Land wird festen Zuschuss für die EFA ab 2013 streichen / Unterschriftensammlung gestartet

Familienbildung ist in Gefahr

Sie kämpfen mit einer Unterschriftensammlung für den Erhalt der Familienbildung im Altmarkkreis: Inge Schnöckel (l.) vom Salzwedeler Familienhof sowie Thekla Putzke und Pfarrer Johannes-Michael Bönecke von der EFA. Foto: Schmidt

Klötze. „Die Familienbildung ist in Gefahr. “ So warnten jetzt Thekla Putzke, Leiterin der evangelischen Familienbildungsstätte (EFA) in Klötze, und Inge Schnöckel, Chefin des Familienhofs in Salzwedel.

Beide Einrichtungen arbeiten seit Jahren eng zusammen und wollen nun auch gemeinsam um ihren Fortbestand kämpfen. Indes: Etwas Schriftliches liegt noch nicht vor. Nur vom Hörensagen kennen die beiden Einrichtungsleiterinnen die Pläne des Landes. Danach sollen die Zuschüsse des Landes für die Familienbildung drastisch zurückgefahren werden. Ab 2013 werden dann nur noch die drei Einrichtungen unterstützt, die auch Übernachtungsmöglichkeiten bieten. „Wir würden dann definitiv nichts mehr bekommen“, ahnt Inge Schnöckel.

Für die beiden Familienbildungsstätten im Altmarkkreis Salzwedel bedeutet das nahezu eine Katastrophe für die weitere Arbeit. Denn mit den festen Zuschüssen des Landes werden die Personalstellen finanziert. „Der Festzuschuss war stets eine feste Größe bei unseren Planungen“, machte der Klötzer Pfarrer Johannes-Michael Bönecke für den Träger der Klötzer EFA deutlich. Auch wenn er bei der Gesamtfinanzierung der EFA derzeit nur noch etwa 25 Prozent ausmacht, sind diese ein ganz entscheidender Anteil, da sie die Personalkosten beinhalten.

In den Durchführungsbestimmungen zum Gesetz über die Familienförderung seien die Aufgaben ganz klar geregelt, erinnert Thekla Putzke. Gefördert werden solche Einrichtungen, die entweder einen überregionalen Einzugsbereich haben oder in einem sozialen Brennpunkt liegen oder sich im ländlichen Raum befinden. Letzteres trifft auf den Altmarkkreis mit seinen 39 Einwohnern pro Quadratkilometer allemal zu, ist die EFA-Leiterin überzeugt. Bei einer durchschnittlichen Einwohnerzahl von 116 in Sachsen-Anhalt „sind wir sehr ländlich“, betont sie.

Die Teilnehmerbeiträge für die Kurse in der EFA können nach Ansicht von Thekla Putzke nicht noch einmal erhöht werden. Schon vor zwei Jahren hatte sie bei der Erhöhung erhebliche Bauchschmerzen. „Das wurde gerade noch von den Besuchern toleriert“, erinnert sie sich. Da die EFA aber alle Menschen erreichen möchte, „auch die mit einem kleinen Portemonnaie“, müssen die Kurse erschwinglich bleiben.

Bei einem Streichen der Landeszuschüsse „fällt eindeutig pädagogische Arbeit weg“, erklären beide Leiterinnen übereinstimmend. Etwa zwei Drittel einer Personalstelle würden davon betroffen sein, das entspricht einem halben Jahr Arbeit, rechnet Thekla Putzke vor. „Das ist ehrenamtlich nicht zu ersetzen“, weiß sie. Auch der Familienhof ist ähnlich betroffen. Dort müsste die Stelle der Sozialpädagogin, die täglich Vormittags Ansprechpartner für alle Anliegen ist, aufgegeben werden.

Die beiden Leiterinnen sind auf der Hut, auch wenn sie noch nicht Schriftliches in Händen haben. Sie wundern sich zum Beispiel, dass sie nicht wie sonst im Oktober aufgefordert wurden, die Anträge für das kommende Jahr zu stellen. „In diesem Jahr kamen keine Unterlagen dafür“, erklärt Thekla Putzke.

Die fehlende Information vom Land wird bemängelt. Ende November gibt es eine nächste Chance für die Behörde, sich zu äußern. Dann tagt der Arbeitskreis Familienzentren wieder und wird dazu einen Vertreter des Ministeriums einladen. „Derzeit wird unsere Arbeit blockiert, weil wir wegen der Ungewissheit nicht die Kurse für das kommende Jahr planen können“, ergänzt Inge Schnöckel. „Es ist prekär“, sagt Thekla Putzke.

Die Zahlen, die die beiden Einrichtungen in Sachen Familienbildung vorweisen können, sind deutlich. So werden im Salzwedeler Familienhof in der Woche im Schnitt 25 bis 30 Veranstaltungen gemacht, zu denen 300 Erwachsene und 200 Kinder kommen. In der EFA gibt es wöchentlich zwischen 18 und 28 Veranstaltungen mit 200 Besuchern im Schnitt, davon zwei Drittel Erwachsene.

„Familienbildung hört nicht bei Eltern, werdenden Eltern und Kindern auf“, hat Thekla Putzke festgestellt. Auch die Senioren gehören in der EFA selbstverständlich dazu, auch wenn das Land das etwas anders sieht. In der EFA müssten bei einem Rückzug des Landes aus der Förderung insgesamt 860 pädagogische Stunden wegfallen. „Das kann der Kreis als Ersatz allein nicht finanzieren“, so Thekla Putzke.

Um eine breite Unterstützung für den Erhalt der Familienbildungsstätten zu erreichen, haben die beiden Einrichtungen eine Unterschriftensammlung initiiert. Sie läuft noch bis zum 25. November. Unter dem Motto „Familienbildung in Gefahr“ liegen die Listen nicht nur in der EFA und dem Familienhof aus, auch in anderen Einrichtungen, die mit Familien zu tun haben, sollen sie ausliegen: in den Kitas, bei den Hebammen, den Ärzten und in den Geschäften. Einige Kursteilnehmer in der EFA erklärten sich spontan bereit, die Listen in Klötze zu verteilen, freute sich Thekla Putzke. „Die Einrichtungen leisten wichtige präventive Arbeit“, heißt es im Text zur Unterschriftensammlung. „Wir machen uns stark, dass diese Einrichtungen auch in den kommenden Jahren für uns als Menschen in der Region da sind.“

Von Monika Schmidt

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