Jobcenter vermisst die Möglichkeit zur Helfervermittlung

Fricopan wirkt nach – Altmarkkreis verpasst bei der Wirtschaft langsam den Anschluss

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Nach der letzten Schicht am 31. August 2016 hängten die Fricopan-Mitarbeiter ihre Schuhe an den Zaun. Die Schließung des Werks wirkt auch bei der Vermittlung von Helfertätigkeiten des Jobcenters noch nach.

Klötze. Einmal im Jahr berichtet Arnold Schulze, Leiter des Jobcenters im Altmarkkreis, im Kreis-Sozialausschuss. Am Montag sogar vor Ort im Klötzer Hauptsitz. Dort finden die 55 Beschäftigten sehr gute Bedingungen vor, lobte Arnold Schulze.

Der Kreis hatte in den vergangenen Jahren viel in das Gebäude investiert, vor allem der neue Sonnenschutz hat sich in diesem Jahr bewährt.

Das Jobcenter betreut aktuell 3934 Bedarfsgemeinschaften mit einer Gesamtzahl von 6934 Personen. 40 Prozent der Beschäftigten im Kreis pendeln zur Arbeit aus, berichtete der Jobcenter-Leiter weiter. Erstaunt war er beim Erstellen der Statistik, dass 20 Prozent Beschäftigte zur Arbeit in den Kreis einpendeln – „und das ist auch gut so“, betonte Schulze.

„Beim Beschäftigungsniveau sind wir spitze im Land“, freute sich Arnold Schulze über die mit 6,5 Prozent im Oktober geringe Arbeitslosenquote. Insgesamt wurde die Gesamtarbeitslosenquote seit Bestehen des Jobcenters 2012 bis 2018 um 31 Prozent, im SGB-II-Bereich sogar um 34 Prozent im Altmarkkreis gesenkt, verriet Schulze mit Stolz. Allerdings falle es dem Jobcenter immer schwerer, Kunden zu vermitteln. Denn: Der Altmarkkreis verpasst bei der Wirtschaft langsam den Anschluss. „Die nachteilige Verkehrsentwicklung, die fehlenden Autobahnen wirken sich aus. Wir müssen deshalb aufpassen, dass das so nicht weitergeht“, warnte Arnold Schulze. So habe beispielsweise Fricopan seinen Sitz nicht von ungefähr von Immekath nach Eisleben direkt an die Autobahn verlegt, erinnerte er. Die Schließung der Immekather Großbäckerei wirke sich auch in anderer Hinsicht auf das Jobcenter aus: „Dorthin konnten wir viele in Helfertätigkeiten vermitteln. Das ist jetzt weggefallen“, machte Arnold Schulze deutlich. Dies gelte im Übrigen auch für die geschlossene Salzwedeler Kerzenfabrik.

War der Altmarkkreis bei der Beschäftigung bislang stets an dritter Stelle im Land, rutschte er nun auf die fünfte Stelle. Überholt wurde der Altmarkkreis von der Lutherstadt Wittenberg und dem Jerichower Land: Das Lutherjahr und die Bundesgartenschau hatten dort für mehr Arbeitsplätze gesorgt.

Von Monika Schmidt

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