heißen“, sagte Christa Wendt. Auch in anderen Regionen des Landes habe es Fälle wie jenen von Brigitte Winn gegeben.

Die mit der Öffentlichkeitsarbeit von Schlecker beauftragte Düsseldorfer Agentur „Komm.passion“ erklärte auf AZ-Nachfrage, dass das Problem mit den Gutscheinen nichts mit der Insolvenz zu tun habe. „Es handelte sich um ein technisches Problem, das aber gelöst wurde“, hieß es. Somit seien die Gutscheine wieder einzulösen.

„Ich lasse mich gerne positiv überraschen“, sagte Christa Wendt im AZ-Gespräch in Bezug auf die Aussagen der Düsseldorfer Agentur. Sie könne nur noch einmal auf die üblichen Verfahrensweisen bei Insolvenzen hinweisen.

Brigitte Winn will in jedem Fall den Gutschein aufheben, in der Hoffnung, sich ihr Parfüm doch noch kaufen zu können. Doch sie ist enttäuscht, wie das Unternehmen mit ihr als Kundin umging. Sie sei sich nicht zu fein, sich zu entschuldigen, wenn sie mal falsch liege mit etwas. Eine Entschuldigung von Schlecker bezüglich der genannten Probleme habe sie bislang noch nicht gehört, so Brigitte Winn.

Von Norman Reuter

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