„Exzellente Bedingungen“

Vor 50 Jahren wurde in dieser Villa am Mühlenweg in Apenburg das Kinderheim eingerichtet. Am Mittwoch feierten die Kinder, Heimleiter Bernd Tiebermann (l.) und die dienstälteste Mitarbeiterin Ruth-Ellen Voß (r.) mit weiteren Kollegen und Gästen das Jubiläum.

Apenburg - Von Peter Lieske. „Die besten Kinder haben wir sowieso.“ Mit diesen Worten endete am Mittwochnachmittag die Rede von Bernd Tiebermann, Leiter des DRK-Kinder- und Jugendheims in Apenburg. Viele Gäste konnte er zu einem besonderen Ereignis begrüßen: Das Kinderheim feierte sein 50-jähriges Bestehen. Und so hatte der Leiter Gelegenheit, die Geschichte des Hauses Revue passieren zu lassen.

Das Haus wurde 1910 als Sommervilla erbaut, allerdings vom Eigentümer, einem Finanzexperten aus Berlin, nie bezogen. Stattdessen wurde das Haus vermietet. Sieben Jahre lang, von 1953 bis 1960, war es eine Entbindungsstation. Eine der Erzieherinnen wurde sogar in diesem Haus geboren, berichtete Bernd Tiebermann später. Im Jahr 1960, also vor 50 Jahren, wurde in dem Haus ein Vorschulkinderheim eingerichtet. Damals wurde nur eine Gruppe betreut. Die obere Etage war Wohnraum für die Heimleiterin sowie für einen Polizisten.

Dann kam eine ungewisse Zeit. 1989 waren die Eigentumsverhältnisse nicht klar, denn das Haus, so Bernd Tiebermann, wurde der Jugendhilfe mündlich geschenkt. „Es waren dramatische Zeiten“, erinnerte der Leiter an die Wendezeit, als das Heim kaum noch belegt war und niemand sagen konnte, wie es weiter geht. Unter diesem Aspekt galt sein besonderer Dank der damaligen Leiterin Sylvilie Pross. 1983 übernahm sie die Leitung des Hauses und führte es über die Wende hinweg bis 2005. Sylvilie Pross nahm an der Feierstunde teil. Als Nachnutzer sei Bernd Tiebermann dankbar, dass die damaligen Mitarbeiter das Haus weiter geführt haben, ohne zu wissen, was die Zukunft bringen wird.

Von 1960 bis 1990 hatte das Kinderheim eine Aufnahmekapazität von 30 bis 35 Kindern im Vorschulalter. In Schlafsälen wurden damals übernachtet. „Die Zeit damals war so“, machte der Leiter auf Zustände aufmerksam, die heute nicht mehr denkbar sind. Aktuell leben 15 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis fast 18 Jahren in der Einrichtung, zwei weitere haben eine Wohnung in diesem Haus und zwei im Ort. „Die Jugendlichen sollen sich so weit wie möglich verselbstständigen“, erläuterte Bernd Tiebermann.

Als „Glücksgriff“ bezeichnete der Heimleiter die Übernahme des Hauses durch das DRK Altmark-West im Jahr 1992. Für 100 000 DM hatte das DRK das Kinderheim vom Landkreis abgekauft. Er lobte den DRK-Vorstand, der „auch in harten Zeiten“ stets zur Einrichtung stand.

Nicht um mehr Kinder zu betreuen, sondern um „exzellente Bedingungen zu schaffen“, erfolgte 2001 ein „Riesen-Anbau“. Seitdem ist die Einrichtung in der Lage, auch Einzelzimmer anzubieten.

Als „wichtige Gratmesser“ bezeichnete Bernd Tiebermann schließlich fünf seiner Mitarbeiter, die länger als 20 Jahre in der Einrichtung tätig sind. Besonders hob er Ruth-Ellen Voß hervor. Die Apenburgerin ist seit 1966 im Kinderheim tätig. „Die Mitarbeiter sind entscheidende Bausteine“ in der Erfolgsgeschichte des DRK-Kinder- und Jugendheims, stellte er fest.

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