Die Anzahl älterer Arbeitnehmer nimmt landesweit in den Betrieben zu

Firmen setzen auf 60 plus

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Erfahrung im Berufsleben kann nicht durch jüngere Kollegen ersetzt werden. Beschäftigte über 60 gelten als motiviert und zuverlässiger. „Es gibt aber auch mal Generationskonflikte“, weiß Kathrin Köpper, Personalleiterin von Meshpack.

Klötze. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage werden Unternehmen in Sachsen-Anhalt zunehmend von älteren Beschäftigten geprägt. Die „Generation 60 plus“ gilt als motiviert und zuverlässig.

Das finden auch Unternehmen aus Klötze und Umgebung. „Die Arbeitseinstellung bei den älteren Mitarbeitern ist schon eine ganz andere. Es gibt dort deutlich weniger Krankheitsfälle“, erzählt die Personallleiterin der Meshpack GmbH, Kathrin Köpper. Die in Kusey ansässige Firma beschäftigt zur Zeit 83 Mitarbeiter. Neun davon sind 60 Jahre oder älter. Die meisten von ihnen sind seit Firmengründung dabei. Bei Bewerbungen achtet das Unternehmen vor allem auf die Qualifikation und nicht auf das Alter. „Natürlich wird auch darauf geachtet, in welchen Bereichen der Beschäftigte eingesetzt werden soll. Schwere körperliche Arbeiten sind dann eher für die Jüngeren geeignet“, betont Köpper.

Generationskonflikte gibt es zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten auch ab und zu. „Wie haben einen sehr jungen Schichtleiter im Betrieb. Die älteren Mitarbeiter lassen sich dann nicht immer gern etwas von ihm sagen. Sie wollen ihre Arbeit lieber so machen, wie sie es schon immer gemacht haben“, erzählt Kathrin Köpper. Das kann der Geschäftsführer der Milcherzeugergenossenschaft eG in Klötze, Raimund Punke, so nicht bestätigen. Generationskonflikte gibt es in seinem Betrieb kaum. „Unsere Mitarbeiter über 60 gehen mit den Lehrlingen sehr vernünftig um. Sie können sich selbst noch gut an ihre eigenen Lehrjahre erinnern“, beschreibt Punke die Situation in seinem Betrieb. Meinungsverschiedenheiten gibt es eher zwischen Lehrlingen und Mitarbeitern um die 40 Jahre. „Vielleicht wird bei denjenigen der Lehrling eher als Konkurrenz betrachtet“, überlegt er. 41 Mitarbeiter hat die Milcherzeugergenossenschaft. Davon sind sieben noch Lehrlinge und fünf über 60 Jahre alt. Was die Leistungsbereitschaft in ihrem Betrieb betrifft, sind Raimund Punke und Rolf Meineke, Buchhalter in der Genossenschaft, sehr zufrieden. Meineke erklärt: „Wir haben einen Krankenstand von unter drei Prozent. Die Älteren können vielleicht mal länger krankwerden, aber das ist selten.“

Der Immekather Backwarenhersteller Fricopan versucht Krankheitsfällen bei den 33 Mitarbeitern, die 60 Jahre und älter sind, vorzubeugen. „Wir bieten allen Mitarbeitern Rückenschulungen, Stehhilfen und ergonomische Stühle an“, erklärt Personalteamleiterin Sandra Hoffmann.

Dass die Zahl der älteren Mitarbeiter in den vergangenen Jahren gestiegen ist, kann Rolf Meineke nicht bestätigen. „In unserem Betrieb gibt es eine sehr geringe Fluktuation. Von uns sind die meisten quasi schon immer hier angestellt. Von den Lehrlingen werden die meisten übernommen“, erläutert er. Auch die Meshpack GmbH kann das Ergebnis der Forsa-Umfrage nicht bekräftigen. „In der Regel kommen Bewerbungen bei uns von den 20- bis 30-Jährigen“, berichtet Kathrin Köpper.

Thomas Brüsch, Geschäftsführer der SLM-Kunststofftechnik GmbH in Oebisfelde, sagt über seine Mitarbeiter: „Wir haben bei uns einen bunten Mix. Die jungen Mitarbeiter können von den älteren lernen.“, erzählt Brüsch.

In diesem Punkt sind sich alle der befragten Unternehmen einig: Das Wissen der älteren Mitarbeiter ist Gold wert. „Es geht nicht ohne Erfahrung und nur mit jugendlichem Tatendrang“, betont Brüsch.

Von Katharina Schulz

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