Weil Gebäude kommunal bleiben soll, hat es die Stadt als potenzielle Unterkunft an den Landkreis gemeldet

Flüchtlinge sollen in die Kita ziehen

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Die Stadt hat den ehemaligen Kindergarten der Wassensdorfer Rabauken an den Landkreis als zusätzliche Flüchtlingsunterkunft gemeldet. Unbegleitete Jugendliche könnten dort zum Beispiel einziehen, regt Bürgermeisterin Silke Wolf an.

Oebisfelde / Wassensdorf. Ein Thema, das nicht nur die Stadt Oebisfelde-Weferlingen, sondern das ganze Land Sachsen-Anhalt weiter beschäftigen wird, ist die Flüchtlingsthematik.

„Ab 10. Januar wird das wieder auf der Matte stehen“, kündigt Bürgermeisterin Silke Wolf an. Bis dahin werden keine Flüchtlinge mehr an die Kommunen verteilt. „Ich bedaure es außerordentlich, dass sich unser Stadtrat bis heute nicht positioniert hat“, betont sie. Es sei mehrfach angesprochen worden, dass gesagt werden solle, wie sich die Stadt positionieren solle. Keine Fraktion habe es geschafft, eine deutliche Linie zu zeigen. Alles sei ein bisschen schwammig, keine klare Position zu erkennen.

Zwar hat die Stadt Oebisfelde-Weferlingen mit der Unterkunft in Weferlingen bereits eine große Zahl von Flüchtlingen aufgenommen, aber durch weitere Zuströme müssen noch mehr Flüchtlinge in den Orten verteilt werden. „Das Heim in Weferlingen ist ausgelastet, auch wenn viele der Untergebrachten deutschlandweit unterwegs sind, um ihre Verwandten zu finden und sich selbst eine Unterkunft zu suchen.“ Denn viele wollen nicht in der dörflichen Struktur bleiben, es zieht sie in die großen Städte, die Ballungspunkte.

„Wir haben Glück“, findet Silke Wolf. Denn es gebe in Weferlingen einen super Betreiber, der hervorragend mit der Stadt zusammenarbeite. Es werde mitgeteilt, wenn etwas ist. „Es ist eine sehr vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit.“ Beeindruckt zeigt sich die Bürgermeisterin davon, dass mit sehr viel Augenmaß im Heim selbst die Spannungspotenziale geklärt werden. Denn in dem Heim sind nicht nur Familien untergebracht, sondern auch viele Alleinstehende.

Damit die Stadt Oebisfelde-Weferlingen weitere Flüchtlinge aufnehmen kann, „bereiten wir derzeit den ehemaligen Kindergarten in Wassensdorf als nächste Unterkunft vor“, kündigt Silke Wolf an. Nachdem sich der Stadtrat nicht entscheiden konnte, die Entbehrlichkeit des Grundstücks festzustellen und es somit kommunal bleibt, hat die Verwaltung die Räumlichkeit an den Landkreis für die Unterbringung weitergemeldet. „Wir wären dort in der Lage, kurzfristig Duschkabinen aufzustellen. Eine Küche ist vorhanden und das Objekt ist in Solitärlage, sodass die Sicherheit gewährleistet ist“, listet Silke Wolf die Argumente auf. „Wir haben dem Landkreis vorgeschlagen, dass wir uns auch vorstellen könnten, dort unbegleitete Jugendliche mit einem Betreuer unterzubringen“, so Silke Wolf. Das Objekt würde sich auch „für eine WG eignen“, erklärt die Bürgermeisterin weiter.´

Durch den „Buschfunk“ habe sich diese Nutzung schon bei den Wassensdorfern verbreitet. „Ich habe schon einige Telefonate diesbezüglich führen dürfen“, berichtet Silke Wolf. Diese seien nicht immer angenehm gewesen.

Im nichtöffentlichen Teil des Stadtrates habe es einen Antrag aus den Reihen der Wassensdorfer gegeben, so informiert sie weiter, dass das Gebäude nicht verkauft werden sollte. In fünf, sechs Jahren könnten sich die Einwohner des Ortsteils „andere Nutzungsmöglichkeiten“ für das Objekt vorstellen, so die Begründung. „Aber ich kann mir als Gemeinde nicht leisten, ein Gebäude fünf oder sechs Jahre leer stehen zu lassen“, erwidert die Bürgermeisterin. Gerade diese nicht genutzten Objekte kosten die Stadt sehr viel Geld, sie müssen zum Beispiel versichert werden, die Versorgungsleitungen können nicht abgeklemmt werden, wenn es eine spätere Nachnutzung geben soll, Reparaturen fallen an, der Unterhalt insgesamt ist teuer. Und dabei gebe es in der Region genügend Leute, die Grundstücke suchen, die das entsprechende Einkommen haben, sich ein Haus zu kaufen oder ein Grundstück herzurichten. Die Stadt würde Bürger dazugewinnen und weniger Kosten für die laufende Unterhaltung haben, zählt die Bürgermeisterin die Vorteile auf. „Da muss ich dann als Ortschaft auch mal sagen, wir kommen in einem Ort mit 200 Einwohnern mit einem Objekt aus“, fordert sie die Feststellung der Entbehrlichkeit ein. „Diese Schnitte müssen jetzt gemacht werden, die Entscheidungen müssen fallen.“ Denn die Kosten für die ungenutzten Gebäude „fressen uns kaputt.“

„Außerdem werden wir vier Wohnungen in der Friedrich-Engels-Straße zur Verfügung stellen“, kündigt Silke Wolf weiter an. Wohnraum werde dringend benötigt, da die ersten Anerkennungsverfahren der Flüchtlinge abgeschlossen sind. „Dann müssen sie innerhalb von vier Wochen aus den zentralen Unterkünften ausziehen, das ist vielen nicht klar“, so Silke Wolf. Die anerkannten Flüchtlinge benötigen Wohnraum. Und den kann die Stadt gar nicht so leicht zur Verfügung stellen, denn die Wohnungsbaugesellschaft als Stadttochter hat einfach keine freien Wohnungen. Der Leerstand in der Allerstadt ist minimal. „In der ersten Stufe kümmern wir uns darum, die Menschen unterzubringen. Aber die zweite ist es, ihnen dauerhaft Wohnungen zur Verfügung zu stellen“, erklärt die Bürgermeisterin die Aufgabe der Verwaltung.

„Ich fühle mich da als Bürgermeisterin ein bisschen alleingelassen mit der Problematik“, gibt Silke Wolf offen zu. Die Verwaltung spreche Bürger an, habe Treffen organisiert unter dem Aspekt, wer Wohnraum zur Verfügung stellen kann. Dass dazu im Umfeld dann auch noch sehr kritische Worte fallen, ist ein weiterer Aspekt, der die Arbeit zu diesem Thema nicht einfacher macht. „Warum kümmert ihr euch nicht um die ehemaligen Kasernen?“, war ein Vorwurf, der der Stadt gemacht wurde. Dabei befinden sich diese längst nicht mehr im kommunalen Besitz, sondern sind in Privateigentum. Wenn diese nicht zur Verfügung gestellt werden, könne die Stadt diese Unterbringungsmöglichkeit nicht nutzen.

Von Monika Schmidt

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